Unterhaltung

"Fick die Henne" im "TV-Puff" Wo sind die Promis, Big Brother?

PromiBigBrother4WW_5884.JPG

Die Fotografen kamen auf Bestellung: Jenny Elvers beim Einzug ins "Big Brother"-Haus.

(Foto: Sat.1 / Willi Weber)

Sie sind von überwiegend eher kleiner Prominenz. Deswegen werden sie nun zwei Wochen lang dem großen Bruder hörig sein. Mit dem Einzug von zwölf Kombattanten startet in Berlin "Promi Big Brother". Das kann ja mal frivol werden.

Einst sendete von hier das Fernsehen der DDR. Nun hat das Überwachungs-TV westlicher Prägung die Kontrolle über das traditionsreiche Sendezentrum im Berliner Stadtteil Adlershof übernommen. Willkommen bei "Promi Big Brother". Beim Privatsender Sat.1 fiel am Freitagabend der Startschuss zu dem neuen Reality-TV-Format, das Genre-Zwittern wie dem "Dschungelcamp" ans Zeug flicken will. Und das natürlich in Wahrheit ungefähr so neu und frisch ist wie Altkommunarde Rainer Langhans beim morgendlichen Yoga vor der australischen Hängematte.

bbschlange.jpg

Ja, es gibt Menschen, die Schlange stehen, um bei "Promi Big Brother" live dabei zu sein.

(Foto: n-tv.de)

Schließlich ist es mittlerweile sage und schreibe 13 Jahre her, dass Nobodies wie Zlatko (Trpkowski), Jürgen (Milski) und Alex (Jolig) bei RTL II in den ersten TV-Container auf deutschem und seinerzeit noch rheinländischen Boden zogen. Heidewitzka, was war das damals nicht für eine Aufregung. Die Menschenwürde schien bei dem dreimonatigen Fernseh-Experiment in Gefahr. In Zeiten der NSA, in denen Politiker die jahrelange Durchleuchtung nicht freiwilliger Delinquenten einfach weglächeln, erscheint das natürlich nur noch pillepalle. Zumal wenn es um "Prominente" geht. Wie sagte es Jenny Elvers nicht noch vor ihrem jetzigen Einzug ins "Big Brother"-Haus? "Mein Leben wurde so ausgeleuchtet in den letzten Monaten und Jahren - das macht dann schon gar nichts mehr." Eben.

Womit wir schon mitten drin wären im illustren Geschehen der Neuauflage eines Formats, das bei den gläsernen Bürgern längst als medialer Klassiker und Prototyp gilt. Denn Elvers ist eine von zwölf Teilnehmern bei "Promi Big Brother", die es ihrem Ex-Ex und Vater ihres Kindes - Alex Jolig - gleichtaten und sich für ein von der Außenwelt abgeschottetes Leben unter 24-stündiger Kamerabeobachtung am Tag entschieden. Jedoch prominentengerecht maximal für eine Gesamtdauer von zwei Wochen. Luschen!

Die WM in Adlershof

Sat.1 hat für die Sendung ordentlich die Werbetrommel gerührt. Kein Wunder, verlauteten aus der Geschäftsführung des Senders doch sogar Sätze wie: "'Promi Big Brother' hat für uns die Wichtigkeit einer Fußball-Weltmeisterschaft." Besonderes Bohei wurde dabei natürlich - adäquat zum "Dschungelcamp" - um die Identität der auserkorenen Bewohner für den TV-Knast gemacht. Nicht ohne Wirkung: Nach dem Motto "Wir wollen hier rein" rüttelten am Freitagabend hunderte Menschen am Zaun in Adlershof. Nicht etwa, weil sie es aufs Kanzleramt oder einen freien Platz im Container abgesehen gehabt hätten. Sie wollten vielmehr live miterleben, wie die prominente Belegschaft ihre Quartiere im TV-Knast bezieht.

promischild.jpg

Manch einer hat seine Enttäuschung aufs Schild geschrieben.

(Foto: n-tv.de)

Aber siehe da: Nachdem trotz aller Heimlichtuerei die Namen diverser Container-Insassen dann doch bereits im Vorfeld durchgesickert waren, hielten sich die Überraschungsmomente bei der Vorstellung von Elvers und ihren Mitbewohnern in Grenzen. Ja, genau so wie es die Spatzen vom Dach des Springer-Hochhauses schon längst gepfiffen hatten, begaben sich auch Moderatorin Marijke Amado, Ex-"No Angel" Lucy Diakovska, Sänger Percival Duke, Schauspieler Martin Semmelrogge, "Schauspieler" Jan Leyk und natürlich the one and only The Hoff, David Hasselhoff, in die Obhut von "Big Brother".

