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Misshandlung durch Shia LaBoeuf? "Massiver Weckruf" half FKA twigs zur Flucht

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Will ein gutes Vorbild für Frauen in ihrer Lage abgeben: FKA twigs.

(Foto: imago images/Matrix)

Sängerin FKA twigs zieht gegen ihren Ex-Freund Shia LaBeouf vor Gericht. Sie wirft dem Schauspieler zahlreiche Übergriffe vor. Nun berichtet die 33-Jährige, wie sie nach einer besonders beängstigenden Auseinandersetzung den Absprung geschafft habe.

Im vergangenen Dezember schockte Schauspielerin und Sängerin FKA twigs die Öffentlichkeit mit einer Klage gegen Shia LaBeouf. Darin warf die Britin, die bürgerlich Tahliah Barnett heißt, ihrem Ex-Freund laut "New York Times" unter anderem körperliche und sexuelle Übergriffe, emotionalen Missbrauch, Zufügung von emotionalem Stress und grobe Fahrlässigkeit vor. LaBoeuf soll sie während ihrer kurzen Beziehung 2019 wissentlich mit einer sexuell übertragbaren Krankheit angesteckt haben.

Im Podcast "Grounded with Louis Theroux" beschrieb die 33-Jährige nun einige angebliche Misshandlungen durch LaBoeuf. Die beiden hatten sich 2019 am Set ihres gemeinsamen Films "Honey Boy" kennengelernt. Es habe dabei auch durchaus viele schöne Momente zwischen den beiden gegeben, so FKA twigs. So sei sie von LaBoeuf zunächst umworben worden, bevor er seine eifersüchtige und kontrollsüchtige Seite gezeigt habe.

Es seien "kleine Dinge" gewesen, die sie vermeintlich falsch gemacht habe, die ihr gemeinsames Glück "beeinträchtigt" hätten, erklärte die Sängerin. Dazu habe selbst gehört, freundlich zu einem Kellner zu sein. "Er sagte mir, dass ich wüsste, wie er sei. Und wenn ich ihn wirklich lieben würde, würde ich anderen Männern nicht in die Augen gucken." Das sei "ihre Realität" gewesen. "Das kann wirklich isolierend sein", so die 33-Jährige. Schließlich habe sie den Kontakt zu ihrer Familie und ihren Freunden abgebrochen, um keinen Stress mit ihrem Schauspielkollegen zu provozieren.

Noch immer Panikattacken

Der 34-Jährige habe sogar gezählt, wie oft sie ihn im Vergleich zu seinen Ex-Freundinnen am Tag angesehen, berührt oder geküsst habe. Das habe mindestens 20 Mal passieren müssen, um ihm zu beweisen, dass sie ihren Vorgängerinnen ebenbürtig sei. Habe sie die Zahl nicht erfüllt, sei sie "stundenlang angeschrien" worden. Er habe ihr stets das Gefühl gegeben, dass sie eine "schlimme, gefühlskalte Freundin" sei.

Manchmal habe LaBoeuf sie in den frühen Morgenstunden geweckt, um ihr Vorwürfe zu machen: dass sie an die Decke starre und sich dabei vorstelle, wie sie ihn verlasse, dass sie heimlich masturbiere oder dass sie lieber mit einem anderen Mann zusammen sein wolle. Bis heute versuche sie, nicht zwischen drei und sieben Uhr morgens aufzuwachen, um Panikattacken zu vermeiden, so FKA twigs. Sie habe noch immer posttraumatische Belastungsstörungen, die durch den Corona-Lockdown verschlimmert würden.

Nach einer besonders beängstigenden körperlichen Auseinandersetzung in einem Auto habe sie schließlich den "massiven Weckruf" erhalten, den sie so dringend benötigt habe. LaBoeuf habe gedroht, das Auto in einen Unfall zu verwickeln, wenn sie ihm nicht sage, dass sie ihn liebe. An einer Tankstelle habe er sie vor Publikum gewürgt, doch niemand sei dazwischen gegangen. "Ich erinnere mich, dass ich zu meiner Unterkunft zurückgegangen bin und eine Hotline für Missbrauchsopfer angerufen habe." Die Ernsthaftigkeit, mit der die Frau am anderen Ende des Hörers ihren Schilderungen zugehört habe, habe sie wachgerüttelt, sagte FKA twigs. Erst dadurch habe sie sich ihren Freunden und schließlich einer Therapeutin öffnen können.

"Ich stand so neben mir"

Rat und Hilfe bei häuslicher Gewalt
  • Bei akuter Bedrohung: Notruf 110
  • Beratung in Krisensituationen: Das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" (08000 116 016, Anruf kostenfrei)
  • Kinder- und Jugendtelefon (Tel.: 0800/111-0-333 oder 116-111; Mo-Sa von 14 bis 20 Uhr)
  • Das Hilfetelefon bietet auch eine Online-Beratung per E-Mail oder Chat an.
  • Frauenhäuser bieten Schutz vor Bedrohung und die Mitarbeiterinnen können bei weiteren Schritten beraten.

All jenen, die verständnislos fragten, warum sie nicht schon nach dem ersten Anzeichen von Missbrauch geflohen sei, erklärte Twigs in dem Podcast, dass dies nicht immer so einfach sei. Es sei sogar "wirklich unmöglich" gewesen, einfach aufzustehen und zu gehen. "Ich fühlte mich so kontrolliert und verwirrt und niedergeschlagen. Ich stand so neben mir." Sich vorzustellen, wie hart sie nach dem Gehen daran arbeiten müsse, um sich wieder "einigermaßen in Ordnung" zu fühlen, sei zu überwältigend gewesen. Außerdem könne sie nicht verstehen, warum Menschen immer zu dieser Frage neigten, anstatt dem Täter die eigentliche Frage zu stellen: "Warum hältst du jemanden durch missbräuchliches Verhalten als Geisel?"

Sie habe sich dazu entschlossen, den Missbrauch durch Shia LaBoeuf öffentlich zu machen, "um die Gespräche über häusliche Gewalt in all ihren Formen zu normalisieren", erklärte FKA twigs. "Das ist etwas völlig Unerwartetes. Ich hätte nie gedacht, dass mir so etwas passieren würde." Sie hoffe aber, dass ihre Geschichte anderen Frauen helfen könne. Vor allem in der Corona-Krise seien viele Missbrauchsopfer mit ihren Tätern eingesperrt.

Zu den erneuten Vorwürfen der Sängerin hat sich LaBoeuf bislang nicht geäußert. Als Antwort auf ihre ursprüngliche Klage sagte er der "New York Times" im Dezember, dass "viele dieser Anschuldigungen nicht wahr sind". Er fühle sich jedoch nicht "in der Lage, einige meiner Handlungen zu verteidigen". Er habe "keine Entschuldigungen für meinen Alkoholismus oder meine Aggressionen, nur Erklärungsversuche. Ich habe mich selbst und alle um mich herum jahrelang missbraucht. Ich habe eine Vergangenheit, in der ich die Menschen, die mir am nächsten sind, verletzt habe. Ich schäme mich für diese Geschichte und es tut mir leid für diejenigen, die ich verletzt habe."

Quelle: ntv.de, lri