Unterhaltung

Die Fauxpas-Maschine Ist Waldemar Hartmann jetzt am Ende?

11154236.jpg

Das Weißbier ist Waldis Freund. Nicht nur weil es schmeckt, nein, es hat ihm auch die Zukunft gesichert.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Waldemar Hartmann weiß nicht, dass Deutschland 1974 im eigenen Land Fußball-Weltmeister wurde. Ein Skandal! Die Nation ist schockiert und ruft nach dem Karriereende der "Duz-Maschine". Das wird es aber nicht geben. Ganz im Gegenteil.

War der Fauxpas bei Günther Jauchs "Wer wird Millionär" jetzt der Todesstoß für Waldemar Hartmanns Karriere? Ja, die Blamage ist riesig! Hartmann, als Telefonjoker von Lena Gercke und Guido Maria Kretschmer eingesetzt, wusste nicht, dass Deutschland 1974 im eigenen Land Fußball-Weltmeister wurde. Selbst als Jauch ihn mit der Floskel, dass es hier um "Kopf und Kragen" geht, einbremsen will, quatscht der Mittelfranke munter weiter: "Kann man in 'Dritte Halbzeit', meinem Buch, nachlesen." Nachlesen kann man es in seinem Buch nicht, denn da steht es richtig drin. Was war es also, das unserem Waldi den von Günther Jauch nach der Sendung als "Blackout" attestierten Fehler ins Hirn gerieben hat?

Das Aus seiner Sendung "Waldis Club" in der ARD? Im vergangenen Jahr hatte der öffentlich rechtliche Rundfunk dem als "Duz-Maschine" bekannten Sportmoderator nicht gerade den Stuhl vor die Tür gestellt, aber man wollte den Vertrag für die süffisante Fußball-Quatsch-Runde nur noch um ein Jahr verlängern. Für Waldi Grund genug, der ARD den Rücken zu kehren. "Ich habe meine Entscheidung getroffen: Die Sendung 'Waldis Club' wird es im Ersten nicht mehr geben. Ich nehme das Angebot der ARD nicht an", tönte Hartmann damals. Aber mein Gott, das kann nicht der Grund dafür sein, dass der Sportexperte vergessen hat, dass Deutschland 1974, noch dazu in München, die Fußballweltmeisterschaft gewonnen hat. Auch eine Frage des Alters kann es nicht gewesen sein. Hartmann, heute 65 Jahre alt, war während des ruhmreichen Titelgewinns 26 Jahre alt. Es wird sogar gemunkelt, dass der Mann seinerzeit im Stadion war.

War Waldi betrunken?

8460804.jpg

Hartmann pflegt ein sehr persönliches Verhältnis zu den Sportlern.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Doch was war es dann? Die zweite These hat auch Günther Jauch aufgebracht: "Waldi, mit Wasser wäre das nicht passiert." Am meisten schätzt der Bayer ja angeblich das Weißbier und auch das hat seine Geschichte. Auf dem Weg zur Europameisterschaft in Portugal im Jahr 2003 muss sich das DFB-Team mit einem 0:0 gegen Island begnügen. Nach dem Spiel zerlegen Moderator Gerhard Delling und Experte Günter Netzer die Mannschaft. Von einem Tiefpunkt ist die Rede und von einer Krise der Fernsehunterhaltung am heiligen Samstagabend. Im anschließend stattfindenden Gespräch mit Waldemar Hartmann verliert der damalige Bundestrainer Rudi Völler jegliche Contenance. "So ein Käse, ich lass mir das nicht mehr bieten. Solche Sachen wie die vom Delling", donnert Völler. Hartmann verweist darauf, dass das Spiel nun wirklich nicht gut war. Vergeblich. Nun geht es Schlag auf Schlag. "Käse. So einen Käse will ich nicht mehr hören. So'n Scheiß! Das ist das Allerletzte."

