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"Sing meinen Song": Zweite Runde Gruselgeschichten aus dem Sprit-Archiv

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Na dann Prost: Bei der zweiten Folge "Sing meinen Song" wurden einige Alkohol-Anekdoten zum Besten gegeben.

(Foto: TVNOW / Markus Hertrich)

Wacken-Power, Thekenrock de luxe und zum Nachtisch Valium-Deutschpop und trinkfeste Anekdoten aus der Suff-Hölle: Am zweiten "Tauschkonzert"-Abend tischen Michael Patrick Kelly, Johannes Oerding und Co. groß auf.

Live-Gigant, Goldkehlchen, Lagerfeuer-Poet und für Milow sogar der "Bruda von eine andere Muda": Johannes Oerding wird nicht nur hierzulande, sondern auch im fernen Südafrika verehrt, geliebt und auf Händen getragen. Sich dem oerdingschen Zauber zu entziehen, ist aber auch ein Ding der Unmöglichkeit. Der Kerl hat Humor, schlürft Ramazzotti auf Eis, hält die Pfadfinder-Fahne hoch und schreibt Deutschpop-Evergreens, mit denen er in puncto Tiefgang und Authentizität in einer eigenen Liga spielt.

Auch die prominenten Damen und Herren auf der "Tauschkonzert"-Couch sind sich der heutigen Herausforderung bewusst. Einen Oerding-Song einfach nur nachträllern kann jeder. Aber das derzeit tonangebende Deutschpop-Schaffen mit eigenem Leben füllen? Nun, Jennifer Haben wagt sich als Erste auf die Bühne und verwandelt Oerdings Psycho-Hymne "Alles brennt" in ein vertrackt pumpendes Experimental-Metal-Brett.

Mit viel Feuer unter der Sound-Pfanne heizt die "Beyond The Black"-Frontfrau die Stimmung richtig an. Da will Kollegin Jeanette Biedermann natürlich nicht die Spaßbremse spielen. Mit dem vollen Weinglas in der einen und dem Mikrofon in der anderen Hand stürmt das gerade mal eineinhalb Meter große Powerknäuel die Bühne und tischt das beliebteste Rockstar-Märchen auf ("Nie wieder Alkohol").

"Du supergeile Zick!"

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Stand im Fokus der aktuellen Sendung: Johannes Oerding.

Abermals kracht es unter Südafrikas Palmen ganz gewaltig: "Du supergeile Zick!", jubelt nicht nur Gastgeber Michael Patrick Kelly. Auch die eher auf zarteren Klangpfaden wandelnden Kollegen Milow, Wincent Weiss und Alvaro Soler recken die Fäuste gen Nachthimmel und preisen den Rock-Gott.

Für eine Komplett-Metamorphose reicht es aber nicht ganz. Statt in ihrer musikalischen Komfortzone zu entschwinden, kommen die Herren in der Runde mit dem Standard-Programm um die Ecke. Einschläfernder Zu-Hause-ists-am-schönsten-Pop ("Hundert Leben") von Wincent Weiss und Michael Patrick Kelly ("Heimat"), Buena-Vista-Grooves aus dem Hause Soler ("Kreise") sowie ein milowsches Klingklang-Fädenziehen zwischen Bob Dylan, John Lennon und Nicole ("Weiße Tauben"): In Sachen Kreativität schießen die "Chartbreaker" heute definitiv keine allzu großen Sterne vom Himmel.

Aber zum Glück geht es beim "Tauschkonzert" nicht ausschließlich nur um Musik. Es geht auch - und bisweilen sogar vor allem - um die kleinen und großen Geschichten hinter der glitzernden Fassade. Auch am zweiten Abend nehmen die Kandidaten kein Blatt vor den Mund und posaunen so manches bis heute gut behütetes Auweia!-Geheimnis in die weite Welt hinaus.

Jeanette blättert im Alkohol-Archiv

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Wincent Weiss offenbarte Durchhaltevermögen in Sachen Kotzen.

Und so ist man zu Hause ganz Ohr, wenn Jeanette im Alkohol-Archiv blättert und von Zeiten berichtet, in denen ihr regelmäßig der Appelkorn aus der Nase kam. Verständnisvolles Nicken macht die Runde. Sich das Dasein schön- oder zumindest zurechtzusaufen ist in Rock- und Popstar-Kreisen bekanntermaßen genauso verbreitet wie das gegenseitige Augenzuhalten im HSV-Fanblock.

Sogar Pop-Küken Wincent Weiss hat schon mehr Abende unter dem Tresen ausklingen lassen als so manch ein Kneipenbesitzer in Berlin-Wedding: "Einmal bin ich komplett dicht in die Straßenbahn getorkelt. Ich hatte den ganzen Mund voller Kotze und habe gebetet, dass mich niemand anspricht. Als ich dann ausgestiegen bin, hab ich mir gleich den nächsten Mülleimer gesucht", prahlt der Sänger, dessen Fans sich vorzugsweise von Milchschnitten ernähren.

Da steht selbst Appelkorn-Queen Jeanette auf und spendet Beifall: "Wow! Du bist echt ein ordentlicher Kotzer", lobt die Kollegin. Da schließen wir uns daheim natürlich an, verleihen das imaginäre "Toller Hecht"-Abzeichen in Silber und heben geschlossen die Tassen. Bevor ein letztes "Prost!" durch die Nacht hallt, lauschen wir aber nochmal den oerdingschen Jukebox-Klängen. Phil Collins? Oasis? Mirja Boes? Völlig wurscht. Der Johannes hat sie alle auf Tasche. Mit der Klampfe im Arm macht ihm keiner was vor. Darauf ein Ramazotti auf Eis. Jetzt aber: Prost!

Quelle: n-tv.de

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