Unterhaltung

Das war der Echo 2013!* Helene Fischer macht uns atemlos

3hlh0622.jpg5240736369115710365.jpg

Willkommen zur Carmen-Nebel-Show!

(Foto: dpa)

Heute wird der Echo verliehen. Da werden die ausgezeichnet, die am meisten Musik verkauft haben. Und wer meint, dass das immer nur Pop, Rock und Hip-Hop ist, liegt voll daneben. Die Schlagerfrauen liefern sich dieses Jahr ein Gefecht um die ersten Plätze.

3hlj0010.jpg6027604901635686416.jpg

Ein direkter Vergleich ist unmöglich!

(Foto: dpa)

Schlager. Ja, was soll man sagen, kennste einen, kennste alle. Oktoberfest, Karneval - jahrzehntelange Beschallung hat in uns Ohrwürmer manifestiert, die uns willenlos machen, und sobald die "Polonäse Blankenese" erklingt, legen wir mit ganz großen Schritten unsere Hände der Heidi von hinten an die Schulter. Ein paar Ohrwürmer gefällig, die Sie heute den ganzen Tag verfolgen werden? "Deine Spuren im Sand", "Aber bitte mit Sahne", "Ganz in Weiß", "Ein bisschen Frieden" – und? Funktioniert, oder? Dabei sind Schlager gar nicht nur zum tumben Mitsingen da, Schlager spiegeln auch durchaus typische Situationen des Zeitgeschehens, doch dazu später. Momentan spiegeln da wie wild "Du hast mich 1000 Mal belogen"-Sängerin Andrea Berg und "Atemlos durch die Nacht"-Interpretin Helene Fischer unsere Bedürfnisse anscheinend am besten.

Wer da denkt, dass in Helene Fischer eine 70-Jährige im Körper einer 29-Jährigen sei, ist total falsch gewickelt. Die ist gar nicht spießig, sondern total süß und ein echter Allrounder! Und Andrea Berg, die herbe 48-Jährige, die seit Jahren die Best-of-Listen am Jahresende anführt: Auch 'ne echt coole Braut, Millionen Fans können nicht lügen! Schade, dass man heute Abend beim Echo nicht beide bewundern kann, denn auf einen Vergleich wollen die zwei Chanteusen es nicht ankommen lassen.

Vor allem, da Helene F. das Ding auch noch moderiert und somit eh klar im Vorteil ist. Sie wird wieder so was Robbie-Williams-Mäßiges machen, sie wird von der Decke schweben, aus einer Torte springen oder – klein und zart wie sie ist – sich aus einem Hut zaubern lassen. Andrea Berg will sich das, obwohl sie genauso oft nominiert ist wie ihre Kollegin, gar nicht erst antun, sie sei bereits auf dem Weg nach Dänemark zu einem Konzert und könne leider nicht kommen, heißt es.

Lanz geht, Fischer kommt?

13774355.jpg

Der Flori hat sich 2010 ihr Gesicht auf den Oberarm tätowieren lassen!

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Wir freuen uns jedoch schon auf ihre total überraschte Video-Grußbotschaft, sollte sie doch einen der Preise abstauben. Man kann schon verstehen, dass es nicht so einfach ist, wenn man da quasi vom Sockel gestoßen wird, die Helene ist momentan nämlich nicht wegzudenken aus der deutschen TV- und Musiklandschaft. Fehlt nur noch, dass sie "Wetten, dass…?" übernimmt.

Helene verzeiht man aber auch alles: Dass sie mit Florian Silbereisen zusammen ist zum Beispiel, für manche gestandene Männer ein echter Faux-pas. Oder dass sie bei der Abmoderation der Bambi-Verleihung* "Das war der Echo 2013!" gesagt hat – also bitte, das qualifiziert sie doch geradezu, diese Veranstaltung zu moderieren, was soll da noch schiefgehen?

