Vatikan will Film einreichenHeiliger Stuhl greift erstmals nach dem Oscar

Der Vatikan will auf die große Oscar-Bühne: Erstmals soll ein Film aus dem Umfeld des Heiligen Stuhls ins Rennen um die begehrte Trophäe gehen. "Green Lava" erzählt die Geschichte eines Mannes mit einer Muskelerkrankung - und könnte bei der Verleihung 2027 als bester Dokumentar-Kurzfilm nominiert werden.
Der Vatikan will erstmals in der Geschichte der Academy Awards einen Film für einen Oscar einreichen. Wie das US-Branchenmagazin "Variety" berichtet, soll der Film "Green Lava" bei der 99. Oscar-Verleihung am 14. März 2027 in der Kategorie "Bester Dokumentar-Kurzfilm" ins Rennen gehen. Eingereicht ist der Film bislang nicht. Zunächst läuft er in einem Kino im Raum Los Angeles, anschließend will das Produktionsteam die erforderlichen Unterlagen zusammenstellen. Das teilte ein PR-Vertreter des Films dem Blatt mit.
"Green Lava" ist vom 18. bis 24. September in der Lumiere Music Hall in Beverly Hills zu sehen. Der siebentägige Kinolauf ist dabei Voraussetzung für die Zulassung: Nach den Regeln der Academy muss ein Dokumentar-Kurzfilm unter anderem sieben Tage in Folge regulär in einem Kino in Los Angeles County gezeigt werden. Der Zulassungszeitraum für den 99. Jahrgang endet am 30. September 2026, die Einreichfrist für Dokumentar-Kurzfilme am 8. Oktober 2026.
Den Vatikan würde der Film im Wettbewerb nicht offiziell vertreten. Beim internationalen Spielfilm läuft die Einreichung klassischerweise über nationale Auswahlkomitees. Seit Kurzem ist zusätzlich ein Weg über qualifizierende Festivalpreise möglich. Für Kurzfilme ist eine Empfehlung durch eine Regierung oder ein nationales Auswahlkomitee ohnehin nicht vorgesehen.
"Eine bewegende Betrachtung"
Im Zentrum von "Green Lava" steht der Italiener Giacomo Mattivi, der an Duchenne-Muskeldystrophie erkrankt ist, einer erblich bedingten, fortschreitenden Muskelerkrankung, die nahezu ausschließlich Jungen und Männer betrifft. Laut Inhaltsangabe muss sich Giacomo "einem Leben ohne seinen Bruder Mattia stellen, der gerade an Duchenne gestorben ist". Weiter heißt es in der Inhaltsangabe, Giacomo stelle sich den Einschränkungen seiner Erkrankung entgegen und finde Kraft in seiner Gemeinschaft und in der Natur.
Der 39 Minuten lange Film, der vor der Kulisse der Dolomiten spielt, wird als "eine bewegende Betrachtung über Unabhängigkeit, den menschlichen Geist und die transformative Kraft der Gemeinschaft" beschrieben. Als Kurzfilm gilt bei der Academy ein Film mit einer Laufzeit von maximal 40 Minuten inklusive Abspann.
Die Regie führten Lia Beltrami und Ali Aksu. "Giacomos Geschichte verdient es, allen bekannt zu sein, und deshalb freuen wir uns sehr über die Gelegenheit, 'Green Lava' im Rahmen des Oscar-Einreichungsverfahrens einzureichen", erklärte Paolo Ruffini in einer Stellungnahme gegenüber "Variety". Ruffini ist Präfekt des Dikasteriums für Kommunikation, das die Fernseh-, Radio-, Online-, Verlags- und Zeitungsaktivitäten des Heiligen Stuhls bündelt.