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"Tatort" in der Virtual Reality N.E.S.S.A. - der helle Wahnsinn

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Sabine Postel, Camilla Renschke und Oliver Mommsen stehen vor einem Rätsel - wie so oft.

(Foto: dpa)

"Zukunft der Arbeit" ist der Titel einen ARD-Themenwoche, die am Sonntag beginnt. Radio Bremen zeigt einen neuen "Tatort". Lürsen und Stedefreund in der Virtual Reality - ein ambitionierter Versuch, dessen Script leider nicht ganz frei von Viren ist.

Das passiert auch einer gestandenen Kommissarin wie Inga Lürsen (Sabine Postel) nur selten bis nie. Da überbringt man einer Mutter die Nachricht vom Tode ihrer Tochter, als die vermeintlich Verstorbene einen Augenblick später am Telefon verkündet, bei bester Gesundheit zu sein. Dass da etwas nicht stimmt, dem kommen dann Stedefreund (Oliver Mommsen) und Lürsen kurze Zeit später auf die Spur. Vanessa Arnold (Adina Vetter) ist tatsächlich mausetot, ihr virtuelles Computer-Ego namens N.E.S.S.A. jedoch erfreut sich in der virtuellen Realität, nun ja, bester Gesundheit.

Die Spur führt zur Firma der tödlich Verunglückten - Golden Bird Systems - einer betont unaufgeräumten, zwischen kreativem Chaos und neuester Technologie vor sich hinbrütenden Start-up-Agentur, deren Köpfe Paul Beck (Christoph Schechinger), David Arnold (Matthias Lier) und Kai Simon (Lasse Myhr) eifrig daran schrauben, aus Vanessas digitalem Alter Ego einen verkaufbaren Prototyp, einen selbständig denkenden, lernenden Avatar zu machen. Die Frage ist: Wer von den Jungs hat ein Interesse daran, die zentrale Figur des Projekts aus dem Weg zu räumen?

Gut zwei Monate ist es erst her, da bekamen es die Stuttgarter Tatort-Kollegen in der Folge "HAL" mit der Computerwelt zu tun, nun müssen sich die braven Bremer mit Einsen und Nullen, mit Passwörtern und Script-Zeilen, Screens und Codes befassen. Aufgehängt ist dieser 29. gemeinsame Fall von Lürsen und Stedefreund in der ARD-Themenwoche "Zukunft der Arbeit", die vom 30. Oktober bis 5. November stattfindet und ein vielseitiges Angebot in TV, Web und Radio bietet.

Wir sind die Roboter

Das Erste zeigt neben diversen Dokus und Reportagen, Magazinen und Talkformaten vier Fiction-Produktionen. Neben dem Bremer "Tatort" am kommenden Sonntag gibt es u.a. das ambitionierte Banker-Drama "Dead Man Working" (2.11.) mit Benjamin Lillie, Wolfram Koch, Manfred Zapatka zu sehen. Der rbb lässt zudem einen Roboter in mehreren Sendungen als Moderator auftreten, Magazine wie "MEX" (hr-fernsehen), "Einfach genial" (MDR), "Planet Wissen" (WDR/SWR) sowie die NDR-Dokumentation "Einsame Spitze" runden das Programm ab.

"Echolot" nun läuft fast ein wenig am Thema vorbei, ist doch nicht die Arbeit als solche das Sujet, sondern vielmehr die Möglichkeiten, die Verlockungen und Fallstricke, die das digitale Zeitalter mit sich bringt. Wie weit reicht artifizielle Intelligenz? Was, wenn die Maschinen sich selbständig machen? Die jüngste Vergangenheit hat da bereits einiges an Lehrbeispielen zu bieten. Durchs einst angesagte, inzwischen verwaiste Online-Metaversum "Second Life" wehen die Strohballen. Wer mal "Siri" auf seinem iPhone beschimpft hat, weiß, wo die Sprachsteuerung ihre Grenzen hat und die große Mär vom selbstfahrenden Auto erfährt da und dort auch bereits seine schmerzhafte Entzauberung. Im Mai verunglückte ein Fahrer in den USA mit seinem Tesla tödlich, als der Wagen trotz aktiviertem Fahrassistenten unter einen Lastwagen-Anhänger raste. In China starb im Januar ein junger Mann, dessen Familie nun eben jenen Automobil-Konzern verklagt.

Von allem ein bisschen erwartet den geneigten "Tatort"-Zuschauer am Sonntagabend. Und während sich Postel und Stedefreund, nicht zuletzt dank der kompetenten Unterstützung von Computer-As Linda Selb (Luise Wolfram) achtbar schlagen, sind die Jungs vom "Goldenen Vogel" leidlich überfordert, changiert der Tross zwischen dem thematisch ähnlich gelagerten Teenager-Relikt "L.I.S.A. - der helle Wahnsinn" und einer ambitionierten Folge von "T.K.K.G".

Quelle: n-tv.de

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