Unterhaltung
Donnerstag, 17. September 2009

Blues you can use! : Überraschend: Brixtonboogie

Sabine Oelmann

Es gibt ja diese Tage, da weiß man nicht, was man für Musik morgens auf dem Weg zur Arbeit hören soll, denn man hat noch keine Ahnung, wie die werte Laune ist, was der Tag bringen wird, was das Wetter-Orakel sagt, ob das letzte Weinglas gestern abend wirklich sein musste ... "Unentschlossen" ist das richtige Wort.

Krisz Kreuzer und Nataly Dorra. (Foto: Uwe Boehm)
Krisz Kreuzer und Nataly Dorra. (Foto: Uwe Boehm)

Auf dem Beifahrersitz liegt eine neue, noch ungehörte CD, und da man mit dem Titel der Band so gar nichts anfangen kann, denkt man sich, hey, das passt zu meiner unentschlossenen Stimmung heute, das kann ich jetzt ja mal hören, mal sehen, was passiert.

Eingelegt.

 

Gehört.

 

Es geht besser!

 

Ja, wenn man "Urban Blues" von Brixtonboogie gehört hat, geht es einem wirklich gut. Obwohl der Begriff "Blues" in dem Fall vielleicht ein wenig in die Irre führt, denn "Blues" hört sich immer so melancholisch an, so nach viel Rauch in zu kleiner Kneipe, nach dem einen Whiskey zu viel. Und bedeutet "Blues" manchmal auch Unentschlossenheit? Mag sein, ist aber vollkommen egal . Hier bedeutet Blues Lebensfreude. Tanzen. Mindestens mitwippen. Ist auch nicht so ganz klassischer Blues. Bei "Brixtonboogie" ist es mehr. Denn der Blues ist nicht nur Klagelied, nicht nur Heulen und Zähneklappern, nicht nur chronisches Nichtweiterwissen. Der Blues ist vor allem eine Haltung.

Blues heißt nämlich auch: Die Situation präzise zu analysieren. Kraft zu sammeln, Seelenfrieden zu finden. Sich gegen Demütigungen zu Wehr zu setzen. Und aufgeschlossen und fröhlich nach vorn zu schreiten (danke Kai, schöner kann man es nicht sagen!).

Heute singt man im Kollektiv

"Urban Blues" - 13 Songs. Jeder einzigartig, witzig, cool, wahrhaftig. Funky, poppig, entspannt. Reggae, Gospel, ach was sag' ich: Für alle Anlässe ist etwas dabei. Für jede Stimmung. Und wieso ist das so? Weil die Musik von einem Kollektiv gemacht wird. Von einem bitte was??? Ja, das hört sich erstmal unsexy an, aber die Damen und Herren von Brixtonboogie geben diesem verstaubten Begriff eine völlig neue Dimension.

Die Deutung von "Kollektiv" geht ja immer in folgende Richtung: Da ist eine Gruppe von Menschen, die zusammen leben und/oder arbeiten, wobei sich der Einzelne der Gruppe unterzuordnen hat. Vollkommen anders bei diesem Kollektiv hier: Inwieweit die Einzelnen zusammenleben, tut ja nichts zur Sache, aber wenn sie zusammen arbeiten, dann ordnen sie sich nicht unter, nein, die anderen stellen den Einzelnen geradezu heraus.  Da darf jeder mal nach vorne und zeigen was er/ sie kann! Zum Beispiel die Ausnahmesängerin Nataly Dorra: Sie verleiht dem Song "If I ..." seinen leidenschaftlichen und mitreißenden Charakter. Im Schwarzwald geboren und in Kamerun aufgewachsen, hat die Pastoren-Tochter bisher mit Udo Lindenberg, Xavier Naidoo oder Jan Delay gearbeitet. "Wehmut, Wut und Liebe in einem Song verschmelzen zu lassen", so Kreuzer, "das ist Nataly."

Das Kollektiv (Foto: ferryhouse productions)
Das Kollektiv (Foto: ferryhouse productions)

The new and improved Blues

Man darf getrost behaupten, dass es Brixtonboogie gelingen, den Blues zu erneuern. Vielleicht haben sie ihn ja nicht neu erfunden, "wiederbelebt" trifft es wohl am besten.

Und wem haben wir das zu verdanken? Einem Hamburger. Musik-Produzent Krisz Kreuzer stand mit seinem Faible für Blues lange Zeit ziemlich allein da. Dann hat er begonnen, seine Vorstellung eines neuen, zeitgemäßen Blues zu realisieren und Brixtonboogie gegründet.  Er ist der Gastgeber, der musikalische Direktor, Gitarrist und Harp-Spieler seines genreübergreifenden Projektes.

Wenn Sie also musikalisch sind oder sich zumindest dafür halten, mitreden wollen, oder wenn Sie einen Live-Act erleben möchten, der seinesgeleichen sucht, dann können Sie sich Brixtonboogie nicht nur anhören, sondern schon ganz bald live erleben: Beim Reeperbahn Festival 2009 treten sie mit 149 weiteren Bands und Künstlern auf. Dabei sein werden u.a. Deichkind und  Emiliana Torrini - das Festival wird der Bandbreite einer Band wie Brixtonboogie also durchaus gerecht.

Brixtonboogie "Urban Blues", ferryhouse productions/ imVertrieb von Warner Music Group Central Europe, VÖ 18. September 2009

Quelle: n-tv.de