Unterhaltung

Reif für die Festival-Insel Sziget setzt auf kulturelle Reizüberflutung

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Love is in the Air. Und Peace. Und Harmony sowieso.

(Foto: AP)

Eine Insel auf der Donau wird jährlich zum Kulturmittelpunkt Tausender Festivalbesucher aus aller Welt. Im Vergleich zu anderen großen Festivals verfolgen die Veranstalter des Sziget in Budapest dabei einen ganz speziellen Ansatz.

Wer ein Festival besucht, braucht danach in der Regel mehrere Tage zur Erholung. Das Sziget in Budapest fährt einen anderen Ansatz: bloß keine Hektik oder Stress, gute Musik und dazu noch die Möglichkeit, neue Dinge auszuprobieren. Was wie eine kulturelle Reizüberflutung daherkommt, ist Teil der Festivalphilosophie.

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Das Sziget Festival legt Wert auf Atmosphäre. Lichtspiele findet man fast an jeder Ecke.

(Foto: Rockstar Photographers)

Über 500.000 Besucher zählt das Sziget in den insgesamt sieben Festivaltagen, maximal 100.000 Menschen aus 100 verschiedenen Ländern bevölkern die 108 Hektar große Insel Hajógyári dann täglich. Und so vielfältig die Besucher, so breit ist auch das Unterhaltungsangebot. Von Opern, Jazz Sessions, Stummfilmvorführungen über Beachvolleyball, einen eigenen Schachklub bis hin zum Donaustrand.

Das Inselfestival vermittelt seinen Besucher nicht das Gefühl, Bands oder Acts von Bühne zu Bühne hinterherhetzen zu müssen. Jeder "Szitizen" - also jeder Bürger des Festivals -  darf sich frei austoben und erholen zugleich, in Tanz- und Bastel-Workshops kann er sogar etwas dazulernen. Der Ansatz funktioniert. Zwar wird mit großen Musik-Headlinern geworben, die Konzerte finden aber erst am späten Nachmittag statt.

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Alles geht fließend ineinander über ...

(Foto: REUTERS)

Denn Entziehen kann sich den über 1000 Programmpunkten keiner der Besucher. Die kulturellen Einflüsse prasseln an jeder Ecke auf die "Szitizens" ein, auch weil es im Vergleich zu deutschen Festivals keine Trennung zwischen Camping- und Konzertgelände gibt.

Alles geht fließend ineinander über. Mehrmals täglich wandern Musikkapellen oder Tanzgruppen über das Gelände und animieren die Besucher zum Mitmachen. Ein Teil der Atmosphäre, wie Festival-CEO Tamás Kádár auf der internationalen Pressekonferenz erklärt: "Wir wollen junge Menschen dazu bewegen, neue Kunstformen zu erleben, die andere Festivals nicht bieten."

Auch in Sicherheitsangelegenheiten verfolgen die Veranstalter einen weniger aufdringlichen Ansatz. Zwar werden alle Besucher und deren Gepäck kontrolliert, doch von da an sind Leibesvisitationen passé. "Intelligente Lösungen" nennt Kádár diesen Ansatz: "Wir wollen keine Security-Leute, die hier in Uniformen rumrennen". Das würde die Atmosphäre drücken. Waffen und andere gefährliche Gegenstände sind ohnehin verboten.

Kein Chaos beim Campen

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Insel im Ausnahmezustand. Das Sziget in Budapest.

(Foto: Rockstar Photographers)

Das Motto "Island of Freedom" trifft es durch weitere Einlassbeschränkungen nicht allerdings ganz. Den Besuchern ist es beispielsweise nicht erlaubt, in irgendeiner Weise zu kochen oder Alkohol mit auf das Gelände zu bringen. Die Preise für Essen und Trinken auf der Insel sind dafür moderat - ein halber Liter Bier kostet umgerechnet 2,10 Euro.

Etwas Positives hat die eingeschränkte Selbstversorgung: Das Chaos auf den Zeltplätzen hält sich stark in Grenzen. Die Festivalbesucher scheinen ein Gespür dafür zu haben, ihre kostbare Partyinsel nachhaltig zu behandeln. Exzessive Trinkspiele und Müllberge sucht man auf dem Sziget vergebens.

Dabei sind nur 45 Prozent der Festivalgänger Ungarn, der Rest kommt aus Ländern aller Welt. Das sorgt dann auch auf zwischenmenschlicher Ebene für einen kulturellen Austausch. Dieses "internationale Zusammenkommen", sei von den Besuchern gewollt, wie Kádár betont.

Dazu passt dann in jedem Fall das neue Motto des Sziget: "Love Revolution" stehe für gegenseitigen Respekt und sei ein Teil der DNS des Festivals, so Kadar. Das spüren die Festivalgänger des Sziget auch, egal ob sie zu ihren Lieblingsbands feiern, mit anderen Campern Schach spielen oder im Capoeira-Kurs den brasilianischen Kampfsport-Tanz erlernen.

Quelle: n-tv.de

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