Doch die alte Duz-Kanone Hartmann sucht nicht die Konfrontation, sondern Harmonie: "Aber Rudi, ich kann jetzt nicht verstehen, warum du diese Schärfe reinbringst." Und jetzt kommt der legendäre Satz von Völler, über den sich Waldemar Hartmann bis heute freut: "Ja, du nicht. Du sitzt hier bequem auf deinem Stuhl, hast drei Weizen getrunken und bist schön locker." Seit dieser Zeit ist Waldemar der "Weißbier-Waldi". Geschadet hat ihm dieser Titel bis heute nicht. Ganz im Gegenteil. Völler hat Hartmann das Leben vergoldet. "Rudi hat mir mit einem einzigen Fernsehinterview meine Altersvorsorge gesichert", so Hartmann. Und tatsächlich ist Waldi kurz nach dem Interview mit einem Werbevertrag einer großen Brauerei gesegnet worden, der ihn in den Genuss einer "Privatrente" bringt.

Ein Leben der erfolgreichen Zufälle

7989199.jpg

Das Moderationsduo Schmidt - Hartmann war sehr erfolgreich.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Aber so wie diese Geschichte verläuft Waldemar Hartmanns Leben eigentlich insgesamt. Eine Aneinanderreihung von Zufällen bringt ihn ganz nach oben in die Liga der deutschen Sportjournalisten. Dabei hätte der Kumpel von Roy Black auch ein ganz großer DJ werden können. Den Job in Augsburg hatte ihm nämlich der Schlagerbarde vermittelt, den er durch gemeinsame Auftritte mit der Schülerband kannte. Nach einem Volontariat bei der Boulevardzeitung "Schwäbische Neue Presse" in Augsburg schreibt er als Sportberichterstatter für die "Augsburger Allgemeine".

1971, und auch das verwundert nicht, wird Waldemar Wirt. Ja, er eröffnet die Kneipe "Waldis Club" in Augsburg. Stammgäste sind nicht nur Fußballer, sondern auch der damalige Chef der Bayern-Abteilung beim Bayerischen Rundfunk, Kurt Hogl. Der holt ihn zum Hörfunk. Ebenfalls durch ein Kneipentreffen mit dem TV-Journalisten Felix Heidenberger wird Hartmann 1976 "Rundschau"-Moderator. Jetzt allerdings entwickelt er sich zum Selbstläufer. Ab Mitte der 80er Jahre moderiert Waldi alles, was mit Sport zu tun hat. Dabei ist es völlig egal, ob es sich um Fußball, Winter- oder Sommerspiele handelt. Hartmann wird zur sportlichen Universalwaffe der ARD und zum Leiter der Redaktion Sport des Bayrischen Rundfunks.

Ab 2006 beginnen zu den Olympischen Spielen die Doppelmoderationen mit Harald Schmidt in der Late-Night-Show "Olympia mit Waldi & Harry". Das Ganze wird zur Fußball-WM fortgesetzt und bringt der ARD bis zu drei Millionen Zuschauer pro Sendung vor die Fernsehgeräte. Eine nicht unbeachtliche Einschaltquote. Doch 2007 patzt Waldi wieder. Bei der Anmoderation eines WM-Boxkampfes erklärt er den Schwergewichtsboxer Jürgen Blin live vor 7,43 Millionen Zuschauern fälschlicherweise für tot.

Es geht immer weiter

Na und? Mein Gott. Blin lebt heute noch. Deutschland bleibt auch Weltmeister, wenn Hartmann vergessen hat, dass das DFB-Team 1974 den Titel holte, und die Weißbierrente kann Hartmann auch niemand mehr nehmen. Und Hartmann ist ja nicht der Erste, der sich in jüngster Zeit durch Fehleinschätzungen von Ort, Zeit und Raum einen Namen gemacht hat. Hat nicht Schlagerbiene Helene Fischer bei der Abmoderation des "Bambi" gesagt: "Das war der Echo"? Ist ihre Karriere jetzt beendet? Nein! Die Leute kaufen weiter ihre CDs und gehen in die Konzerte. Vielleicht auch in der Hoffnung, den nächsten Versprecher live erleben zu dürfen. Und so wird sich auch Waldis Buch "Dritte Halbzeit" jetzt doppelt so gut verkaufen. Schließlich will jeder wissen, ob Hartmann diesen eklatanten Fehler auch zu  Papier gebracht hat. Und vielleicht heißt ja das nächste Buch "Fußballgeschichte für Dummies", von Waldemar "Weißbier" Hartmann.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema