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Genial ungewöhnliches Video Viva La Vulva - von Auster bis Glückskeks

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Eine singende Vulva? Warum nicht?

(Foto: imago stock&people)

Ein dreiminütiges Musikvideo zeigt singende Geschlechtsorgane beziehungsweise Objekte, die ihnen verblüffend ähnlich sehen. Ausgedacht hat sich das eine Londoner Agentur für eine skandinavische Damenhygienemarke.

Schon klar, wir sind total aufgeklärt und verschicken Fotos unserer Genitalien an den/ die Liebste/n, uups, an den Chef, au weia, naja, egal, kann ja mal passieren, und nenn' ich das Ding nördlich zwischen meinen Füßen nun Muschi, Mumu oder Möse, seines hingegen Stecken oder Stab, und wovon lasse ich mich leiten? Ja, wir tun ganz schön aufgeklärt. Sind es aber gar nicht mal so sehr. Eine Londoner Agentur (AMV BBDO) hat sich des Themas nun auf höchst amüsante und entspannte Art angenommen. 

Der schwedische Damenhygienegüter-Hersteller Libresse will die Weiblichkeit - schon aus eigenem Interesse - in ihrer ganzen Vielfalt preisen. Dabei ist es dem Unternehmen tatsächlich gelungen, das Thema Weiblichkeit "in all seinen Dimensionen auf genial ungewöhnliche Weise und als etwas wunderbar Normales darzustellen", so die Marketing- und Medien-Plattform "Horizont". AMV BBDO ist nicht zum ersten Mal in Sachen "Vulva" angeheuert worden: mit der Kampagne "Blood Normal" sorgte die Agentur schon einmal für Furore. Es ging darum, die Menstruation und den damit verbundenen Blutfluss als etwas zu zeigen, für das sich keine Frau schämen sollte. Der weibliche Ausnahmezustand ist zu oft Gegenstand von Witzelein und Spott, und dabei ist er doch alles andere als simpel oder gar unnötig. Es ist aber noch immer ein Thema, über das "man" - und "frau" - eben nicht so gerne spricht.

*Datenschutz

Aber wie schafft man es, dass doch darüber gesprochen wird, ohne dass es etwas Anrüchiges, Anstößiges, gar Abstoßendes bekommt. Genau - man macht ein paar locker flockige Sprüche: "What do you call a girl on her period? Call her next week!" Haha. Noch besser aber, man macht einen Film, in dem diese bestimmte Zeit im Leben von Mädchen und Frauen als etwas durchaus Ästhetisches dargestellt wird, als etwas, das nicht verdammenswert ist, sondern normal. Normal für uns ist hingegen nämlich, dass man im Fernsehen zeigen kann, wie einer dem anderen das Gehirn aus dem Schädel schießt, wie Bomben fallen und wie Tiere gequält werden. Die weibliche Menstruation hingegen mit allem Drum und Dran darf nicht gezeigt werden. Komische Welt ...

Forever Young untenrum?

Ähnlich ist die Botschaft hinter der aktuellen Kampagne: Die äußeren weiblichen Geschlechtsorgane mögen bei jeder Frau anders aussehen (wie auch bei jedem Mann!), doch ganz gleich, welche Form, Farbe oder welchen Geruch eine Vulva beziehungsweise Vagina hat - sie sollte ein selbstverständlicher Teil des weiblichen Körpers sein und nicht tabuisiert werden. Gleichzeitig ist das Video ein klares Statement gegen den Trend zur "Designer-Vagina", die bei Schönheitsoperationen immer beliebter wird. Die so genannte Labioplastik, bei der meist die inneren Schamlippen verkleinert werden, rangiert inzwischen auf Rang 19 der beliebtesten chirurgischen Eingriffe. Die "vaginale Verjüngung" - meist eine Straffung der Vagina - kommt auf mehr als 50.000 Eingriffe.

Frauen machen sich inzwischen vermehrt Sorgen um das Aussehen ihrer Genitalien weiß der New Yorker Schönheitschirurg Nolan Karp, Schuld sei das Internet: "Wie viele nackte Frauen hat eine Frau in ihrem Leben gesehen, bevor es das Internet gab? Nicht viele, wenn es um die Genitalien geht", sagt Karp. Heute hätten die Leute ein Bild davon "was schön ist, was normal ist, was gut aussieht, was nicht". Doch das vermeintliche Ideal entspreche keineswegs der Vielfalt weiblicher Genitalien.

"Praise You!"

Das von Regisseurin Kim Gehrig und der britischen Produktionsfirma Somesuch inszenierte Video ist eine ebenso fantasievolle wie lustige Hommage an das, was sich bei Frauen zwischen den Beinen befindet. Bei dem von den Vulvas gesungenen Lied handelt es sich um eine überarbeitete Version von Camille Yarbroughs Hit "Take Yo' Praise" aus dem Jahr 1975, der in den 1998 von Fatboy Slim ("Praise You") gecovert wurde.

Anders als bei "Blood Normal" wird in "Viva La Vulva" hier übrigens nicht die Damenbinden von Libresse beworben, sondern deren Intimpflegeserie.

Quelle: n-tv.de, soe/dpa/Horizont

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