Unterhaltung
Gil und Ekat - Leidenschaft pur.
Gil und Ekat - Leidenschaft pur.(Foto: MG RTL D / Stefan Gregorow)
Samstag, 10. Juni 2017

"Out of this world": Gil Ofarim gewinnt "Let's Dance"

Von Verena Maria Dittrich

Noch nie war ein Finale so spannend wie in dieser Jubiläumsstaffel. Drei Tänzer liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen - und obwohl auch Angelina Kirsch toll abliefert, heißt es am Ende nur: Gil oder Vanessa? Hätten Sie auch so entschieden?

"Männer können tanzen", sagt Motsi, "aber überall wollen sie immer nur Fußballspielen, hey, kommt doch mal zum Tanzen!" Wie recht sie doch hat, denn Gil Ofarim ist Dancingstar 2017! So richtig zu realisieren scheint er seinen Sieg nach der Verkündung und dem vorangegangenen Kopf-an-Kopf-Rennen mit Tanzmaschinchen Vanessa Mai aber noch nicht.

Zwölf Wochen hartes Training, Blessuren, blaue Flecke und jede Menge Heulattacken liegen hinter den Tänzern. Ins Finale schaffte es am Ende nur die "Creme de la Creme": Gil Ofarim, Vanessa Mai und Angelina Kirsch. Alle drei Finalisten geben noch einmal alles, jedes Paar bietet drei Tänze dar: einen Jurytanz, einen Lieblingstanz und einen Freestyle.

"Wir sind alle Gewinner"

Obwohl Angelina, die "Queen of Motion", genau wie ihre beiden Kontrahenten, Bestnoten für ihre Performances einheimst, scheint es (vielleicht auch ihr selbst), von Anfang an klar zu sein, dass sie gegen Gil und Vanessa keine Chance hat. Mit dieser Einstellung tanzt sie auch gleich viel freier und entspannter.

Vanessa hat alles gegeben.
Vanessa hat alles gegeben.(Foto: MG RTL D / Stefan Gregorow)

Eines muss man aber klar und deutlich sagen: Zwei so starke Gegner wie Gil und Vanessa hat es bisher in keiner Staffel gegeben. Und auch wenn Ofarim betont: "Wir sind alle Gewinner", sind es letztlich vermutlich nur Nuancen, die entscheidend waren, dass Vanessa Mai den Titel nicht gewonnen hat. Vielleicht, weil sie am Ende für so manchen Zuschauer "zu viel geheult und man ihr ihre Emotionen nicht immer so ganz abgekauft hat". Bis zum Schluss konnte sie nie ganz den Vorwurf ausräumen, sie sei das totale "Trainingsmonster", ohne Gefühl und ohne Herz.

Denn das Tanzen beherrscht sie nahezu in Perfektion. Kein anderer Promi hat so oft die Zehnerkellen zu Gesicht bekommen wie die Schlagersängerin: Ihr langsamer Walzer zu "No Woman, No Cry" von Bob Marley - sensationell. "Sie tanzt einen Wischer und dann einen Chassé einwandfrei", lobt Llambi die Frau, die "immer ein bisschen zu streng mit sich selbst" ist, in einer Tour.

"Wir können alle nach Hause gehen"

Angelina zeigt ihre wilde Seite.
Angelina zeigt ihre wilde Seite.(Foto: MG RTL D / Stefan Gregorow)

Und wenn sie dann Latein tanzt, sagt Motsi, "können wir alle nach Hause gehen". Llambi würde ihr für ihren Lieblingstanz, einen Cha-Cha-Cha, am liebsten "zwanzig Punkte geben", denn ihre Performance war: "out of this world".

So ist es natürlich ein wenig undankbar und unfair zugleich, wenn ihr bei ihrem letzten Tanz, einem Freestyle zu "Zorro" von bösen Zungen im Netz vorgeworfen wird, sie würde sich von ihrem "Herzensmenschen" Polanc nur in die Luft heben und rumdrehen lassen. Diejenigen, die sie mögen, verbeugen sich vor ihrer Leistung, die anderen nimmt ihre Abschlussvorstellung mit den "vielen Kostümwechseln" emotional nicht mit.

