Unterhaltung

"Kann mir das nicht schönreden" Der Lack ist noch lange nicht ab

Bettina Zimmermann und Kai Wiesinger beim Empfang des Medienboards Berlin-Brandenburg. Foto: Jörg Carstensen

Bei ihr ist das Glas halbvoll - bei ihm auch: Bettina Zimmermann und Kai Wiesinger.

(Foto: dpa)

Ich treffe Bettina Zimmermann und Kai Wiesinger im Hotel Zoo am Kurfürstendamm in Berlin. Weihnachtlich ist es dort, gemütlich, wir wollen eigentlich sofort essen gehen. Aber erst einmal stellt das Paar – vor und hinter der Kamera - die neue Staffel ihrer Serie "Der Lack ist ab" vor. Älterwerden ist ja nicht immer ganz einfach – in "Der Lack ist ab" aber nehmen es die beiden mit  Humor: Hanna (Bettina Zimmermann) und Tom (Kai Wiesinger) sind seit 20 Jahren verheiratet und stehen, trotzdem oder gerade deshalb, vor immer neuen Herausforderungen. Sie müssen nicht nur dringend frischen Wind in ihr Eheleben bringen, sondern auch dem Generationenkonflikt mit ihren Kindern gegenübertreten. Das Leben scheint nicht mehr so aufregend wie es einmal war und es kommen die unweigerlichen Fragen auf, die ein Paar sich so stellt, wenn es morgens gemeinsam im Bad steht und die Zähne putzt: "Sollte ich meine Haare färben?", "Wie erstellt man eigentlich sein Testament?" "Wieso sollte ich mir ein Sixpack antrainieren, wenn es sowieso keiner sieht?" "Der Lack ist ab" zeigt mit schonungsloser Ehrlichkeit den Alltag der Familie und dennoch hinterlassen die Wirren dieses Lebens den Zuschauer in einer fröhlichen und lebenbejahenden Stimmung.

n-tv.de: Woher wisst ihr, wie es bei mir morgens im Bad zugeht?

Bettina Zimmermann & Kai Wiesinger: (lachen) Ist das nicht überall gleich?

Naja, aber auch genau richtig herum in der Rollenverteilung, das ist ja gruselig. 

lack.JPG

Midlife-Crisis? Was ist das?

KW: So ist es nun mal. Wenn man genau beobachtet, dann muss man ja nur aufschreiben, wie es abläuft; wenn man nicht versucht, irgendwelche Charaktere zu erfinden, die darauf getrimmt werden, dass andere sie mögen, sondern wenn sie so sind, wie das Leben eben ist. Ich spreche da ganz viel mit anderen drüber, in erster Linie natürlich aber mit Bettina. Und dann versuchen wir, ganz subjektiv natürlich, kleine und große Geschichten zu erzählen, die unser Leben ausmachen. Dazu greifen wir auch zurück auf Erzählungen aus dem Freundeskreis, auf Geschichten anderer, auf Selbsterlebtes … Was passiert, wenn ich ganz nah dran bleibe am Echten? Bei mir, bei meinem Alter, bei meinen Erfahrungen. Dadurch entsteht die Allgemeingültigkeit, weil wir uns alle irgendwo doch sehr ähnlich sind. So bleiben die Rollen sehr pur, sehr wahrhaftig. So wie wir reden die Menschen, man benutzt Worte zwei Mal, man verspricht sich …

BZ: Das heißt aber nicht, dass wir ständig improvisieren. Kai schreibt diese Dialoge, und wir halten uns daran. Das ist allerdings eine Masse an Text, da kann man schon Respekt vor haben (lacht). Es fällt einem dann aber recht leicht – sagen auch die Kollegen - in die jeweilige Rolle zu schlüpfen, weil man sich sofort mit den Charakteren identifizieren kann. Das beste Kompliment, was wir bekommen haben ist: "Das seid doch ihr!?!"

Und, seid ihr das?

