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Reaktionen zum Tod von Günter Grass "Inbegriff des öffentlichen Intellektuellen"

Die Nachricht vom Tod des deutschen Literaturnobelpreisträgers Günter Grass löst in den sozialen Netzwerken Bestürzung aus. Über die Parteigrenzen hinweg würdigen ihn Politiker als einen der streitbarsten deutschen Nachkriegsautoren.

Joachim Gauck (Bundespräsident): "In seinen Romanen, Erzählungen und in seiner Lyrik finden sich die großen Hoffnungen und Irrtümer, die Ängste und Sehnsüchte ganzer Generationen. (…) Sein Werk ist ein beeindruckender Spiegel unseres Landes und ein bleibender Teil seines literarischen und künstlerischen Erbes".

Angela Merkel (Bundeskanzlerin und CDU-Chefin) hat Grass' Witwe in einem Kondolenzschreiben ihre Anteilnahme bekundet. Er habe "die Nachkriegsgeschichte Deutschlands mit seinem künstlerischen sowie seinem gesellschaftlichen und politischen Engagement wie nur wenige begleitet und geprägt", schrieb sie. "Mit dem Tod von Günter Grass verliert die Bundesrepublik Deutschland einen Künstler, von dem ich mit tiefem Respekt Abschied nehme."

Jean-Claude Juncker (EU-Kommissionspräsident): "Als überzeugter Europäer hat sich Günter Grass immer für die Schwachen und die Verlierer eingesetzt. Dabei hat er mit Weitsicht einige der aktuellen Probleme in Europa frühzeitig erkannt. Mit Günter Grass verlieren wir einen großen Europäer."

Martin Schulz (EU-Parlamentspräsident): "Mit Günter Grass verstarb ein Freund, dessen Intelligenz, Neugierde und Leidenschaft im Kampf gegen Ungerechtigkeit bis ins hohe Alter mir stets Vorbild waren."

Norbert Lammert (Bundestagspräsident): "Mit Günter Grass verlieren wir nicht nur einen der bedeutendsten Literaten deutscher Sprache, sondern auch einen engagierten Staatsbürger, der immer wieder öffentlich Stellung bezogen hat. (…) Er scheute keine noch so heftige Kontroverse, im Gegenteil, er suchte sie, wo er sie für notwendig erachtete. Das machte ihn zu einer Instanz in der politischen Debatte, die zuweilen störte und manchmal auch verstörte."

Sigmar Gabriel (SPD-Vizekanzler): "Die SPD verneigt sich vor Günter Grass. Mit ihm verlieren wir einen der bedeutendsten Schriftsteller der deutschen Nachkriegsgeschichte und einen engagierten Autor und Kämpfer für Demokratie und Frieden. (…) Ohne seine mahnende Stimme für mehr Toleranz, seinen Willen zur Einmischung und seinen regelmäßigen politischen Interventionen wäre unser Land ärmer."

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Frank-Walter Steinmeier (Außenminister) war einer der Ersten, die sich zum Tod von Günter Grass äußerten. Er zeigte sich "tief bestürzt" vom Tod des Schriftstellers. Grass sei ein großer Bürger und Sohn der Stadt Lübeck, wie ein Außenamtssprecher in Berlin sagte. Es sei tragisch, dass Grass jetzt gestorben sei, einen Tag, bevor die Welt auch wegen eines G7-Außenministertreffens in Lübeck auf die Stadt blicken werde.

Peter Tauber (CDU-Generalsekretär): "Grass beschränkte sich nicht auf sein Schriftstellertum, das mit dem Literaturnobelpreis eine herausragende Würdigung erfuhr, sondern er mischte sich zeitlebens in gesellschaftliche und politische Debatten ein. Grass ergriff Partei, stritt für seine Standpunkte und war deswegen auch nicht unumstritten. Mit seinem Tod ist eine kritische, leidenschaftliche und provokante Stimme in gesellschaftspolitischen Debatten verstummt."

