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Das doppelte Lottchen Inga Lürsen entschlüsselt "Die Wiederkehr"

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Inga Lürsen und ihr Stedefreund schnüffeln in der Vergangenheit.

(Foto: dpa)

Als wäre der Fall um das verschwundene Mädchen vor zehn Jahren nicht hart genug, muss Inga Lürsen noch einmal ran: Das Kind, mittlerweile ein Teenager, ist plötzlich wieder da. Der Bremer "Tatort" beginnt packend, hält lange die Balance, doch dann?

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Schwere Situation für Psychologin, Ermittler und das zurückgekehrte Kind.

(Foto: dpa)

Gleich rein, gleich ran, kein Schnickschnack. Der Verdächtige schwitzt. Immer ein schlechtes Zeichen. Gesoffen hat er auch. Das macht es nicht besser. Inga Lürsen (Sabine Postel) packt ihn am Kragen, treibt ihn in die Enge. Für sie steht fest: Der Mann hat seine siebenjährige Tochter Fiona umgebracht. Das Mädchen ist verschwunden, man geht von ihrem Tod aus. Und alles deutet auf ihren Vater als Täter hin. Kurz darauf baumelt er in seiner Zelle. Der Fall wird ungelöst zu den Akten gelegt. Das Kind bleibt verschwunden. Vorerst.

Zehn Jahre später müssen Lürsen und Kollege Stedefreund (Oliver Mommsen) notgedrungenermaßen den Staub von eben jener Akte pusten, denn das Unmögliche geschieht: Fiona, mittlerweile 17 Jahre alt, steht plötzlich vor der Tür ihres Elternhaus, sehr zur Überraschung ihrer Mutter und ihrer beiden Geschwister. Kinder wieder vollzählig, alle glücklich? Happy End, halbwegs, mit zehn Jahren Verspätung?

Da ist es wieder, das schlechte Gewissen

Von wegen: Fiona erzählt von einem Pärchen, in dessen Gewalt sie sich die letzten Jahre befunden hatte. Im Campingwagen war man angeblich durch Europa gereist, immer wieder soll das Mädchen dabei gegen Geld für irgendwelche perversen Freier zu sexuellen Gefälligkeiten gezwungen worden sein. Aus dem alten Fall wird ein neuer Fall, den neben einigem anderen vornehmlich eines mit dem von einst verbindet: Lürsens Gefühl, dass hier einiges nicht stimmt. Dabei werden die Ermittlungen erschwert durch die Tatsache, dass mit der Wiederaufnahme auch Lürsens schlechtes Gewissen über den Tod des verdächtigen Vaters, den sie so hart im Verhör rangenommen hatte, erneut aufflammt.

Der 31. Bremer Tatort namens "Die Wiederkehr" hat sich einiges vorgenommen und feuert mit seinen Plots gleich aus allen Rohren. Der frühe Storydreh, dass das Mädchen nach einer Dekade wenn schon nicht wohlbehalten, so doch zumindest lebendig wiederauftaucht, ist reizvoll. Auf Privatballast wird gänzlich verzichtet, das Bremer Duo agiert unaufgeregt und effektiv. Und auch die fast schon Wallandersche Schwere, die Inga Lürsens Schultern ebenso nach unten zieht wie ihre Mundwinkel, steht ihr ausgesprochen gut zu Gesicht. Ohnehin kann Regisseur Florian Baxmeyer sich hier auf einen tollen Cast verlassen: Gabriele Maria Schmeide als aufgeriebene Mutter Althoff, die dennoch irgendwie den Kurs hält, spielt ebenso engagiert wie Levin Liam und Amelie Kiefer als ihre beiden Kinder.

Den vermeintlich schwersten Teil schultert Gro Swantje Kohlhof in der doppelbödigen Rolle der Wiederkehrerin. Eine Hypothek, um die sie wusste: "Ich habe manchmal Angst, die Richtung der Figur zu verlieren, und wenn einem dann irgendein Satz nicht so über die Lippen kommen will, wie man sich das wünscht, kann mich das wirklich verunsichern", so die junge Hamburgerin. Die Richtung ihrer Figur hält sie durchaus auf Kurs, drumherum jedoch ächzt der Fall in der zweiten Hälfte unter der Last der vielen Baustellen.

Dass die Autoren Matthias Tuchmann und Stefanie Veith nicht der gängigen Krimistruktur folgen, sondern die Geschichte psychologisch freier entlang ihren Figuren erzählen, erweist sich als effektiver Kniff. Nur knickt das Gebilde im letzten Drittel ein, zu viel muss hier noch irgendwie zu Ende geführt werden: Die Herleitung der DNA-Testergebnisse gerät zur "Sendung mit der Maus"-Episode mit dem Laborchef als albernem Erklärbär, die Demaskierung der Wiederkehrerin verkommt dagegen zum Zufallsprodukt, ihre Motive wirken überkonstruiert und der Rabauke im Ledermantel (Tilman Strauß) hätte gut in eine "Matrix"-Neuverfilmung nur mit Obdachlosen gepasst - hier wirkt er, trotz seines räudigen Underdog-Charmes - arg deplatziert.

Letztlich durchaus kompaktes "Tatort"-Entertainment, bei dem ganz viel richtig gemacht wird. Am Ende jedoch wäre etwas weniger vielleicht mehr gewesen.

Quelle: n-tv.de

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