Kino

Pacino und Walken in "Stand Up Guys" Erst Viagra, dann die Knarre

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Doc, Richard und Val (v.l.) sind nicht mehr die Jüngsten, aber sie haben es noch faustdick hinter den Ohren.

(Foto: Universum Home Entertainment)

Treffen sich drei Oscar-Preisträger. Nein, das wird kein schlechter Witz, sondern ein guter Film über alternde Gangster - mit Christopher Walken, Alan Arkin und Al Pacino. Gerade aus dem Knast entlassen, will Val erstmal die Sau rauslassen, zur Not auch mit Viagra. Was er noch nicht weiß: Kumpel Doc soll ihn umlegen.

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Die Zeit im Knast war lang - drum geht's erstmal ins Bordell.

(Foto: Universum Home Entertainment)

"Du siehst scheiße aus!" - "Und Du erst." Ja, alte Freunde darf man so begrüßen. Vor allem, wenn sie gerade nach 28 Jahren aus dem Gefängnis entlassen werden. Valentine, genannt Val (Al Pacino), hat gesessen, wegen Mordes. Und draußen hat er nicht mehr viele Freunde. Nur sein alter Kumpan Doc (Christopher Walken) wartet da auf ihn.

Nun ja, die Freiheit will genossen werden. Deshalb geht's erst mal in den Puff von Wendy (Lucy Punch, die Nervensäge aus "Bad Teacher"). Da Val nun aber in die Jahre gekommen ist und nicht mehr alles so läuft, wie er es sich wünschen würde, ist man schnell wieder draußen. Freilich nur, um in eine Apotheke einzubrechen. Nach einer Überdosis Potenzpillen geht’s stocksteif wieder zum Puff, dann in eine Bar, wo Val ein Tänzchen wagt und sich eine Linie Bluthochdruckmittel reinzieht, und dann direkt ins Krankenhaus - der Pillenmix war wohl doch zu viel.

Der Weg in die Nacht

Aber jemand wie Val lässt sich dadurch ja nicht unterkriegen. Nur dämmert es ihm irgendwann, dass da etwas nicht stimmt. Und richtig: Doc hat von Gangsterboss Claphands (Mark Margolis, "Breaking Bad") den Auftrag, Val zu töten. Schließlich hat dieser einst den einzigen Sohn des Bosses umgebracht. Doch Doc würde sein eigenes Leben aufs Spiel setzen, wenn er den Auftrag nicht erfüllt. Bis 10 Uhr früh am Folgetag hat er noch Zeit, die Handlanger von Claphands sind ihm schon auf den Fersen.

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Claphands kennt kein Pardon: Er will den Kopf von Val.

(Foto: Universum Home Entertainment)

Doch statt sich nun den Kopf zu zerbrechen, beschließen Val und Doc, einen draufzumachen. Flugs wird Kumpan Richard (Alan Arkin, "Argo") aus dem Altenheim befreit und man macht sich mit dem gestohlenen Luxusschlitten brutaler Gangsterbrüder auf den Weg in die Nacht. Das heißt: Erst mal geht's nochmal ins Bordell.

Kaum zu glauben, aber hier treffen drei Oscar-Preisträger aufeinander. Pacino erhielt ihn (nach etlichen Nominierungen) für seine Hauptrolle in "Der Duft der Frauen", Walken und Arkin für ihre Nebenrollen in "Die durch die Hölle gehen" und "Little Miss Sunshine". Und alle drei machen ihre Sache ziemlich gut, was man angesichts der langen Karrieren ja nicht von jedem ihrer Streifen behaupten kann. Doch trotz dieser hochkarätigen Besetzung, die durch tolle Nebendarsteller ergänzt wird, hat es der Film von Regisseur Fisher Stevens nicht in die deutschen Kinos geschafft.

Drei sympathische Gauner

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"Stand Up Guys" ist bei Universum erschienen, Laufzeit: 95 Min., Extras: Interviews, B-Roll, Musikvideo

Dabei sind Filme mit älteren Stars, die es meist gleich im Paket gibt, gerade sehr beliebt. Da gibt es Actionstreifen wie "R.E.D. - Älter, Härter, Besser" oder "The Expandables", Komödien wie "Best Exotic Marigold Hotel" und Dramen wie "Saiten des Lebens", wiederum mit Walken.

Aber vielleicht passt "Stand Up Guys" einfach zu wenig in eine Schublade. Er ist in erster Linie ein Gangsterfilm, behandelt aber auch Themen wie Freundschaft und Vertrauen, dreht sich um Familienkonflikte und natürlich nicht zuletzt um das Alter seiner Protagonisten. Daraus zieht der Film seinen Charme und seinen Witz - das gilt vor allem für die Bordellszenen, auch wenn die Grenze zum Kalauer hier und da überschritten wird. Die Hauptdarsteller wirken einfach sympathisch, egal, wie viel Dreck sie am Stecken haben.

Daneben zeigt der Film aber auch, dass man nach 28 Jahren im Knast vor dem Nichts steht, Party hin oder her. Diese leisen Untertöne geraten angesichts von Schießereien und Verfolgungsjagden zwar in den Hintergrund, aber sie wirken nach.

Allerdings führt das Alter der Hauptfiguren auch dazu, dass das Tempo des Films etwas gemächlich ist. Vor allem der erste Teil zieht sich etwas in die Länge und hat ein paar Hänger. Mit Richard an Bord zieht das Tempo allerdings nochmal an, was dem Film sehr guttut. Zum Vergnügen trägt dann auch noch der gelungene Schluss bei. "Stand Up Guys" ist ein überzeugender, sehr sehenswerter Film mit drei herausragenden Schauspielern.

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Quelle: ntv.de