Und die anderen fünf Bewohner? Nun, da wäre etwa Natalia Osada, laut Biografie auf der Sat.1-Webseite "Visagistin und Trash Queen", die dem Zuschauer jedoch wegen ihres Mitwirkens bei "Catch The Millionaire" bekannt sein soll. Sarah Joelle Jahnel wiederum trat bei "Deutschland sucht den Superstar" in Erscheinung - vor allem mit ihrer Bemerkung, DSDS sei "der größte Puff im deutschen Fernsehen". Sänger Fancy - der in Wahrheit übrigens weder Elvis Presley noch Roy Orbison, sondern Manfred Alois Segieth heißt - nahm indes sicher nie an einer Casting-Show teil. Dafür liegen seine größten Erfolge "Flames Of Love" und "Itze-dabsen-du … Slice Me Nice" schon knapp drei Jahrzehnte zurück. Würde Manuel Charr mit dem Zweiten besser sehen, wäre er wahrscheinlich zum ZDF und nicht zu Sat.1 gegangen. Der Boxer ließ sich vor einem Jahr das Auge von Vitali Klitschko so wund schlagen, dass er aufgeben musste. Simon Desue schließlich versteht sich als "Künstler". Von seiner Kunst mitbekommen hat bislang allerdings nur, wer die Links zu ach so lustigen YouTube-Filmchen, die einem die lieben Kollegen oder andere Spaßvögel schicken, auch mal an- und nicht nur wegklickt.

Betten, dass ..?

PromiBigBrother4WW_7612.JPG

Prominenter als die Belegschaft: Oliver Pocher und Cindy aus Marzahn.

(Foto: Sat.1 / Willi Weber)

Apropos Spaßvögel: Von denen gab es auch im Publikum in Adlershof so Einige. Spätestens als Desue die Bühne betrat, konnte manch einer nicht mehr an sich halten und es entfuhr ihm ein gebrülltes "Wer bist denn du?" Andere reckten verzweifelt Schilder in die Höhe: "Wo sind die Promis?" Vielleicht lag es an der Enttäuschung darüber, dass die Prominenten-Dichte im "Big Brother"-Haus dann doch überschaubar ist, vielleicht auch am latent zugigen Spätsommerabend in Berlin oder daran, dass manch einer mit der angebrochenen Nacht noch Besseres anzufangen wusste als im Fernsehen zu sein - jedenfalls leerte sich das weite Rund um die Live-Bühne im Laufe der Show fast um die Hälfte.

Dabei hatte doch alles so gut angefangen. Mit Feuerwerk, dem norwegischen Disco-Duo Madcon und natürlich dem Moderations-Doppel Oliver Pocher und Cindy aus Marzahn. Dass sie die eigentlichen Promis bei der Veranstaltung waren und dementsprechend an sich sie in den Container gehört hätten, war jederzeit zu spüren. Zumal man sicher nur allzu gern Zeuge geworden wäre, wie sich Cindy, die nicht nur doppelt so breit, sondern auch etwa doppelt so groß wie ihr Counterpart ist, das Matratzenlager mit Pocher teilt.

Aber auch ohne diesen Wetteinsatz … ach nee, sorry, Cindy, falsche Sendung … wir meinten natürlich: Aber auch ohne diesen Betteinsatz und trotz oder gerade wegen der notorisch eher c-prominenten Besetzung auch dieses Reality-TV-Formats könnte "Promi Big Brother" ein recht frivoles Vergnügen werden. Dafür sprechen ebenso Osadas Kraftausdrücke der Marke "Fick die Henne" wie Semmelrogges Freudestrahlen beim Anblick seiner leicht beschürzten Mitbewohnerinnen und Leyks Ankündigung, er wolle den "TV-Puff" hier nun mal ordentlich aufmischen.

Dabei hatten wir doch gedacht, das Fernseh-Bordell sei DSDS?! Für diese Falschinformation solltest du aber mal ordentlich bestraft werden, Sarah Joelle. Eine gute Aufgabe für "Maulwurf" Lucy, wenn sie ihre Mission, Markus … äh, Malte … äh, Michael Semmelrogge durch die Ansprache mit falschen Vornamen zum Wahnsinn zu treiben, erledigt hat. Nicht wahr, Big Brother?

Quelle: ntv.de