Essen und Trinken

Griechen, Römer, Landsleute Mit Daphne ist das Leben göttlich

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Apollon und Daphne - seit Jahrhunderten Thema in der Kunst, hier von Peter Paul Rubens.

(Foto: imago stock&people)

Was haben Apollon und der Alte Fritz gemeinsam? Die Kleiderordnung ist es nicht: Der griechische Gott tritt vorzugsweise splitterfasernackt in Erscheinung, der Preußenkönig eher zugeknöpft. Beide allerdings lieben sie Daphne, und zwar so sehr, dass sie alle Etikette über den Haufen werfen.

Daphne ist in ausgewachsener Größe fürwahr eine königliche, wenn nicht gar göttliche  Erscheinung. In der angestammten Heimat, dem Mittelmeerraum, erreicht er eine Höhe bis zu 10 Meter und ein Alter von über 100 Jahren – der Lorbeerbaum. Der griechische Gott Apollon (lateinisch Apollo) und der preußische König Friedrich II. waren beide gleichermaßen gierig nach dem leckeren Blatt.

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Daphne ist auch als Blatt hübsch anzusehen.

(Foto: imago stock&people)

Apollon war der Lorbeer (griechisch daphne) sogar heilig. Er hatte sich unsterblich (aber das war Apollon als Gott ja sowieso) in die schöne Bergnymphe Daphne verliebt, die  aber nichts von ihm wissen wollte und der das Liebeswerben des Jünglings gehörig auf die Nerven ging. Heute nennt man das wohl Stalking. Irgendwann hatte die Arme das Davonlaufen satt und sie bat die Götter, sie in einen Lorbeerbaum zu verwandeln. Gesagt - getan, doch umgehend umschlang der liebestolle Apollon den ganzen Baum, erklärte ihn heilig und trug fortan zum Gedenken an Daphne einen Lorbeerkranz. Seine Tempel waren mit Lorbeerblättern übersät und seine Priesterin Pythia kaute ständig auf einem Lorbeerblatt herum, wenn sie zu Delphi orakelte.

Von dem "Großen" Friedrich wird berichtet, dass er  während eines Essens alle Höflichkeit fahren ließ und seinem Gast Voltaire mitten im Satz das Wort abschnitt, nur um den Geschmack eines Schinkens zu loben, der in einem Sud aus Lorbeer, Thymian und Wacholder gekocht worden war.

Losgeworden ist die Daphne ihren Bedränger also nicht. Irgendwie ein schlechter Tausch: Baum gegen Mann, war doch Apollon recht ansehnlich, wie uns die antiken Standbilder zeigen. Und er hatte auch eine ganze Menge drauf, war er doch der Gott des Lichts, der Heilung, der Weissagung, der Künste und des Frühlings. Außerdem war er der Gott der Bogenschützen sowie der sittlichen Reinheit und Mäßigung, was allerdings ob seiner unfeinen Daphne-Bestürmung recht verwunderlich ist.

Oben Lorbeer, unten Feige

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Apollo von Belvedere trägt auch Feige.

(Foto: imago stock&people)

Eine der berühmtesten antiken Marmorstatuen ist der Apollo von Belvedere. Sie ist eine römische Kopie des griechischen bronzenen Originals, die Papst Julius II. in seine Sammlung einverleibte. Er hatte 1511 keine Bedenken, sich an dem makellosen nackten Jüngling zu erfreuen. 1759 sah das schon ganz anders aus: Papst Clemens XIII. ordnete an, dem Apollon und den anderen Statuen im Belvedere "ein Blech vor den Schwanz zu hängen", wie Johann Joachim Winckelmann in einem Brief schäumte. Für den ersten großen deutschen Archäologen (1717-1768) war nämlich der Apollo von Belvedere das bedeutendste Kunstwerk überhaupt: "Die Statue des Apollon ist das höchste Ideal der Kunst unter allen Werken des Alterthums, welche der Zerstörung desselben entgangen sind", schrieb er 1764 in seinem Hauptwerk "Geschichte der Kunst des Alterthums".

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Der schöne Gott ganz ohne Blatt.

(Foto: Wikipedia)

Apollon war nicht der einzige antike Nackte, der zwangsangezogen wurde. Meistens waren es Feigenblätter aus Blech oder Gips, die lächerlicherweise mehr enthüllten als verhüllten oder die Phantasie ungewollt anregten. Ohnehin waren die Genitalien der Götter und Heroen meist knabenhaft klein oder waren im Laufe der Jahre schlichtweg abgebrochen. Was man an den heute wieder nackt Dastehenden nachprüfen kann. Und so bedeckten die moralischen Blätter bis ins 20. Jahrhundert etwas, was gar nicht mehr da war. Die Vatikanischen Museen, zu deren Antikensammlung auch der anstößige Apollo von Belvedere gehört, ersetzen heute die letzten erhaltenen Gipsblätter nicht mehr, wenn sie abfallen.

Umkränzte Häupter bis heute

Unser heutiges Wort "Lorbeer" geht allerdings nicht  auf die alten Griechen zurück, sondern auf die Römer. Der botanische Name Laurus leitet sich von "laus" ab. Das hat absolut nichts mit lästigen parasitären Kopfbewohnern (pediculus humanus heißt die Kopflaus) zu tun, sondern laus ist das lateinische Wort für Lob. Die Namensgebung haben wir der antiken Tradition der Römer zu verdanken, militärische Sieger mit einem Lorbeerkranz zu ehren. Lorbeer umkränzte auch die Häupter gefeierter Dichter und Sänger. Römische Kaiser trugen Lorbeerkränze als Zeichen ihres Ruhms - oder um eine Glatze zu verstecken wie Julius Caesar oder um sich vor dem Zorn der Götter des Donners und des Blitzes zu schützen wie Kaiser Tiberius, der bei Gewitter stets einen Lorbeerkranz trug. Caesars Glatze suchen wir übrigens bis heute vergeblich. Keines seiner Porträts zeigt die nackte Wahrheit, da wurde schon zu Lebzeiten geschönt. Offenbar wurde hier der Lorbeerkranz zum Feigenblatt.