Thomas Oppermann (Vorsitzender SPD-Bundestagsfraktion): "Günter Grass ist gestorben. Das ist eine traurige Nachricht. Sein lit.Werk ist unsterblich. Die Blechtrommel war mein erstes wichtiges Buch."

Manuela Schwesig (SPD-Familienministerin): "Günter Grass - ein großer und streitbarer Literat geht. Gerne erinnere ich mich an Gespräche mit ihm."

Katrin Göring-Eckardt  und Anton Hofreiter (Grünen-Fraktionschefs): "Er hat das kulturelle, intellektuelle und politische Leben in Deutschland tief geprägt. Dass Deutschland kulturell den Muff der 50er-Jahre abstreifen konnte, ist auch ihm zu verdanken. (...) Seine Dichtung wie seine bewussten öffentlichen Äußerungen haben Debatten initiiert und geprägt und damit dazu beigetragen, dass Deutschland zu einem liberalen, weltoffenen Land wurde. Seine Fragen nach der deutschen Schuld und nach den Konsequenzen aus dem Menschheitsverbrechen des Holocaust waren wie Finger, die in offene Wunden gelegt wurden. Günter Grass war der Inbegriff des öffentlichen Intellektuellen. (...) Dass Grass gelegentlich danebenlag – etwa bei seiner Israelkritik oder seinen Äußerungen zur SED-Diktatur - muss man aushalten."

Olaf Scholz (Erster Bürgermeister Hamburgs): "Hamburg trauert um Günter Grass, den Nobelpreisträger und bedeutendsten Schriftsteller der deutschen Nachkriegszeit."

Julia Klöckner (Stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende): "Traurig, dass Günter Grass gestorben ist. Werde ihn als streitbaren und für Deutschland wertvollen Autoren in Erinnerung behalten."

Gregor Gysi (Vorsitzender der Linken-Bundestagsfraktion): "Wie nur wenige andere hat Günter Grass das Land literarisch geprägt und sich wortgewaltig in die großen gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen eingebracht. Nun ist seine Stimme verstummt. Er wird uns fehlen."

Klaus Schlie (Landtagspräsident Schleswig-Holstein): "Günter Grass war ein manchmal unbequemer, immer kritischer und politischer Begleiter des deutschen und europäischen Zeitgeschehens". Besonders prägend für sein Werk sei immer wieder die Auseinandersetzung mit der Geschichte um den Menschen des Ostseeraums gewesen. "Hier war er ein glaubwürdiger Fürsprecher einer europäischen Integration. Spätestens der Literaturnobelpreis machte ihn zu einem international hoch anerkannten Schriftsteller und Botschafter Schleswig-Holsteins und Deutschlands."

Monika Grütters (Kulturstaatsministerin): "Günter Grass war ein Weltliterat. Sein literarisches Vermächtnis wird neben dem von Goethe stehen."

Bernd Saxe (Bürgermeister Lübeck): "Das ist ein schwerer Verlust für Lübeck, aber auch für die deutsche und die internationale Literatur."

Jörg-Philipp Thomsa (Leiter Günter-Grass-Haus Lübeck): "Wir sind dankbar für die vielen Erlebnisse, die wir mit ihm teilen durften."

Klaus Staeck (Präsident Berliner Akademie der Künste): "Mit Günter Grass verliert die Welt der Literatur einen wortmächtigen Autor und unsere Republik einen ihrer streitbarsten Mitbürger. Wenn er die Demokratie in Gefahr sah, ging er keiner notwendigen Auseinandersetzung aus dem Wege."

Imre Kertesz (ungarischer Literaturnobelpreisträger): "Wir haben uns nicht mit dem selben Thema beschäftigt, aber wir waren Freunde und haben uns gegenseitig geschätzt."

Harald Schmidt (Entertainer): "Falls Sie Günter Grass nicht mehr einordnen können. Der hat grandiose Tweets in tausenden von Zeichen geschrieben. Auf Papier."

Quelle: n-tv.de, cri

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