Essen und Trinken

Huftier bleibt Huftier? Ich glaub’, mich tritt eine Lasagne

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Diese Lasagne macht glücklich, denn sie ist völlig pferdfrei.

(Foto: picture alliance / dpa)

Es gibt es wirklich, das Trojanische Pferd. Nur werden heute damit nicht Stadtmauern geöffnet, sondern gutgläubige Verbraucher in die Irre geführt. Essen ist emotional, ist Kopfsache. Offenbar viel zu selten wird der Verstand eingeschaltet, wenn es um die Ernährung geht. Und so geben wir höchstpersönlich den modernen Rosstäuschern die Möglichkeit, uns an der Nase herumzuführen.

Pferdefleisch gilt in vielen Ländern als Delikatesse. Auch in Deutschland hat es seine Liebhaber; weniger als anderswo, aber es gibt sie. Auf die Schlachtbank dürfen hierzulande nur "Lebensmittel-Pferde" geführt werden. So lauten jedenfalls die Bestimmungen. Pferdefleisch ist gesund, mager, hat viel Eiweiß und Eisen; dennoch lehnen es die meisten Deutschen ab und zwar aus emotionalen Gründen. In zurückliegenden Jahrhunderten oder in Hungerjahren galten diese Bedenken weniger.

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Berlin 1945: Hungernde Einwohner zerlegen ein gefallenes Pferd.

(Foto: Bundesarchiv)

Rossschlachtereien arbeiten meist als Familienbetrieb und oft schon in dritter oder vierter Generation, haben ihre Stammkundschaft, legen Wert auf hohe Qualität ihrer Waren und beziehen ihre Schlachtpferde aus der näheren Umgebung. Meist verkaufen die Rossschlachter Wurst, Filet, Rostbraten, Gulasch und Rouladen im eigenen Laden und auf Märkten. Um diese Handwerker geht es im aktuellen Pferdefleisch-Skandal auch nicht. Ihre Waren sind teurer als vergleichbare aus Rindfleisch. Allein das zeigt schon, dass sich dieses Fleisch keinesfalls als profitbringende "Beigabe" in billigen Fertigprodukten aus Rindfleisch eignet.

Aber dann gibt es ja noch die modernen "Rosstäuscher". Sie brauchen für die illegale Streckung des Rindfleisches logischerweise Fleisch, das noch billiger ist als das minderwertigste Rindfleisch, sonst lohnt sich der ganze Betrug nicht. Das kann dann also nur Fleisch von Pferden sein, die entweder keine "Lebensmittel-Pferde" sind, weil mit Medikamenten vollgepumpt, um Höchstleistungen zu bringen, oder aus Ländern, in denen Pferdefleisch billiger ist als in Deutschland. Oder beides - und das ist derzeit wohl wahrscheinlich. Und zwischen dem Schlachter irgendwo und dem unwissenden Verbraucher vor Ort betreiben die gerissenen Aufkäufer, Weiterverkäufer, Zwischenhändler ihr einträgliches illegales Geschäft. Am besten quer durch Europa und andere Kontinente, weil sich so kaum noch nachweisen lässt, wo aus Pferd Rind wurde.

Darf's ein bisschen mehr sein?

Das moderne Trojanische Pferd ist ein internationales: Bisher wurde in mindestens 13 Ländern Europas unter dem Etikett "Rindfleisch" Pferd nachgewiesen. Leider in etlichen Proben auch schon das entzündungshemmende Schmerzmittel Phenylbutazon, von dem eine konkrete Gesundheitsgefährdung ausgeht. Damit liegt auf der Hand, dass diese Pferde nie und nimmer auf dem Teller landen durften.

Schon lange warnen Tierschutzorganisationen vor Pferdefleischimporten  aus Übersee. Nach endlos langen und quälenden Lebendtransporten werden Pferde aus den USA zum Beispiel in Kanada und Mexiko geschlachtet und von dort weiter in die EU exportiert, unter anderem nach Belgien und Frankreich. Stichproben an den EU-Außengrenzen, und dabei handelt es sich wirklich nur um Stichproben und keineswegs um eine durchgehende Kontrolle, förderten immer wieder für den menschlichen Verzehr unerlaubte Medikamente im Pferdefleisch zutage. Auch ein einfacher Vergleich zwischen Importmenge und dem Verzehr  von Pferdefleisch zum Beispiel in Belgien, Frankreich und den Niederlanden müsste eigentlich auch den dümmsten Rechner mit der Nase darauf stoßen: Wo sind die tausenden Tonnen an Pferdefleisch geblieben?

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Wenn das alles nicht so traurig wäre, könnte man wiehern.

(Foto: sterntaler62_pixelio.de)

Auch wenn kein Phenylbutazon oder Clenbuterol gefunden wird - der Skandal im Skandal bleibt: die Rosstäuscherei. Huftier ist eben nicht gleich Huftier. Wo Rind drauf steht, darf auch nur Rind drin sein. Wirklich? Haben wir uns denn nicht längst an gewisse Rosstäuschereien von Hersteller und Handel gewöhnt? Bei jeder vierten Geflügelwurst, auf der "Geflügel", "Pute" oder "Truthahn" auf dem Etikett steht, wurde auch Schwein oder Rind verarbeitet, fand Stiftung Warentest 2011 heraus. Überwiegend fast genauso viel wie Geflügelfleisch, mitunter aber auch deutlich mehr. Manchmal gibt das Kleingedruckte Auskunft: "Verkehrsbezeichnung: Lammbratwurst. Zutaten: Schweinefleisch (58%)*, Lammfleisch (39%)*, Meersalz, Gewürze*, Kräuter*, Naturdarm. * aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft." Immerhin Bio …

Aber wer liest schon das Kleingedruckte? Und bei nicht abgepackter Ware an der Frischetheke fehlt eine solche Information gänzlich. Sie dürfen gern die Verkäuferin nach den diversen Bestandteilen der von ihr verkauften Wurstsorten fragen … Wir lieben Lebensmittel!

