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Ein Kuss, mehr nicht? Klamotten-Video verführt Millionen

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"That was a good one!"

Was macht Werbung mit uns? Sie verleitet uns. Was machen wir mit Werbung? Wir teilen sie, wir lieben sie, wir hassen sie, wir überspringen sie, wir gucken sie immer wieder an. Wie machen wir Werbung? Am besten ganz geschickt.

Okay, kurz nochmal nachgedacht. Gestern sind wir einer Werbung auf den Leim gegangen. Das darf einem privat natürlich passieren, beruflich eher nicht. Es geht um das Kuss-Video von Tatia Pilieva, darum, dass das gerade so gut zu unserer frühlingshaften Vorfreude gepasst hat und dass Küssen per se ja mal ein schönes Thema ist. Wir hätten das näher beleuchten sollen, darauf aufmerksam machen müssen, dass da Werbung dahinter steckt, dass das keine Leute einfach so von der Straße sind, die am U-Bahnhof Alexanderplatz oder am Piccadilly Circus oder in Mexiko-Stadt im Vorbeigehen angequatscht und gefragt wurden: "Du, haste Bock auf Knutschen mit Wildfremden?" Da hätten wir schon mal gestern drüber nachdenken können, stimmt. Haben wir aber nicht, denn wir haben uns verleiten lassen (wie Millionen andere innerhalb kürzester Zeit auch): Von den schönen Menschen, der schönen Schwarz-Weiß-Optik, der wunderschönen Musik und davon, dass alle unsere Facebook-Freunde das Ding geteilt haben.

Tut uns leid. Denn natürlich dürfen wir nicht einfach alles nachquatschen, was irgendwo im Internet auftaucht. Dieses Internet ist gefährlich, wer sollte das besser wissen als wir? Darum eine kurze Aufklärung - ohne, dass das Video jetzt schlecht gemacht werden soll. Also, die Künstlerin heißt Tatia Pilieva. Die wurde von dem Mode-Label Wren beauftragt, einen hübschen kleinen Image-Film zu drehen. Was macht man da als Erstes? Richtig, man sucht sich Models, keine Über-Models, aber schon Menschen, die wissen, wie sie sich vor einer Kamera zu geben haben. Gesagt getan, dann steckt man diese überwiegend gut aussehenden Typen (denn das sind sie, auch wenn es Charakterköpfe sind) in schicke Klamotten des Labels (sieht man wegen Schwarz-Weiß nicht, aber blau ist total angesagt!), das den Auftrag gegeben hat. Und dann lässt man die eben aufeinander los.

Hollywood lässt doch grüßen

Dem Blog ThisIsJayneWayne entnehmen wir, dass zwei der Models zum Beispiel Z Berg und Langley Fox heißen, in der "Szene" also durchaus bekannt sind. Z Berg gehört der Band The Like an, Langley Fox ist die Tochter der Schauspielerin Mariel Hemingway und die Schwester des Models Dree Hemingway. Die Sängerin des Songs, Soko, ist auch zu sehen, und naja, man kann sich denken, dass die anderen ihre Brötchen eben auch nicht hinter der Wursttheke verdienen.

Trotzdem schön, wie der junge Mann die etwas ältere Frau küsst, trotzdem schön, wie sie sich alle ein bisschen zieren ("Können wir das Licht ein wenig dimmen?"), und ja: Sehr schön ist die Musik von Soko mit dem vielsagenden Titel "We Might Be Dead Tomorrow", die uns in einer Zeile fragt: "If you’re not ready for love, how can you be ready for life?". Und damit kommen wir auch wieder auf den Kern der Sache: Wir könnten morgen tot sein. Am Alexanderplatz von der S-Bahn erfasst werden, am Piccadilly Circus von einem Drogendealer umgenietet oder in Mexiko-Stadt wegen etwas Kleingeld abgestochen werden. Da nutzen wir doch lieber den Tag, denken an unseren ersten Kuss, geben den nächsten und fragen uns im Hinterkopf, was wirklich dabei herauskommen würde, wenn sich so ganz fremde, nicht so hübsche Leute einfach küssen würden. Und jetzt ist echt Fantasie gefragt!

PS: Weniger Fantasie braucht man für das Original-Video von Soko - auch da wird ganz plastisch gezeigt, wie Küssen geht.

Quelle: n-tv.de

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