Auch die Griechen ehrten ihre Besten, zum Beispiel bei den Olympischen Spielen. Hier traten die Lorbeerkränze an die Stelle der anfänglichen Olivenzweige. Noch heute bezeichnet man gelegentlich Preisträger als "Laureat" – Lorbeerkranzträger. Der Brauch, die Besten mit einem Lorbeerkranz zu ehren, fand in Europa bis in die Neuzeit seine Fortsetzung.

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Auch heutige Helden tragen Lorbeer.

(Foto: imago stock&people)

Ursprünglich stammt der Lorbeer aus Kleinasien, ist aber seit Urzeiten im gesamten Mittelmeerraum verbreitet. Seine Beliebtheit als Heil- und Würzpflanze ist bis heute ungebrochen. Schon der griechische Arzt Theophrast hielt in seiner berühmten Pflanzenkunde die vielseitige Verwendung von Lorbeer fest. Hildegard von Bingen empfahl Lorbeer bei Magenbeschwerden und zur Stärkung der Nieren. Den Beeren des Lorbeerbaumes schrieb die medizinisch versierte Äbtissin fiebersenkende Kraft zu. Einreiben mit Lorbeeröl linderte Prellungen und Stauchungen. Auch galt er als Mittel gegen die Pest. Karl der Große setzte sich für den Lorbeeranbau in Deutschland ein, damit Blätter und Beeren als Arznei und Gewürz mehr verwendet würden. Daraus ist aber wegen zu strenger Winter wohl nichts geworden.

Aus den schwarzen Lorbeeren wird auch heute noch ein stark würziges Öl gewonnen, das ausschließlich äußerlich angewendet werden darf. Es hilft wegen seiner durchblutungsfördernden Wirkung gegen Muskelkater, Zerrungen und Verstauchungen. Da das Öl außerdem antiseptisch ist, kommt es auch bei Hautausschlag und juckenden Insektenstichen zum Einsatz. Wichtig für die kommende Grillsaison: Als umweltfreundliches Mittel vertreibt es Fliegen und Mücken!

Keine Küche ohne Lorbeer

Aus der Küche ist Lorbeer nicht wegzudenken. Fleisch und Fisch, Marinaden und Sülzen, Suppen und Soßen - kaum ein Gericht kommt ohne die wohlschmeckenden Blätter aus. Am aromatischsten sind sie frisch gepflückt. Das Trocknen vermindert den etwas bitteren Geschmack der Blätter, während es die Würzkraft verstärkt. Deshalb immer vorsichtig dosieren, die meisten Speisen kommen mit einem bis zwei Blättern aus. Lorbeerblätter entfalten nur langsam ihr Aroma, deshalb werden sie mitgegart und vor dem Essen entfernt. Sie regen den Appetit an, sorgen für eine Steigerung der Magensaft- und Speichelproduktion, wirken blähungslösend und entschlackend.

In wärmeren Gegenden und an geschützten Stellen kann man Glück haben und man bekommt so einen Lorbeerstrauch über den Winter. Mir ist das im Garten an der Hauswand drei, vier Winter lang gelungen, dann aber ist mein Strauch in einem schneearmen Winter schlichtweg ausgetrocknet. Nun setze ich zur Sicherheit auf Kübel, denn ohne frischen Lorbeer geht gar nichts! Bevor das Sommerquartier geräumt wird, ernte ich alle Blätter ab und trockne sie oder friere sie ein.

Auch auf einem Balkon ist Lorbeer eine dankbare Kübelpflanze. Seine bitter-aromatische Würze mit Nuancen von Muskat und Kampfer harmoniert gut mit Knoblauch, Piment, Majoran, Oregano, Bohnenkraut, Salbei, Thymian, Wacholderbeeren und Petersilie. Sollten Sie noch Eckchen Platz auf dem Balkon oder im Garten haben, kann ich Ihnen ein Lorbeerbäumchen nur empfehlen. Hat man einmal die frischen Blätter probiert, möchte man sie nicht mehr missen:

Lorbeer-Kartoffeln

Zutaten (4 Pers):

12 festkochende mittelgroße Kartoffeln
12 frische Lorbeerblätter
2 Knoblauchzehen
Olivenöl, grobes Meersalz, Pfeffer

Zubereitung:

Die gesäuberten und abgetrockneten Kartoffeln der Länge nach tief einschneiden, aber nicht durchschneiden. In den Spalt je ein Lorbeerblatt stecken. Die Kartoffeln in eine Auflaufform oder auf ein Blech legen. Die Knoblauchzehen schälen und mit der Presse zu den Kartoffeln drücken. Schwarzen Pfeffer aus der Mühle und grobes Meersalz darüber streuen, 6 bis 8 Esslöffel Olivenöl darüber träufeln. Alles vorsichtig mischen, so dass die Kartoffeln gleichmäßig gewürzt sind. Die Kartoffeln etwa 1 Stunde im auf 200 Grad vorgeheizten Ofen backen.

Gebackene Lorbeerkartoffeln schmecken delikat zu gegrilltem Fleisch oder Fisch. Überzählige Lorbeerzweige lassen sich auch gut um das Haupt des persönlichen Helden winden. Viel Erfolg wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de