Essen und Trinken

Ewige Lockungen Auch Caesar biss in den sauren Apfel

imago60569040h.jpg

Die Apfelernte hat begonnen.

(Foto: imago stock&people)

Wenn die alten Römer recht gehabt hätten, gäb's niemanden mehr mit Haarproblemen. Caesar griff angesichts seiner verhassten Glatze entnervt zum Lorbeerkranz, aber wer ist heute noch ein Caesar? Und so bleibt wohl ewig der Wunsch der Vater des Gedankens - nicht nur beim Friseur.

Keiner weiß, wo er liegt, der Garten Eden, aber alle wissen, dass dort der ganze menschliche Schlamassel seinen Anfang nahm. Als nämlich die neugierige Eva auf die Schlange hörte und den braven Adam überredete, gemeinsam vom Verbotenen zu naschen. Das soll ja nun ein Apfelbaum gewesen sein, obwohl sich die Bibel da nicht festlegt, und so kann es auch ein Feigenbaum gewesen sein, was gut vorstellbar ist, da doch das Feigenblatt die welterste Verhüllung des Menschlichen war. Dennoch wurde der arme Apfel zur verbotenen Frucht degradiert, was ihm aber nicht schadete - im Gegenteil: Verbotenes übt seit Adam und Eva einen Reiz aus, dessen Lockungen man schwer widerstehen kann. Und so wurde aus dem bösen Apfel, der mehr Geschichte gemacht hat als alles Kern-, Stein- und Schalenobst zusammen, das Sinnbild für Verführung, Schönheit, Genuss und Liebe. Heute ist der (angebissene) Apfel sogar die wertvollste Marke der Welt, besser noch als Google und Coca-Cola.

95apple.jpg

Vater der Äpfel: Asiatischer Wildapfel aus Kasachstan.

(Foto: Wikipedia)

Wenn es irgendwo den Garten Eden gibt, muss er im Tienschan-Gebirge liegen, denn von dort soll der Vater aller Äpfel stammen, irgendwo zwischen China, Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan und Tadschikistan stand der erste Baum. Nicht von ungefähr heißt die größte Stadt Kasachstans Almaty, "Stadt der Äpfel". Bis 1993 war sie als Alma-Ata bekannt, was soviel heißt wie "Vater der Äpfel", und bis 1997 Hauptstadt des Landes. Die Stadt umgeben eine Vielzahl blühender Parks und Gärten, darunter auch heute noch Haine mit Wildapfelbäumen. Hier sollen die möglicherweise ältesten Apfelbäume der Welt stehen. Kein Wunder, dass die Kasachen behaupten, ihre Heimat sei der wahre Garten Eden.

Wann nun, nicht im Paradies, sondern auf Mutter Erde, das erste Mal ein Mensch in einen Apfel biss, liegt im Dunkel der Geschichte. Erhellen konnten die Wissenschaftler dagegen, dass unser heutiger Kulturapfel tatsächlich vom Asiatischen Wildapfel abstammt. Über das Mittelmeergebiet, wo der Apfel gebührend von den Römern beachtet und veredelt wurde, kam er mit den römischen Heerscharen nach Gallien und noch weiter, wo bis dato nur in den sauren Holzapfel gebissen wurde. Im antiken Italien und im benachbarten Griechenland schlug der Apfelbaum schnell und fest Wurzeln - bereits Plinius kannte 29 Apfelsorten. Römern und Griechen haben wir es auch zu verdanken, dass man mit einem Apfel mehr anstellen kann, als in ihn hineinzubeißen (obwohl das immer noch die gesündeste Art des Apfelgenusses ist): Schon in der Antike fehlten gekochte, gebratene oder gebackene Äpfel auf keiner Tafel; sie wurden in Wein, Most oder Honig eingelegt und als Saft oder Wein aus Pokalen genossen.

Gegen Glatzen ist kein Apfel gewachsen

imago60436272h.jpg

Vorteil der Kahlköpfigkeit: Der Wasserwiderstand ist geringer.

(Foto: imago stock&people)

Antike Ärzte fanden heraus, dass der Apfel nicht nur gut schmeckt, sondern auch noch ziemlich gesund ist. Hippokrates, Galen und Celsus machten sich Gedanken über die diätische Wirkung des Apfels: Süße Äpfel galten als schwerer verdaulich als die herben und unreifen, die verstopfen könnten. Also empfahlen die Ärzte gekochte oder gebackene Äpfel, deren abführender Effekt als durchaus willkommen galt. Äpfel wurden eingesetzt gegen Magenleiden, Augenschmerz, Blutspeien, Gallensteine und Krampfadern. Man fand den Apfel sogar geeignet, Kahlköpfigkeit zu kurieren, wobei der Erfolg stark angezweifelt werden kann. Denn was so schön rund und glatt ist wie ein Apfel, kann doch unmöglich Haare wachsen lassen? Für die Erfolglosigkeit spricht auch die Tatsache, dass Julius Caesar schon in jungen Jahren mit einer Glatze zu kämpfen hatte. "Seine hässliche Glatze ertrug er mit größtem Widerwillen", notiert der Geschichtsschreiber Sueton über den eitlen Römer. "Deshalb hatte er sich daran gewöhnt, sein lichter werdendes Haar vom Scheitel von vorne zu kämmen." Und weil offenbar die Äpfel nichts fruchteten, erstritt der römische Feldherr im Senat das Recht, "stets einen Lorbeerkranz tragen zu dürfen". Caesars Glatze suchen wir bis heute vergeblich: Keines seiner Porträts zeigt die Wahrheit, da wurde schon zu Lebzeiten geschönt.