Und genau das ist es, worum es beim Tanzen geht: Emotionen. Weint jemand zu viel, ist er oder sie eine Heulsuse und berechnend, weint jemand überhaupt nicht, kann auch irgendwas nicht stimmen. Letztlich kommt es insofern nicht darauf an, wie oft jemand zehn Punkte absahnt, sondern ob man das Publikum berührt und auf eine Reise mitnimmt. Denn das Publikum ist vieles: kritisch, skeptisch, gehässig, gerecht, ungerecht, gemein, direkt - aber eines ist es mit Gewissheit nicht: dämlich. Es merkt, wenn es verhohnepiepelt wird und zu viele unechte Tränen fließen.

Aber man steckt eben auch nicht drin in der Haut der Tänzer. Es sind ihre Tränen, ihr Schweiß, ihr Muffensausen. Und in zwölf harten Wochen wächst man auch ein Stück weit zusammen. Verständlich, dass man sich nach all der langen Zeit beim Tanzpartner bedankt, der einen über seine eigenen Schwächen getragen hat. "Es gab nie was Besseres", lobt Motsi an dieser Stelle auch die "sensationelle Zorro-Choreografie" von Christian Polanc.

Faisal - einmal Speck schütteln, bitte!

Freestyle von Gil und Ekat
Freestyle von Gil und Ekat(Foto: MG RTL D / Stefan Gregorow)

Eine Klasse für sich sind auch die Auftritte der bereits Rausgepfefferten. Frau Ohoven walzert voldemortlich übers Parkett und weiß immer noch nicht, warum sie so früh gehen musste und auch ihre Leidensgenossen zeigen noch einmal ihre schönste Tänze. Die Stimmung ist ausgelassen, schließlich müssen die Promis ja keinen Blumentopf mehr gewinnen.

Unvergessen: Faisals "Schüttel deinen Speck"-Darbietung und Giovannis Contemporary.

Für Tumulte unterm Pult, dieses Mal auf der Seite des Chef-Jurors, sorgt Goldkehlchen Helene Fischer, die natürlich allen, am meisten aber, ihrer "wunderbaren Kollegin" den Sieg gönnt. Und wenn man den Llambi mit der Helene dann so discofoxen sieht, denkt man sich auch: Mensch, heb die Füßchen, mach den Rücken nicht so rund!

Mit der meisten "Demut und Wehmut" von allen aber scheint Gil ins Finale gegangen zu sein. Schnell hat man in der Vielzahl der Tänze vergessen, wer welchen Tanz wann getanzt hat. Was aber hängenbleibt, ist "die perfekte Symbiose" zwischen dem Musiker und seiner Partnerin, Ekat. "Ihr habt mit Euren Körpern gesprochen", sprudelt die Jury über vor Lob und eigentlich könnte man jetzt auch losgehen und T-Shirts mit Zehnerkellen-Drucks besorgen.

Den Vogel aber schießt der bescheidene Beau mit seinem Freestyle zu "Avatar" ab. In aufwendig gearbeiteten Kostümen legen Gil und Ekat eine Show hin, die das Publikum im Saal von den Sitzen reißt. Man kann sich darüber streiten, ob diese Darbietung besser, schlechter oder genauso gut wie Vanessas Abschlussvorstellung gewesen ist. "Sie war fresh und inspirierend" und hat vor allem ein Herz mit Stolz gefüllt: das von Gils krankem Vater.

Die Jury vergibt zweimal zehn Punkte, Llambi zieht einen ab. Dem Sieg hat das am Ende nicht geschadet. Gil Ofarim gewinnt "Let's Dance" 2017 und beweist, dass Männer sich vorzüglich bewegen können. Hey, Ihr Fußballfans, Lust auf'n kleinen Tanzkurs?

Quelle: n-tv.de