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Wissen, wie es geht Hommage an das Selbstkochen

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Aus einfachen Zutaten entsteht manch leckeres Mahl.

(Foto: thinkstock)

Einzug in eine WG mit Gemeinschaftsküche, die erste eigene Wohnung, das erste Kind, der Besuch der Schwiegermama in spe - es gibt genügend Gründe, den Kochlöffel zu schwingen. Anke Nussbücker hat motivierende Geschichten übers Kochen, Zubereiten und Genießen geschrieben.

"Ich kann nicht kochen." Dieser Satz ist Quatsch, doch leider hört man ihn viel zu oft. Oder auch: "Kochen interessiert mich nicht", "Habe keine Zeit dazu", "Gehe lieber zur Imbissbude." Alles faule Ausreden! Alles, was der Mensch braucht um kochen zu können, sind Neugier, Liebe und Selbstvertrauen. Freude und Fantasie wachsen in dem Maße, in dem das Werk gelingt. Irgendwann erkennt jeder Kochlehrling: Auch die ganz Großen lassen immer mal was anbrennen. Über die Freude am Kochen und warum die Arbeit in der Küche eines der sinnlichsten Vergnügen ist, hat Anke Nussbücker ein Buch geschrieben. In "111 Gründe, selbst zu kochen" erzählt sie, weshalb es wichtig ist und wie es gelingen kann, dem eigenen Kochen in unserem mobilen Leben wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken und ihm mehr Zeit zu widmen. Es geht nicht darum, dass jeder am heimischen Herd Talente eines Sternekochs entwickelt; wenn das möglich wäre, könnten alle Gourmet-Tempel dichtmachen. Ganz ehrlich: Das wäre ein Verlust für die Menschheit!

Die 111 Gründe sind verpackt in vielen kleinen Geschichten aus dem Alltag einer deutschen Durchschnittsfamilie: Frau, Mann, Kind. Es ist Nussbückers eigene Familie, der wir da über die Schulter schauen. Und es ist nicht alles konfliktfrei, was da so über die Bühne geht. Der Leser erfährt, wie gemeinsames Kochen die Beziehung erprobt oder wie ein Baby an Nerven und Kräften zerrt, welchen Spaß gemeinsames Kochen mit Freunden macht, was bei Axel Schulz falsch gelaufen ist und wie es die Klitschko-Brüder richtig machen. Und dass Missgeschicke jedem Anfang innewohnen, man aber nie aufgeben darf, wenn auf Anhieb das Werk nicht gelingen will. Das gilt auch fürs Kinderzeugen, wie zu erfahren ist.

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Anke Nussbücker: Selbstgekochtes schmeckt besser, ist gesünder und bleibt erschwinglich.

(Foto: Michael Haase)

Die Sprache der Autorin ist klar und verständlich, dem Leser wird kein Fach-Chinesisch übergestülpt. Nussbückers Kenntnisse und Erfahrungen als Wissenschaftlerin werden aufbereitet dargeboten, oft in Gesprächen mit dem "liebsten Ehemann". Der mag zum Beispiel nicht folgen, wenn ihm seine Frau Hirse schmackhaft machen will, die mit ihrem Gehalt an Silizium gut ist für Haut und Bindegewebe, Arthrose lindert, Adern wieder elastisch macht und vor Alzheimer schützen kann: "Dann koch Hirse. Ich muss ja nichts davon essen."  Auch das Töchterchen hat naturgemäß ein paar unerklärliche Abneigungen gegen Irgendwas und Nussbückers Mutter "lobt" mitunter: "Man kann es essen." Alles nicht so schlimm, es herrscht kein Zwang am Tisch. Manches wird dann nie wieder gekocht, anderes verändert. Auch in der Küche gilt: Probieren geht über Studieren.

Inspiration, Tipps und Tricks

Selbstverständlich enthält das Buch auch Rezepte, einfache wie Kartoffelsuppe, anspruchsvolle wie Spinat-Hirse-Soufflé oder ungewöhnliche wie Spinatcocktail. Aber Nussbückers Werk ist viel mehr als ein Kochbuch, weil es nicht nur um die bloße Nahrungszubereitung geht. Das Buch vermittelt ungeahnt viel Wissenswertes sowohl für den Neuling, der sein Kochmuffeldasein satt hat, als auch für den erfahrenen Hobbykoch. Der eine dürfte sich ermutigt fühlen, der andere kann an der einen oder anderen Stelle schmunzeln. In den motivierenden Geschichten lässt sich eine ganze Menge erschmökern: Warum Sauerkraut Pickel verschwinden lässt, Buchweizen vor Krampfadern schützt, Grapefruit vor dem Essen den Stoffwechsel optimiert, warum sauer nicht nur lustig macht, sondern auch gesund erhält und warum Fische durchaus in Butter schwimmen dürfen und das noch nicht mal eine Sünde ist.

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Das Buch im handlichen Format ist bei Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienen.

(Foto: Schwarzkopf&Schwarzkopf)

Das Buch dient der kulinarischen Inspiration und liefert viele Tipps und Tricks rund um Lebensmittel und Küchengeräte. Zu Recht trägt es den Untertitel "Von der Freude am Kochen, dem Geheimnis des Würzens und dem Wissen, wie’s geht". Anke Nussbücker, geboren 1971 im Erzgebirge, sagt von sich selbst, sie sei eine "studierte Hobbyköchin", legte schon als Kind viel Wert auf Vitamin A für ihre Augen (um endlich lesen und schreiben zu lernen) und konnte alle 111 Gemüsearten, die dieses Vitamin enthalten, lückenlos aufzählen. Sie studierte in Jena Ernährungswissenschaften mit dem Schwerpunkt Ernährungsphysiologie (für Milchkühe und Leistungssportler) und fand während des Studiums die theoretischen Argumente dafür, ihre eigenen 111 Kochexperimente zu starten. In "111 Gründe, selbst zu kochen" erzählt sie, was dabei herauskam. Die 111 Gründe sind in 11 Kapitel gegliedert, die von Vorspeise & Salat über Urlaub & Balkon, Brot, Kartoffeln & Reis, Winter und Sommergemüse, Aus Teich & Meer bis zu Sport & Dessert und Gesundheit & Esoterik reichen. Ein umfangreiches Quellenverzeichnis fehlt ebenso wie ein Register, das Auskunft darüber gibt, in welchen Gründen sich Hühnersuppe, Curry oder Milchreis wiederfinden. Da hätte ich mir zusätzlich zu den Nummern der Gründe Seitenangaben gewünscht, die das Suchen erleichtern würden.

"111 Gründe, selbst zu kochen" hat mehr als 111 Seiten, nämlich 336, kostet 9,95 Euro und ist als Taschenbuch im Berliner Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag im Sommer 2014 erschienen.

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Quelle: n-tv.de