Heute wissen wir, dass der Apfel mehr als 30 Vitamine und Spurenelemente, 100 bis 180 Milligramm Kalium und viele andere wertvolle Mineralstoffe wie Phosphor, Kalzium, Magnesium oder Eisen in und unter seiner Schale hat. Dabei besteht er zu 85 Prozent aus Wasser und hat nur rund 60 Kilokalorien. Äpfel  sind wegen ihres hohen Gehalts an Pektinen (unverdauliche Ballaststoffe) gut für die Darmtätigkeit und außerdem ein gutes Abspeckmittel. Und gegen Durchfall ist ein geriebener Apfel als Hausmittel unübertroffen. Auch die Zähne reinigt so ein Äpfelchen: Mit seinen Fruchtsäuren funktioniert er für die Zahnreinigung zwischendurch ebenso gut wie ein Kaugummi. Ein Apfel am Morgen hilft beim Wachwerden, einer am Abend gegen Schlafstörungen.

Auch in den Gefechten der Liebe hat der Apfel einen weltweiten Ruf; er war Bestandteil von Hexensäften und Liebestränken. In Persien war es Sitte, vor dem Betreten der Hochzeitskammer einen Apfel zu essen. Wollte sich im antiken Griechenland ein Mann verloben, warf er der Frau seiner Träume angeblich einen Apfel zu; mitunter heißt es, es sollte ein angebissener sein. Wenn die Angebetete ihn auffing, kam das einem "Ja" gleich. Auch in der Hochzeitsnacht sollte sich das Brautpaar einen Apfel teilen. Noch heute schreibt man den aus Äpfeln gewonnenen Alkoholika wie Calvados und Cidre verjüngende Kräfte zu. Anregend sind sie allemal …

Klasse statt Masse: 2013 gibt's weniger Äpfel

Fest steht, trotz des Anteils am Sündenfall (oder vielleicht gerade deswegen?) und der folgenden Vertreibung aus dem Paradies ist die Verführungskunst des Apfels ungebrochen. Er ist des Deutschen liebstes Obst: Statistisch gesehen verzehrt jeder Deutsche fast 20 Kilo Äpfel pro Jahr. In diesem Jahr wird die Apfelernte etwas spärlicher ausfallen. Nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes wird die Erntemenge voraussichtlich 18 Prozent unter der von 2012 von gut 972.00 Tonnen liegen. Gebietsweise wird sogar mit 35 Prozent Ertragseinbuße gerechnet, so schlecht wie zuletzt vor zehn Jahren. Schuld daran sind der lange kalte Winter und die Regenperiode zur Zeit der Apfelblüte. Dadurch wurden weniger Blüten ausgebildet, die Bienen waren nicht flugfreudig genug und bestäubten weniger Blüten. Doch weniger Äpfel heißt bessere Äpfel: Je weniger Äpfel an einem Baum wachsen,  desto besser schmecken sie. Die sonnigen Sommermonate vollendeten des Apfels Güte, denn Sonne und Wärme sind gut für die Zuckerproduktion, und Zucker bedeutet Geschmack.

Ob nun Äpfel im Winterhalbjahr 2013/14 teurer werden, lässt sich noch nicht abschätzen. Das hängt auch davon ab, wie gut oder schlecht die Ernte europaweit ausfällt. Außerdem ist der Großteil des Apfelaufkommens noch gar nicht geerntet, denn die niedrigen Temperaturen aus dem langen vergangenen Winter wirkten nach. Mit unserem 20 Kilo Pro-Kopfverbrauch nehmen wir die erste Stelle in Europa ein, doch nur die Hälfte aller Äpfel wachsen hierzulande, die andere Hälfte wird importiert. In ganz Europa werden jährlich mehr als 10 Millionen Tonnen Äpfel produziert; weltweit sind es über 60 Millionen Tonnen des Kernobstes aus der Familie der Rosengewächse - das macht rund 8,5 Kilogramm pro Kopf der Weltbevölkerung.

Klappen Sie nun also Ihren angebissenen Apple zu, erinnern Sie sich an den "Vater der Äpfel" und bereiten Sie für die Familie etwas Leckeres fürs Wochenende zu. Natürlich aus Äpfeln:

Apfel-Pirogge

Zutaten:

Für den Teig:
250 g Mehl
125 g Butter
65 g Zucker
1 Ei
1 Pä Vanillezucker
1 Prise Salz

Für den Belag:
500 g feste Äpfel
2 EL Rosinen
2 EL Calvados
2 EL Rum
50 g geriebene Mandeln
50 g Butter
ca. 150 g Zucker (je nach Apfelsorte auch weniger)
1 Eigelb
evtl. 1 EL Schmand

Zubereitung:

Die Rosinen eine Stunde im Rum weichen lassen. Aus den Teig-Zutaten einen Mürbeteig herstellen: Alles rasch, aber gründlich verkneten und den Teig sofort 30 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen. Dann erst weiter verarbeiten.

Die Äpfel schälen, entkernen und in Stücke schneiden. In der Butter mit Calvados und Zucker nicht zu weich dünsten. Mit den geriebenen Mandeln mischen und abkühlen lassen.

Dreiviertel des Teigs in Größe einer Springform ausrollen. In die Form legen und einen Rand hochziehen. Die abgekühlte Apfelmasse darauf geben. Aus dem restlichen Teig ein Gitter darüber legen und in die Zwischenräume die Rosinen nebst dem Rum vom Einlegen füllen. Das Eigelb verquirlen (evtl. mit 1 EL Schmand) und den Kuchen damit bestreichen. Im auf Mittelhitze (180 - 200 Grad Celsius) vorgeheizten Ofen 30 bis 40 Minuten backen.

Viel Erfolg wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de