Essen und Trinken

Fitmacher für Spermien Jede harte Nuss ist zu knacken

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Zeit, den Nussknacker auszupacken.

(Foto: Andreas Hermsdorf_pixelio.de)

Jeder Deutsche verknabbert jährlich über drei Kilogramm Nüsse. Dabei sind die meisten der leckeren kleinen Dinger gar keine Nüsse, sondern Steinfrüchte. Doch egal, ob Stein-, Balg-, Kapsel- oder Hülsenfrucht, Beere oder Samen - sie schmecken und sind in Maßen genossen sehr gesund. Vor allem Männer, die Kinder zeugen wollen, sollten sich auf Nüsse besinnen.

Nüsse haben’s auch nicht einfach, dabei können sie eine ganze Menge. Sie werden als Schimpfwort missbraucht ("Du taube Nuss, du!") und gelten als Dickmacher. Dabei sind sie ziemlich gesund, sogar die etwas verschrienen Erdnüsse, die botanisch zu den Hülsenfrüchten zählen, haben ihre guten Seiten: Sie haben den höchsten Eiweißgehalt aller Nüsse, mehrfach ungesättigte Fettsäuren, Folsäure, B- und E-Vitamine. Wer sich allerdings das Fernsehprogramm allabendlich mit einer Tüte Erdnüsse schöner knabbert, der wird nach kurzer Zeit feststellen, dass nicht das TV-Programm inhaltsschwerer geworden ist, sondern der eigene Bauch. Auch die morgendlichen Nuss-Creme-Schleckerer pfeifen sich mehr Zucker und Fett ein als wertvolle Inhaltsstoffe von Nüssen. Die kommen in diesen Hüft-Gold-Brotaufstrichen nämlich nur "unter anderem" vor.

Alljährlich kurz vor Weihnachten wird der willige Verbraucher darüber aufgeklärt, wie wichtig doch Nüsse  sind. In diesem Jahr überraschen uns Wissenschaftler aus Boston mit der Erkenntnis, dass ein regelmäßiger Verzehr von Nüssen (egal welche) das Risiko um 20 Prozent verringern kann, an Herzerkrankungen oder Krebs zu sterben. An der Finanzierung der Langzeitstudie war übrigens die amerikanische Nussindustrie beteiligt.

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Nicht nur für Eichhörnchen lecker und gesund: Walnüsse.

(Foto: picture alliance / dpa)

Dass Nüsse durch ihre mehrfach ungesättigten Fettsäuren den Cholesteringehalt im Blut senken (um etwa 5 Prozent) und dadurch vor Herzkrankheiten schützen können, dürfte nicht ganz unbekannt sein. Nachweise in zahllosen Studien stützen die These, dass vor allem mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren, wie sie zum Beispiel in Fischöl und Walnüssen vorkommen, vor tödlichen Herzkrankheiten schützen. Immerhin hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) 2012 folgende Aussage für Walnüsse zugelassen: "Walnüsse tragen dazu bei, die Elastizität der Blutgefäße zu verbessern." Die Elastizität der Blutgefäße ist wichtig für den Blutfluss und die Funktion der Blutgefäße, was wiederum Einfluss auf die Herzkreislaufgesundheit hat.

Kleine Kraftpakete

Erreicht wird der gesundheitsförderliche Effekt durch den täglichen Verzehr von 30 g Walnüssen, das ist etwa eine Handvoll (5 bis 7 Stück). Eindeutige Beweise allerdings sind schwer zu liefern, denn die Bestimmung der Wechselbeziehungen zwischen Nahrungsbestandteilen und der Gefahr diverser Krankheiten ist recht komplex. Eine Reihe von Mechanismen, durch die Nahrungsfettsäuren (zum Beispiel gesättigte Fettsäuren) das Voranschreiten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinflussen können, wurde bereits identifiziert. Die genauen Mechanismen aber, durch die ungesättigte Fettsäuren vor derartigen Krankheiten schützen, sind noch nicht ganz klar. Auch die US-Autoren der jüngsten Studie räumen ein, dass die Daten nicht beweisen, dass der Schutzeffekt tatsächlich allein auf die verzehrten Nüsse rückzuführen ist.

Wer Nüsse nicht unkontrolliert nebenher knabbert, sondern sie als kleine Zwischenmahlzeit zu sich nimmt, muss keine Bedenken wegen der "Dickmacher" haben. Wer sich allerdings eine 100-Gramm-Packung einverleibt, nimmt etwa 680 Kilokalorien zu sich – so viel wie mit mancher Hauptmahlzeit. Die fett- und eiweißreichen Samen liefern zwar tatsächlich viele Kalorien, punkten aber mit ihrem Gehalt an lebensnotwendigen Vitaminen, Nähr- und Mineralstoffen und mit den schon erwähnten "guten" Fettsäuren.

