Essen und Trinken

Tarantula oder Spiderman? Die spinnen, die Spinnen!

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Dieser Kuss dauert eindeutig zu lange.

(Foto: picture alliance / dpa)

Alle lieben den "Spinnenmann", doch gegen die richtigen Spinnen im Leben entwickelt so mancher eine wahre Phobie. Auch ganz ohne TV-Grusel-Schocker im halbdunklen Wohnzimmer sträuben sich die Nackenhaare, wirft eine klitzekleine Spinne einen Riesenschatten an die Wand. Mit Spinnen kann man einfach nicht kuscheln!

"Die spinnen, die Spinnen", würde Obelix sagen. Recht hat er, denn die Spinnen spinnen nicht da, wo sie es sollen und dürfen, nämlich in meiner Gartenhecke, sondern sie spinnen derzeit mal wieder vorzugsweise in meinem Bungalow. In jedem Herbst das gleiche Spiel: Wird es draußen kühler, bekommen auch die Spinnen kalte Füße und sie suchen sich eine angenehmere Bleibe.

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Im Garten ist ein Spinnennetz ein schöner Anblick.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Invasion signalisiert mir, dass es Zeit wird, das Sommerquartier winterfest zu machen und allmählich den Rückzug in die warme Berliner Wohnung anzutreten. Gegen verbale Attacken ("Zieh Leine, du blödes Vieh!") zeigen sich die ungebetenen Gäste total immun. Ignorieren meinerseits geht nur bis zu einem gewissen Grad. Der Trick mit dem Glas drüberstülpen und Papier drunterschieben klappt irgendwie nur auf dem Fußboden, auf Tischen und an Schränken. Haben Sie das schon mal oben an der Decke in einer Ecke versucht?
 

Duell 1 Zentimeter gegen 1,67 Meter

Meistens rennen die Tierchen ohnehin schneller, als man gucken kann. Was letzten Endes so schlecht nicht ist: Aus den Augen, aus dem Sinn (bei viel gutem Willen), Spinne spinnt irgendwo weiter und ich auch. Die von der netteren - kleineren! - Sorte übersehe ich sowieso großzügig (meistens jedenfalls) und setze auf Katze Hanni. Die ist kein Kostverächter… Vor den fetten, schwarzen, behaarten Riesenteilen allerdings bleibt sie sitzen und äugt nur interessiert. Vielleicht schmecken die ja bitter.

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Ob die mich mag?

Was tun, wenn so ein Untier an der Schlafzimmerdecke prangt - genau an der Stelle, unter der ich in einer für Spinnen im Bruchteil einer Sekunde erreichbaren Entfernung meinen Kopf betten will? Hanni kann nicht fliegen und überhaupt - es ist ja eine von der "bitteren" Sorte. Ich bewaffne mich mit Zeitung, Handtuch und Fliegenklatsche und steige aufs Bett. Wenn ich mich auf die Zehenspitzen stelle, kann ich mit den Fingerspitzen die Decke erreichen. Unter mir wackelt die Matratze hin und her und ich versuche, wenigstens eine meiner Waffen in Stellung zu bringen.

Was die Spinne mit einem blitzschnellen Abseilen direkt an meiner Nase vorbei mit Punktlandung auf dem Kopfkissen quittiert. Ich bin noch zu einem spitzen Schrei fähig, dann verliere ich das Gleichgewicht. Bestenfalls nach vorn - Richtung Spinne! - auf die Knie; im schlimmsten Fall nach hinten auf den Allerwertesten und mit dem Kopf hart gegen die Seitenwand des Kleiderschranks. Katze Hanni hat sicherheitshalber ihren Beobachtungsposten von vor dem Bett nach hinten Richtung Tür verlagert. Die Spinne ist nun IM Bett!