Menschen, die aus religiösen Gründen kein Schweinefleisch essen, sollten ihre "Puten"-Wiener, die "Lamm"-Bratwurst oder die "Rinder"-Salami  (bei letzterer könnte auch noch Pferd drin sein) lieber nicht im Supermarkt kaufen, sondern bei einem Metzger, der seine Waren koscher oder halal produziert. Fleischer kaufen übrigens nie Bockwurst oder Leberwurst in anderen Läden oder im Supermarkt - denn sie wissen, was drin ist … Manche essen vermutlich nicht mal mehr die Wurst aus eigener Herstellung.

Geiz ist nicht geil

Nicht nur die Profitgier der Hersteller ist schuld an der Misere, sondern auch die Verbraucher selbst. Solange es wichtiger ist, immer das dickste Auto zu fahren, die größten Flachbildfernseher an der Wand zu haben und mit dem modernsten Smartphone zu telefonieren, bleibt oft für eine gesunde Ernährung kein Geld übrig. Für ein paar Cent kann niemand eine gute Lasagne oder Pizza produzieren, nur eben mit Pferd oder geleimtem Schinken und Analogkäse. Das sagt einem aber schon der gesunde Menschenverstand.

Dass wir nun ein Volk aus Vegetariern werden, ist ziemlich unwahrscheinlich. Das ist auch gar nicht wünschenswert oder erforderlich - es genügt, wenn Verbraucher bewusster handeln. Die Rückbesinnung auf den guten Sonntagsbraten wäre schon eine Möglichkeit, noch dazu eine gesunde: Weniger Fleisch und Wurst in der Woche, dafür aber von besserer - und teurerer - Qualität. Geiz ist eben nicht immer geil. Eine Gemüselasagne kostet übrigens nicht die Welt. Sie ist wohlschmeckend und sättigend - und Sie dürfen zügellos genießen:

Lasagne al forno

Zutaten (6 Pers):

500 g Lasagneblätter
450 g Blattspinat (frisch oder Feinfrost)
500 g braune Champignons
200 g Zwiebeln
2 Knoblauchzehen
5 EL Olivenöl
30 g Butter 
100 ml Milch
300 ml trockener Weißwein
ca. 50 g Mehl
200 g grob geraffelter Parmesankäse
1 Ei
Salz, Pfeffer, Muskatnuss

Zubereitung:

Den Spinat in Salzwasser kochen, gut abtropfen lassen und grob hacken. 30 g Butter erhitzen und 100 g fein gehackte Zwiebeln und 1 fein gehackte Knoblauchzehe hell anbraten, 2 EL Mehl zufügen und anschwitzen. Topf vom Feuer nehmen, unter Rühren langsam 100 ml Milch zufügen. Den Topf auf den Herd zurückstellen und die Soße unter Rühren aufkochen, bis sie eindickt. Den Spinat zufügen, mit der Soße vermengen, vom Herd nehmen und etwas abkühlen lassen. Dann das Ei zufügen und mit Salz, frisch gemahlenem Pfeffer und frisch geriebener Muskatnuss abschmecken.

In einem zweiten Topf 3 EL Olivenöl erhitzen und die zweiten 100 g fein gehackten Zwiebeln und die zweite fein gehackte Knoblauchzehe darin hell anbraten. Die grob gehackten Champignons zugeben  und bei starker Hitze braten, bis der meiste Saft verkocht ist. 2 EL Mehl und 300 ml Wein einrühren, aufkochen und bei geringer Hitze köcheln, bis die Soße eingedickt ist. Umrühren nicht vergessen! Vom Feuer nehmen und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Zutaten Béchamelsauce:

75 g Mehl
75 g Butter
¾ warme Milch
Salz, Muskatnuss

In einem dritten Topf die Béchamelsauce herstellen: Die Butter zerlassen und das Mehl einrühren. Mit dem Schneebesen verrühren, bis eine Creme entsteht. Topf vom Herd nehmen und die erwärmte (nicht kochende) Milch nach und nach zugießen, dabei ständig mit dem Schneebesen weiterrühren. Solange rühren, bis sich die Mehlschwitze vollständig aufgelöst hat. Nun den Topf wieder auf den Herd stellen und unter Rühren die Sauce etwas einkochen. So entsteht eine cremige Konsistenz und der Mehlgeschmack verschwindet. Am Schluss mit Salz und frisch geriebener Muskatnuss abschmecken. (Sollten sich Klümpchen gebildet haben, müssen Sie den Stabmixer in Schwung bringen.)

Die Lasagneblätter nach Packungsangabe in Salzwasser unter Zugabe von 1 EL Olivenöl garen und abtropfen lassen.

Eine Auflaufform mit 1 EL Olivenöl gut fetten. Die Form mit etwas  Béchamelsauce ausgießen und mit Lasagneblättern bedecken. Spinat und Pilzsauce einfüllen, mit Parmesan bestreuen und mit Lasagneblättern bedecken. So fortfahren, bis alle Zutaten verbraucht sind. Den Abschluss sollen Lasagne, Béchamelsauce und Parmesan bilden. Im vorgeheizten Ofen bei ca. 200 Grad 30 Minuten backen, bis die Oberseite goldbraun ist und die Sauce Blasen wirft.

Gutes Gelingen wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de