Die Helene hat ganz viel richtig gemacht: Sie kam mit ihrer Familie nach Deutschland, als sie vier war. Dafür musste sie das sibirische Krasnojarsk verlassen und startete dann 2005 mit ihrer Karriere. Wie eine Rakete: Sie kann ihre Wohnzimmerwand mittlerweile mit 50 Goldenen und 30 Platin-Auszeichnungen tapezieren. Sechs Echos darf sie ihr Eigen nennen und ab heute Abend vielleicht noch ein paar mehr ("Bestes Album", "Deutschsprachiger Schlager", "DVD/ Blue Ray national"). Für zwei dieser Preise ist auch Konkurrentin Andrea Berg nominiert, auch sie hat bereits sechs Echos, ist aber schon schlappe 13 Jahre länger im Geschäft. Das wird also eng.

Wo sind die Männer? Vor der Glotze ...

35789427.jpg

Süß und sexy - was will man(n) mehr?

(Foto: picture alliance / dpa)

Andrea Berg, die als Arzthelferin startete und in Krefeld aufwuchs, hat dafür aber doppelt so viele Gold- und Platin-Auszeichnungen. Sicher hat sie jüngeren Schlager-Künstlern den Weg geebnet, und seit sie mit Dieter Bohlen zusammenarbeitet, geht sie quasi durch die Decke. Aber, wie Howard Carpendale es neulich in einem Interview mit n-tv.de so schön auf den Punkt brachte: "Wie kommt es eigentlich, dass momentan nur Frauen im Schlager so erfolgreich sind?"

Damit wollte er nicht klagen, und er vergisst auch Dauerbrenner (wie sich selbst) oder Newcomer (wie Andreas Gabalier, "I sing a Liad für di"), aber es stimmt schon: Wenn da nicht noch der Flori wäre, der Silbereisen, dann wüssten wir nur, dass jetzt auch eine Beatrice Egli (ebenfalls von Dieter Bohlen produziert) durchstartet und dass Schlager einfach nicht mehr "Maria und Margot Hellwig" bedeutet, sondern "junge Frauen, gern auch im Dirndl, sexy".

Männer? Fehlanzeige? Hat sich der Schlager-Konsument verändert? Ist es gar nicht mehr DIE Schlagerkonsumentin, die stundenlang für Wolle-Petry-Tickets ansteht?  Wenn man sich so umhört, schon: Männer zwischen 29 und 49 lassen sich bei Madame Tussauds lieber mit Helene Fischer als mit Angelina Jolie fotografieren, sie schicken ihre kleinen Kinder vor, wenn man eine Helen-Fischer-CD über hat ("der Kleine steht doch so auf sie") und dann gibt man dem Kleinen die CD und der sagt: "Was soll ich damit? Papa steht auf die!"

Kitsch, Küssen, Couchkissen

Ja, die Helene, sie hat den Männern den Kopf verdreht, sie schämen sich nicht einmal, zusammen zum Konzert zu gehen, sie lernen die Atemlos-Choreo auswendig, um sie bei Familienfesten aufzuführen und meinen es gar nicht witzig, sondern bierernst! Vielleicht haben sie den Ernst des Schlagers ja auch tatsächlich begriffen: Während es Frauen wohl vielmehr um das Bild der heilen Welt aus Kitsch, Küssen und Couchkissen geht, auf das sie ihre Sehnsüchte projizieren können, haben Männer wahrscheinlich intuitiv verspürt, dass auch Gesellschaftskritik (Udo Jürgens, "Ein ehrenwertes Haus", 1975), Humor (Guildo Horn, "Guildo hat euch lieb", 1998), und seit einiger Zeit eben auch wieder Sex dabei ist.

Außerdem, was soll der Krampf: ein, zwei Schnapserl und alle singen: "Atemlos durch die Nacht, spür' was Liebe mit uns macht!" Viel Spaß heute Abend bei der Verleihung des Grimme-Preises. Wir machen garantiert durch bis morgen früh und singen bumsfallera.

PS: Wer mit Helene und Andrea nix anfangen kann, der kann sich über Kylie Minogue, Shakira und Ina Müller freuen, die kommen auch.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema