Unterhaltung

Lanz wärmt "Wetten dass..?" auf Hausmannskost statt Galadinner

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Soll künftig acht Shows von "Wetten dass..?" im Jahr präsentieren: Markus Lanz.

(Foto: dapd)

Von Late-Night-Talk und Küchenstudio auf die große Showbühne am Samstagabend: Markus Lanz hat sich tatsächlich breitschlagen lassen, die Moderation von "Wetten dass..?" zu übernehmen. Neuer (G)Lanz in der Hütte oder Firle-Lanz?

Nichts gegen Hausmannskost. Die kann durchaus lecker sein. Wenn man die Bezeichnung wörtlich nimmt, hat sogar Mann die Zutaten zu Hause. Sie kostet nicht viel. Und vor allem: Sie füllt den knurrenden Magen. Da würden wohl auch die Spitzenköche, mit denen Markus Lanz bislang regelmäßig kocht, nicht widersprechen.

Schließlich kommt es auf den Hausmann und dessen Fertigkeiten in der Küche an. Und wer wollte schon widersprechen, wenn man Lanz eine bislang solide Leistung in der ZDF-Unterhaltungs-Kantine bescheinigt. Seine Talkshow zu nachtschlafender Zeit bereitet der gebürtige Südtiroler in der Regel ansprechend zu. Seine Messer - und da unterscheidet er sich schon einmal deutlich von Thomas Gottschalk - sind durch gute Vorbereitung auf seine Interview-Gäste gewetzt. Anders als etwa Kollegen wie Reinhold Beckmann stochert Lanz nicht nur als Stichwortgeber in der Buchstabensuppe seiner Gesprächspartner herum, sondern filetiert deren Antworten säuberlich. Manchmal gelingt ihm dabei sogar eine kleine Geschmacksexplosion, etwa da, als er FDP-Chef Philipp Rösler dazu brachte, bei der Causa Joachim Gauck nicht groß um den heißen Brei herum zu reden, sondern ziemlich frei von der Leber weg zu erzählen, wie er Kanzlerin Angela Merkel düpiert hat.

Wieder pappsatt

Mit Markus Lanz gerät die Übernahme von "Wetten dass..?" überdies zum Heimspiel. Seit 2008 beim ZDF, kann der Ex-RTL-Mann inzwischen als Pferd aus dem eigenen Stall gelten. Wirklich kostengünstig wird er zwar nicht zu haben gewesen sein, aber wohl - hoffentlich - auch nicht teurer als sein Vorgänger (Gottschalk soll zuletzt im Jahr rund 7,5 Ehrensold-Einheiten von den Mainzern erhalten haben). Das freut den Gebührenzahler, der ja schon genug für Gottschalks Pleiten, Pech und Pannen im Ersten geblecht hat. Und endlich ist das Darben nach einem neuen Moderator für "Wetten dass..?" beendet. Mehr als ein Jahr nach Gottschalks Ankündigung, der Sendung den Rücken zu kehren, war aus dem ersten Heißhunger und späteren Bauchgrimmen in der Frage inzwischen längst eine veritable Magenverstimmung resultiert. Mit der Lanz-Verpflichtung sind wir auf einen Schlag wieder pappsatt.

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"Ich gönne ihm jeden Erfolg", sagt Thomas Gottschalk zur Verpflichtung von Markus Lanz.

(Foto: dapd)

Die Frage ist, ob Hausmannskost auf Dauer glücklich macht. Oder ob Markus Lanz es tatsächlich schaffen sollte, seine Kantinen-Künste für das große Show-Restaurant zu verfeinern. Galadinner-Niveau wird er dabei jedoch wohl nie erreichen. Lanz ist nicht der Zampano, das Enfant Terrible und der bunte Pfau im Stile eines Thomas Gottschalk (vorausgesetzt, man gibt ihm das richtige Format). Und er ist auch kein Typ im Stile Hape Kerkelings, der mit Humor die Herzen der Zuschauer aus dem Stehgreif erobert. Ja, er kann schlagfertig sein. Aber für einen Unterhaltungsklassiker wie "Wetten dass..?" wirkt er auf den ersten Blick dann doch zu brav, zu steif, zu bieder, zu sehr Schwiegersohn.

Eine Nummer kleiner

Die bekannt gewordenen Änderungen am Konzept der Show legen nahe, dass den Machern dies durchaus bewusst sein könnte. Statt pompöser Sommer-Ausgaben aus einer Stierkampf-Arena auf Mallorca darf Lanz künftig im Winter eine bodenständigere Après-Ski-Variante der Sendung präsentieren. DJ Ötzi statt José Carreras. Die Pläne für ein "Kinder-Wetten-dass..?" symbolisieren geradezu, dass man sich darauf einstellt, fortan mit der Show eine Nummer kleiner unterwegs zu sein. Lanz kommt ohne Co-Moderatorin aus. Möglicherweise weil eine Köchin ja den Brei verderben könnte. Möglicherweise jedoch auch, weil glamouröses Beiwerk à la Michelle Hunziker oder Nazan Eckes, die zuletzt noch als weiblicher Sozius für den 42-Jährigen im Gespräch war, in einer Show ohne Glamour deplatziert erschiene. Dass man damit aber wieder an alte Quoten-Höhenflüge anknüpfen und der starken Konkurrenz von "Deutschland sucht den Superstar" und Co in der jüngeren Zielgruppe ein Schnippchen schlagen kann, darf bezweifelt werden.

Geradezu sinnbildlich dafür ist auch, wie die Inthronisierung von Lanz schließlich verkündet wurde. Nach Gottschalks Abschied und danach Monate lang breitgetretenen Spekulationen um seine Nachfolge durfte Hape Kerkeling seine Absage live vor einem Millionenpublikum in der Sendung verkünden. Dass es nun Lanz sein wird, der es wagt, in die überdimensionalen Fußstapfen zu treten, pfeifen die Medien auch schon wieder seit Wochen von den Dächern. Um das zu bestätigen, hat das ZDF allerdings nicht etwa eine große Pressekonferenz angesetzt oder einen prominenten Sendeplatz im Programm freigeräumt. Stattdessen erfolgte die Verkündung durch eine schlichte Mitteilung auf "heute.de". An einem Sonntag. Wen wundert es da noch, wo der alles entscheidende Handschlag zur Besiegelung des Coups zwischen Markus Lanz und ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut vollzogen wurde: in der Gaststube einer Pizzeria in Mainz.

Quelle: n-tv.de