BZ: Naja, (lacht) jeder bringt seine Erfahrung mit rein, aber letztlich ist es doch eine Rolle. Mit manchen Themen kennt man sich mehr aus, mit anderen weniger. Beim Recherchieren stößt man manchmal auch auf Dinge, von denen man nun gar keine Ahnung hat, die wir vielleicht noch nicht selbst erlebt haben, die aber für andere in unserem Alter schon eine große Bedeutung haben..

KW: Neulich habe ich ein Gespräch in einem Baumarkt gehört, das habe ich mir gleich notiert, so etwas kann keiner besser erfinden.

Seid ihr texttreu?

KW: Wir versuchen das! Ich bin ein großer Freund davon, Proben gleich mitzudrehen und nicht lange herumzueiern. Ich als Regisseur empfinde es als Geschenk, mit unseren tollen Kollegen, die mir eigentlich andauernd etwas schenken. Dadurch, dass sie so wahrhaftig sind.

BZ: Bei der Lack ist ab haben aber auch Luxusbedingungen für uns Schauspieler, denn wir spielen die Szenen meist an einem Stück. Teilweise haben wir acht-Minuten-Takes. Das macht einen als Schauspieler schon sehr glücklich, wenn man so viel Zeit bekommt zuzuhören und gemeinsam eine Situation entstehen zu lassen.

Die Folgen sind ja auch – leider – gar nicht lang, so acht bis zwölf Minuten, oder?

KW: Ja, aber jetzt bei Amazon sind wir etwas länger geworden, 12 bis 14 Minuten haben wir schon.

Was haltet ihr von einem Spielfilm?

KW: Dazu wollen wir noch nichts sagen, oder? (lacht)

Wenn man etwas Gutes gefunden hat, in diesem mittleren Alter, dann will man ja mehr. So viel gibt es nicht für – sage ich mal: die Frau in den besten Jahren …

BZ: Aber da kommt ja auch noch was...z.B. die  Folge "Die unsichtbare Frau", da geht es darum ab einem bestimmten Alter von den Männern nicht mehr wahrgenommen zu werden... sie gucken plötzlich nicht mehr auf den Po sondern nur noch auf den Haaransatz, der noch nicht nachgefärbt ist...

Ich bin gespannt. Welche Kollegen sind denn in der vierten Staffel dabei?

BZ: Natürlich wieder unsere "Kinder" Luise Befort und Benjamin Stein, und dann sind dabei Veronica Ferres, Christian Paul, Torben Liebrecht, Johann von Bülow, Gitta Schweighöfer, Rainer Schöne und Monika Hansen.

Ihr habt diese großen Kinder, ihr habt aber auch ein Baby – sowohl im Film als auch im wahren Leben.

Zusammen: Bettina Zimmermann und Kai Wiesinger. Foto: Jens Kalaene

Im Bad morgens, bei Bettina und Kai, da ist es auch nicht anders als bei den anderen ...

(Foto: dpa)

BZ: Ja, manches ist wie im echten Leben (lacht). Die einen sind schon fast aus dem Haus, und dann kommt noch Nachwuchs. Die Verhältnisse beginnen sich umzukehren: Die eigenen Eltern ziehen  jetzt bei dir ein, man hat plötzlich in alle Richtungen zu tun. In der Mitte des Lebens wird man mit  vielen neuen Dingen konfrontiert.