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Weitaus angenehmer als eine Kreuzspinne in Bett wäre ein Besuch von Spiderman.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nach einem mehr oder minder gelungenen Aufrappelversuch (bloß gut, dass mich niemand sieht!) starte ich die zweite Runde und schüttele wild wie Frau Holle die Betten aus, denn nach meinem Absturz war die Spinne auf dem Kopfkissen nicht mehr zu sehen. Nach einem festgestellten spinnenlosen Zustand meines Bettes (wie ich meine, möglicherweise aber irrtümlich) versuche ich, nicht mehr an das Tier zu denken und nehme den ersten Einschlafversuch in Angriff. Bei so viel Adrenalin im Blut (soll ja gut sein für den Fettabbau) klappt das nicht auf Anhieb.
 

Nachdem ich zum x-ten Male das Licht eingeschaltet und meine Umgebung misstrauisch gemustert, aber keine Spinne mehr entdeckt habe, beginnt dann doch endlich so etwas wie Nachtruhe. Am nächsten Morgen prangt übrigens die Spinne genau an derselben Stelle über meinem Kopf an der Zimmerdecke - so als wäre sie nie weg gewesen. Weil der Klügere nachgibt, strafe ich die Spinne mit stolzer Nichtachtung und verlasse das Schlafzimmer. Ein wenig schneller als sonst üblich. Irgendwann im Laufe des Tages ist die Spinne weg und ich hoffe, sie hat den Weg durchs Fenster in die grenzenlose Freiheit gefunden. An andere Möglichkeiten zu denken untersage ich meinem Gehirn. Vorerst jedenfalls.

Das Mittagessen spare ich mir - natürlich nicht wegen der Spinne, was denken Sie denn? Ich habe eben mal keinen Appetit auf Fleisch und außerdem kommen am Nachmittag meine Freunde Moni und Peter mit Kuchen. Ich stelle die Kaffeemaschine an, Moni packt den Kuchen aus - und ich glaube, ich spinne! Stolz präsentiert sie mir ihr neuestes Werk: "Total lecker!" Es ist ein

Spinnennetzkuchen

Zutaten:

100 g weicheButter
200 g Zucker
200 g Weizenmehl
70 g gemahlene Haselnüsse
100 g geschmolzene Halbbitterschokolade
1 Ei
1 TL Backpulver
1 Prise Salz
4 EL süßen Sherry
evtl. etwas Milch

Schokoladencreme:
100 g Zucker
3 Eigelb
150 g Butter
50 g geschmolzene Halbbitterschokolade
Garnierung: weiße Zuckerschrift

Zubereitung:

Boden und Rand einer Springform mit Backpapier auslegen; den Ofen auf 175 Grad vorheizen.

Butter und Zucker schaumig rühren, das Ei und die Schokolade zufügen und alles gut verrühren. Haselnüsse in eine Schüssel geben, Mehl und Backpulver dazu sieben, alles vermengen und schnell unter die Butter-Zucker-Masse heben. Möglicherweise muss etwas Milch zugegeben werden. Den Teig in die vorbereitete Form geben und 20 bis 30 Minuten backen. In der Form auf einem Rost erkalten lassen.

Den abgekühlten Kuchen aus der Form nehmen, das Papier abziehen und den Kuchen einmal durchschneiden. Beide Böden mit Sherry beträufeln.

Für die Füllung den Zucker und 0,1 l Wasser etwa 5 Minuten lang kochen. Die 3 Eigelb verrühren und den etwas abgekühlten, aber noch heißen Zuckersirup in dünnem Strahl nach und nach unter ständigem Rühren in die Eiermasse laufen lassen. So lange weiter schlagen, bis die Masse dicklich wird. Dann die Butter in kleinen Stückchen kräftig unterrühren. Zum Schluss die Schokolade zufügen und verrühren.

Etwa 2/3 der Masse auf einen Boden streichen, den zweiten Boden drauflegen, leicht andrücken und den Rest der Creme auf dem Kuchen und am Rand verstreichen. Kühl stellen, bis die Füllung steif ist. Zum Schluss mit der weißen Zuckerschrift ein Spinnennetz auf dem Kuchen auftragen.

Arachnophobiker verzichten lieber aufs Spinnennetz und malen einfach etwas anderes auf den Kuchen. Guten Appetit wünscht Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de