Generell sind Nüsse für jeden Menschen gut und gehören zu einer ausgewogenen Ernährung. Ausnahmen sind Kinder bis zu drei Jahren und natürlich Nussallergiker. Bei Kleinkindern sollte man auf Nüsse verzichten, da sie sich leicht daran verschlucken können. Nüsse gehören zu den allergenen Lebensmitteln und müssen in der EU bei verpackten Lebensmitteln gekennzeichnet werden. Für Vegetarier sind Nüsse nahezu unerlässlich, sind sie doch reich an Proteinen und können daher tierisches Eiweiß gut ersetzen.

Wundernuss macht Spermien fit

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Harte Nüsse zu knacken gibt es auch in der Politik zuhauf.

(Foto: picture alliance / dpa)

Unter all den Nüssen, von Macada mia bis Pinie, gilt die Walnuss als eine Art Wundernuss. Frische Walnüsse haben viel Vitamin E und B, sind reich an Selen und Magnesium und haben einen Anteil von etwa 72 Prozent mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Diese Fettsäuren kann unser Körper nicht selbst herstellen, wir müssen sie mit der Nahrung aufnehmen. Täglich benötigen wir 19 Gramm davon. Omega-6-Fettsäuren, sogenannte Linolsäure, weisen mehr oder weniger alle Nüsse auf. Die nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen aber weitaus wichtigere Omega-3-Fettsäure (Linolensäure) findet sich zu einem signifikanten Anteil allein in der Walnuss. Wer die erwähnte Handvoll Walnüsse täglich zu sich nimmt, führt seinem Körper bereits knapp 3 Gramm dieser wichtigen Alpha-Linolensäure zu und ist auf dem besten Weg, einen normalen Cholesteringehalt im Blut zu behalten. Was ganz einfach ist: Machen Sie den abendlichen Feldsalat doch mit Walnussöl an (Rapsöl ist übrigens auch reich an Alpha-Linolensäure) und streuen Sie gehackte Walnüsse darüber.

Lange galt die Walnuss gar nicht als Nuss, sondern so wie Pekannuss, Pistazie, Kokosnuss und Mandel als Steinfrucht. Nun steht fest: Wegen ihrer grünen Hülle ist die Juglans Regia, die königliche Frucht des Jupiter, wie die Walnuss botanisch korrekt heißt, eine echte Nuss. So echt und so wirkungsvoll, dass Männer im zeugungsfähigen Alter keinesfalls darauf verzichten sollten. Den Wundernüssen wird nämlich nachgesagt, dass sie die männliche Reproduktionsfähigkeit erhöhen. Schon täglich 75 g Walnüsse wirken sich positiv auf Vitalität, Beweglichkeit und Morphologie der Spermien aus, fanden US-Forscher heraus. Bereits nach 12 Wochen hatte sich die Sperma-Qualität der Probanden gesteigert. Die Wissenschaftler konnten weniger Chromosomen-Anormalitäten feststellen. Als Ursachen für die Verschlechterung der Spermienqualität in Industrienationen werden Luftverschmutzung, ein ungesunder Lebensstil und eine westlich geprägte Ernährung vermutet. Noch lasse sich allerdings nicht sagen, ob sich die positiven Effekte von Walnüssen auf die Spermienqualität auch auf die Fruchtbarkeit auswirken, schränken die US-Forscher ein.

Sehr familientauglich, nicht so sehr für die Planung, eher mehr fürs Wohlbefinden, ist ein leckerer Nusskuchen. Angesichts eines guten Nussjahres bäckt meine Schwägerin Helga neuerdings ihren Bienenstich nicht mehr mit Mandeln, sondern mit Walnüssen – in der Adventszeit auch ein Vorgeschmack auf Weihnachten:

Helgas Weihnachtsnusskuchen

Zutaten:

Teig:
3 Eier
125 g Zucker
125 g Butter
200 - 230 g Mehl
ca. 1/2 Pä Backpulver

Belag:
150 g Butter
150 g Zucker
150 g gehackte Walnüsse

Zubereitung:

Die Zutaten für den Teig mit den Quirlen des Rührgeräts zu einem glatten Teig verarbeiten. In eine Springform geben und die Oberfläche mit einer Gabel ein paar Mal einstechen.

Für den Belag die Nüsse hacken: Nicht zu grob, nicht zu fein; eine spezielle Hand-Nussmühle leistet da gute Dienste. Im elektrischen Hacker werden die Nüsse meist zu fein zerhackt. Wer keine Nussmühle hat, legt die Nusskerne in einen stabilen Gefrierbeutel und "bearbeitet" sie mit dem Nudelholz.

Die Butter zerlassen, etwas abkühlen lassen. Dann Zucker und gehackte Nüsse darunter mengen. Wer es richtig weihnachtlich haben will, würzt noch mit einer Prise Zimt. Die Masse auf dem Teig verteilen und im vorgeheizten Ofen bei Mittelhitze (ca. 200 Grad) auf der Mittelschiene etwa 25 Minuten backen.

Nicht vergessen beim Nüsse knacken: Nicht alle ins Töpfchen, sondern sieben auch ins Kröpfchen (Männer futtern mehr)! Einen schönen 1. Advent wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de