KW: Besonders die kleinen Kinder machen einem deutlich, dass man nicht mehr zwanzig ist und der Lack tatsächlich bröckelt.  Beim Fußball mach der Rücken Probleme, auch an der Kletterwand war ich vor zwanzig Jahren schneller...Der körperliche Verfall lässt sich nicht mehr ganz verheimlichen... Ich brauch' ne Brille, ich muss zur Darmspiegelung, die Knie sind auch nicht mehr das, was sie mal waren …

BZ: … auch wenn man das Gefühl hat, man könnte sich doch locker an der Uni einschreiben und mit den Studenten abhängen …

… ja, das denken wir, aber das sehen die sicher anders …

KW: … und das mit dem Sixpack ist auch nicht mehr so einfach. Ich muss drei Tage trainieren, damit überhaupt ein bisschen was zu sehen ist, ach was, drei Wochen, und so ein junger Typ der braucht höchstens drei Stunden dafür. Aber: Will ich das überhaupt noch? Brauche ich das? Mit wem muss ich mich messen? (lacht)

Das Wort Midlife-Crisis zum Beispiel, das finde ich gar nicht so zutreffend, man ist doch eher in der Mitte des Lebens …

KW: Aber es beinhaltet doch vieles, was ich ansprechen will. Die Krise ist doch, dass man sich im falschen Körper wahrnimmt. Man denkt sich: "Das stimmt doch alles nicht, ich bin doch genauso wie früher!" Und da kann ich mir noch so oft sagen: 50 ist das neue 30! Nein, mein Knie sagt nein. Das sagt, dass ich es 50 Jahre benutzt habe, und jetzt lässt es mich das spüren. Da kann ich mich äußerlich restaurieren lassen wie ich will, innendrin bin ich 50.

BZ: Unsere Generation hat aber auch diesen Mut, trotzdem nicht zu resignieren. Wir haben noch so viel vor, man kann ganz vieles neu anfangen. Aber man stellt sich die Fragen des Lebens: In der Partnerschaft, im Beruf, will ich alles ganz neu vielleicht? Ist "ok" denn okay genug? Reicht mir das? Man könnte jeden Schritt nochmal gehen …

KW: Aber die Perspektive ist viel schlechter. Weil kürzer. Ist doch scheiße (lacht).

BZ: Wir werden ja älter, und wir werden anders älter als früher.

KW: Ich kann mir das nicht schönreden, Bettina, es wird schlechter.

BZ. Na danke, jetzt hast du mich schön runtergeholt (lacht). Ich rede mir das schön, mein Glas ist immer halb voll.

KW: Und es kann ja auch noch viele tolle Jahre geben …

Habt ihr euch mit dieser Form zu arbeiten, mit den Episoden, eine Art Traum erfüllt?

BZ: Wir haben eine große Freiheit, ja das ist schon ein Traum.

KW: Nach  dreißig Jahren Erfahrung vor der Kamera, wollte ich neue Wege gehen. Die Grundidee, das Konzept hatte ich schon vor 15 Jahren, aber da war noch keiner so weit. Ich wollte künstlerische Freiheit, durch Unabhängigkeit von Sendeplätzen und Förderungen. Ich war schon damals überzeugt, dass Marken unser Spektrum erweitern können. Das Werbung sich vollkommen verändern wird und mit Opel hatten wir einen innovativen Partner gefunden der die Chance  erkannt hat und uns hat machen lassen. Neue Wege zu gehen, das war das Spannende daran. Wir wollten Unterhaltung machen für Menschen, die früher "Kleine Haie " gemocht haben und die jetzt nicht zu Mario Barth wollen. Subtiler Humor und Spaß, der nicht unter die Gürtellinie geht, das war das Ziel.

BZ: Und nicht immer auf Kosten anderer. Man kann bei uns über sich lachen und sagen: Wir sitzen alle in einem Boot.

Mit Bettina Zimmermann und Kai Wiesinger sprach Sabine Oelmann

Die vierte Staffel der Comedy-Serie wird als Prime Original am 19. Dezember bei Deutschlands beliebtestem Video-Streaming-Service Amazon Prime Video Premiere feiern. Fans können dann auch die ersten drei Staffeln bei Amazon Prime Video in Deutschland und Österreich ansehen. Ab Anfang 2018 gibt’s die Serie auf Englisch synchronisiert weltweit. Die Drehbücher stammen von Kai Wiesinger. Produziert wird die Serie von Phantomfilm GmbH.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema