Essen und Trinken

Nicht nur für Lüstlinge Kraut macht munter

Spätestens im Mai ist gegen die alljährlich wiederkehrende Frühjahrsmüdigkeit so manches Kraut gewachsen. Und zwar ein richtig kräftiges im Kräutertopf auf dem Balkon oder im Garten, auf Wiesen und an Feldrainen - und nicht die Treibhausgewächse aus dem Supermarkt, die schon schlapp sind, wenn man zu Hause ankommt.

Boccaccio, der ja jede Menge von Frauen und vom Lieben verstanden haben soll, kannte offenbar auch die wohltuende Wirkung grüner Kräuter gegen die Mattigkeit und Unlust. Im "Decamerone" begeisterte er sich für "einen Kräutersalat, wie ihn die Frauen machen, wenn sie auf dem Lande sind". Johann Wolfgang von Goethe, auch kein Kostverächter, ließ sich seine geliebte "Grüne Soße" per Postkutsche von Frankfurt nach Weimar bringen. Goethes Mutter verwendete für des Sohnemanns Soße mindestens zehn verschiedene Kräuter. Heutzutage sind es meistens sieben verschiedene Kräuter.

Erfunden hat Goethes Mutter die Soße wohl nicht, wird allerdings oft behauptet. Sie hat wohl eher ihren Ursprung in Frankreich als "Sauce verte". In Italien kennt man sie als "Salsa verde", und in Deutschland gilt sie als Spezialität aus dem Raum Frankfurt/Main. Dort bekommt man sie auch als Fertigprodukt bzw. alle notwendigen Kräuter als Sträußchen. Wie sagen doch die Frankfurter: "Wer aa mal hier Grie Sooß duht esse, wird unser Frankfurt nie vergesse". In vielen Gegenden Hessens wird das Gericht am Gründonnerstag gereicht.

Fester Bestandteil der Soße ist ein Kräutlein, das viele Menschen gar nicht kennen: die Pimpinelle, auch Kleiner Wiesenknopf genannt. Pimpinelle wird schon seit dem 16. Jahrhundert als Gewürz- und Gemüsepflanze kultiviert. In die "echte" Frankfurter Grüne Soße darf auf keinen Fall Dill rein, während die Kasseler Wert darauf legen, dass "ihre" Grüne Soße "auf jeden Fall" mit Dill zubereitet werden muss. (Vielen Dank für die e-mail von der Markthalle Kassel!)

Man kann die Grüne Soße traditionell mit Eigelb, Öl, Essig, saurer Sahne und hart gekochten Eiern zubereiten oder auf Mayonnaise-Basis oder - gesünder - mit Quark. Wichtig ist vor allem, dass die Kräuter schön frisch und knackig sind. Auch sollten sie keinesfalls im Mixer oder im Fleischwolf zerkleinert werden, das zerschlägt die Pflanzenfasern. Damit die Kräuter ihren vollen Geschmack entfalten können, werden sie mit einem Messer oder einem Wiegemesser gaaanz fein geschnitten. Hier nun ein Rezept für "Grüne Soße" aus Großmutters Zeiten:

Zutaten:

2 Eigelbe
2 EL Senf
2 EL Essig
8 EL Olivenöl
250 g saure Sahne
Salz
100 g fein gehackte Kräuter: Pimpinelle, Sauerampfer, Kerbel, Schnittlauch, Petersilie, Brunnenkresse, Borretsch

Zubereitung:

Die Eigelbe mit dem Senf verrühren. Tropfenweise das Öl und den Essig mit dem Schneebesen einrühren. Wenn diese Masse schön glatt ist, die Sahne und die gehackten Kräuter unterrühren. Zum Schluss die fein gehackten Eier untermengen und mit Salz abschmecken.

Zur Grünen Soße schmecken am besten Pellkartoffeln aus neuer Ernte (vor dem Kochen schön bürsten, dann kann man sie mit Schale essen), gekochtes Rindfleisch (z.B. Tafelspitz), gedünsteter Fisch, gekochte Eiern, aber auch kalter Braten. Gut geeignet auch als Dip.

Guten Appetit wünscht Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de