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Präsidenten-Schwiegersohn Emin ist stolz auf Baku

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Emin Agalarov ist jung, erfolgreich, sieht gut aus - und ist der Schwiegersohn des Präsidenten.

(Foto: Promo / Frederic Aranda)

Wenn beim Eurovision Song Contest das Televoting läuft, wird ein Künstler auftreten, den im Westen kaum jemand kennt: Emin Agalarov ist in Aserbaidschan und Russland ein Star. Und er ist der Schwiegersohn des Präsidenten. Mit n-tv.de spricht er über Musik und Geschäfte - und ein bisschen auch über den Vater seiner Frau.

n-tv.de: Du bist in Russland groß geworden, in der Schweiz, in den USA ...

Emin: Eigentlich bin ich noch gar nicht groß geworden. Ich bin immer noch ein Kind. (lacht)

Ach, du siehst aber schon ganz groß aus ...

Du meinst alt. Danke, Mann. (Emin klopft dem Journalisten auf die Schulter)

Auf die Welt gekommen bist du in Aserbaidschan. Wie ist es für dich, den Song Contest hier stattfinden zu sehen?

Wunderbar und aufregend. Es ist eine fantastische Gelegenheit für mein Land, sich zu präsentieren. Ich kann gar nicht ausdrücken, wie stolz wir als Aserbaidschaner sind, dass wir den Song Contest austragen dürfen. Ich denke, es ist die perfekte Zeit dafür. Baku war noch nie so schön, wie es heute ist. Schau dich doch nur um!

Bist du ein Eurovisions-Fan?

Auf jeden Fall. Ich würde mich jetzt zwar nicht als Mega-Eurovisions-Fan bezeichnen, aber ich schaue den Contest, so lange ich denken kann. Ich denke, dadurch, dass das Interesse an ihm weltweit immer größer wird, wird er auch immer besser - bessere Qualität, bessere Organisation, bessere Produktion. Und er wird immer interessanter und bunter. Die ganze Welt nimmt ihn immer ernster und jedes Jahr schauen mehr zu.

Warst du schon mal als Besucher bei einem Contest?

Nein, dieses Jahr bin ich zum ersten Mal da.

Du könntest ja auch als Teilnehmer für ein Land antreten. Hast du darüber schon einmal nachgedacht?

Nein. Ich wurde dieses Jahr eingeladen, um als Gast aufzutreten. Das ehrt mich wirklich sehr und ich bin sehr stolz darauf. Aber, wer weiß, vielleicht nehme ich eines Tages auch teil ... Ich mache keine solchen Pläne. Wir werden sehen.

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"Du stellst mir ganz frei Fragen. Und ich bin der Schwiegersohn des Präsidenten. Das ist die Antwort."

(Foto: Promo / Frederic Aranda)

Du bist schon sehr erfolgreich in Russland. In Westeuropa, abgesehen von Großbritannien, kennt man dich indes noch kaum. Dabei ist dein neues Album "After The Thunder" bereits dein sechstes ...

Ja, aber meine ersten vier Alben wurden nur in Russland und Aserbaidschan veröffentlicht. Meine erste in gewisser Weise internationale Veröffentlichung war das Album "Wonder", das auch in Großbritannien erschienen ist. "After The Thunder" wird jetzt in mehr als 20 Ländern veröffentlicht. Ich hoffe natürlich, dass der Song Contest mir hilft, meine Anhängerschaft zu vergrößern und mehr Menschen für meine Musik zu begeistern.

Was kannst du mir über dein neues Album erzählen?

Es war eine Herausforderung. Ich habe mit einigen Co-Writern etwa 40 Songs dafür geschrieben. Auf das Album sind jedoch nur 12 davon gekommen. Die Auswahl zu treffen, war wirklich hart. Wir haben nur die Besten ausgesucht - textlich, melodisch und gesanglich. Es ist definitiv das beste Album, das ich je gemacht habe, und ich hoffe, dass es eine Zeit lang überdauert.

Du singst seit jeher auf Englisch. Warum?

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Emin ist Fan von Engelbert Humperdinck.

(Foto: Promo / Frederic Aranda)

Ich mochte einfach schon immer westliche Musik. In meiner ganzen Musikkarriere habe ich nur Englisch gesungen. Nur vor kurzem, vor etwa einem Monat etwa, habe ich einen Song auf Russisch herausgebracht, weil meine Plattenfirma mich darum gebeten hatte. Sie sagten: "Du verlierst zu viele Zuhörer. Es gibt so viele Radiostationen in Russland, die keine fremdsprachige Musik spielen." Sie hatten Recht. Nachdem ich den Song herausgebracht hatte, ging er in die Charts und er wurde von Radios gespielt, die mich nie zuvor gespielt hatten.

Du stammst aus einer sehr reichen Familie. Dein Vater ist Milliardär. Auch du selbst bist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Was ist die Musik für dich - ein Hobby, Beruf oder Leidenschaft?

Hobbys verschlingen nicht so viel Zeit. Natürlich ist das mein Beruf. Ich mache das jetzt seit 15 Jahren. Mein Debütalbum ist vor 7 Jahren erschienen. Ja, ich betreibe ein Familienunternehmen, auf das ich achte. Dieses Unternehmen ist mir und meiner Familie wichtig. Wir kümmern uns mit meinem Vater als eine Art Team darum. Aber die Musik war immer meine Leidenschaft. Also habe ich mich entschlossen, ihr nachzugehen. Ich habe gar keine andere Wahl. Ich sitze jeden Tag am Klavier und singe, auch wenn ich nur zu Hause bin. Ohne Musik könnte ich nicht leben.

Wie kriegst du es unter einen Hut, dich neben der Musik auch noch ums Unternehmen zu kümmern?

Das ist alles eine Frage des Managements. Man muss sein Leben managen - egal, ob es um die Familie, das Geschäft oder die Musik geht. Es geht darum, die richtige Balance zu finden.

Um was geht es bei eurem Unternehmen?

Entwicklung, Mode, Restaurants - das ist das Unternehmen mit unserem Vater. Ich selbst habe zum Beispiel hier in Baku am Ufer ein Hotel eröffnet - in ihm wohnen gerade die Omas aus Russland (die für ihr Land am ESC-Finale teilnehmen). In Moskau habe ich einige Restaurants eröffnet. Hinzu kommen viele Modegeschäfte, durch die ich viele Marken nach Moskau und Baku gebracht habe. Aber dem gilt jetzt nicht mehr meine Konzentration, sondern der Musik, auch wenn ich einige Dinge weiter persönlich manage.

Du bist nicht nur Musiker und Unternehmer, sondern auch der Schwiegersohn des aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Alijew. Wie würdest du ihn charakterisieren?

Ich kann ihn nur aus einer familiären Perspektive beschreiben. Er ist ein großer Familienmensch. Er liebt die Familie und verbringt sehr viel Zeit mit ihr. Er ist ein toller Mann.

Politisch finden das nicht alle. Wenn man hier durch Baku geht, kann man den Personenkult, der um ihn gemacht wird, sehen. Bei seiner vergangenen Wahl soll auch nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein ...

Ich glaube, Negativität gibt es in jedem Land, mit jedem Präsidenten und mit jeder Regierung. Das ist gesunde Kritik. Zugleich sprechen die Veränderungen, die man hier in der Stadt sieht, und das Lächeln auf den Gesichtern der Menschen für sich. Wenn man bedenkt, dass wir vor 20 Jahren noch Teil der Sowjetunion waren, dann ist dies wie ein brandneues Land, das sich selbst neu aufbaut. Natürlich gilt es dabei, Hürden zu überwinden. Aber von allen Republiken, die aus der Sowjetunion hervorgegangen sind, sind wir derzeit führend. Wenn es derzeit noch keine perfekte Demokratie ist, dann sind wir auf dem Weg dorthin. Wir gehen in die richtige Richtung. Das ist toll.

Die Opposition sieht das anders. In den vergangenen Tagen gab es immer wieder Proteste anlässlich des Song Contests. Hast du dafür Verständnis?

Ich möchte mich nicht zu tief auf politische Themen einlassen. Aber: Opposition gibt es überall, auch in Moskau gerade zum Beispiel. Das gehört zu einem gesunden System dazu, um eine Balance zu schaffen.

Viele kritisieren Defizite bei der Meinungs- und Pressefreiheit in Aserbaidschan ...

Ich spreche doch gerade ganz frei mit dir. Du stellst mir ganz frei Fragen. Und ich bin der Schwiegersohn des Präsidenten. Das ist die Antwort.

Dann nur noch eine letzte Frage: Wer ist dein Favorit beim Song Contest?

Natürlich mag ich unsere Sängerin Sabina Babayeva sehr gerne, die russischen Babuschkas und Engelbert Humperdinck. Von ihm bin ich Fan.

Mit Emin sprach Volker Probst

Quelle: ntv.de