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Brahms im Doppelpack Hélène Grimaud spielt mit Gegensätzen

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Grimaud gehört zu den weltweit bekanntesten Pianistinnen.

(Foto: Mat Hennek DG)

Auf ihrem neuen Album "Brahms Concertos" nimmt die Pianistin Grimaud den Zuhörer mit auf eine emotionale Achterbahnfahrt und ergründet das Brahmsche Universum zwischen feuriger Leidenschaft und rückblickender Nostalgie. Und hat dabei etwas mit dem Komponisten gemeinsam.

Das Publikum der ersten Aufführungen im Jahr 1859 war enttäuscht: So hatte es sich das erste Klavierkonzert des 25-jährigen Johannes Brahms nicht vorgestellt. Es war keines der damals üblichen Virtuosen-Stücke, bei dem die Pianisten ihre bravouröse Fingerfertigkeit unter Beweis stellen konnten, sondern es folgte dem strengen Aufbau einer Symphonie. Und nicht nur das, die musikalischen Gedanken seien fürchterlich verarbeitet: "Theils werden sie mit Gewalt ausgerenkt, daß ihnen die armen Glieder knacken, theils wird ihnen die Brust zusammengeschnürt, daß sie nur mit Mühe athmen können," schrieb ein Kritiker.

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(Foto: Mat Hennek DG)

Das anfängliche Fremdeln der Zeitgenossen mit dem visionären Wurf des Komponisten ist heute großer Begeisterung gewichen. Das d-Moll-Werk ebenso wie das zweite Klavierkonzert in B-Dur, das Brahms erst 22 Jahre nach der Entstehung des ersten komponierte, dürfen in keiner Programmplanung großer Konzerthäuser fehlen und gehören zu den packendsten Werken für Klavier und Orchester, die je geschrieben wurden. Und sie könnten unterschiedlicher nicht sein, diese Werke aus der Feder des jungen und des alten Brahms'.

Hélène Grimaud hat sich der beiden Werke jetzt auf ihrem neuen Album "Brahms Concertos" angenommen. Besonders das erste Klavierkonzert habe sie sofort in seinen Bann gezogen, bekennt Grimaud. Die Komposition fällt in für Brahms sehr aufwühlende Jahre: Das Leben seines Mentors Robert Schumann neigte sich nach einem Selbstmordversuch und der Einweisung in eine Heilanstalt seinem Ende zu; gleichzeitig verzehrte der junge Brahms sich in leidenschaftlicher Verehrung nach Schumanns Ehefrau Clara. "Brahms persönliche Gedanken und Gefühle bestimmen das gesamte Stück", ist sich Grimaud sicher.

Mal "feurig romantisch", mal "vom Leben gezeichnet"

Für die französische Pianistin ist dieses d-Moll-Konzert "tiefgründig, feurig, romantisch,  eine eigene in sich geschlossene Welt, man hat den Eindruck, als habe Brahms es in einem einzigen leidenschaftlichen Schaffensrausch aufs Papier geworfen." Das zweite Klavierkonzert hingegen habe einen "sehnsüchtig-nostalgischen Zug", findet Grimaud, dort spreche der "zerfurchte, grüblerische Brahms, vom Leben gezeichnet, aber ein Meister".

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Die Doppel-CD kostet 14,99 Euro und ist bei Deutsche Grammophon erschienen.

Lange haderte Grimaud mit dem zweiten Klavierkonzert - und ließ fast genauso viel Zeit verstreichen wie Brahms zwischen der Komposition der beiden Werke, bis sie sich an das B-Dur-Konzert heranwagte, das anders als das stürmisch-wilde erste Klavierkonzert einen intimeren Charakter hat. Das Klavier bildet den Dreh- und Angelpunkt dieses Werkes und tritt mit einzelnen Orchestermusikern in einen fast kammermusikalischen Dialog.

Zusammen mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (erstes Klavierkonzert), den Wiener Philharmonikern (zweites Klavierkonzert) und dem Dirigenten Andris Nelsons nimmt Grimaud den Zuhörer mit auf eine emotionale Achterbahnfahrt. Ihrem Markenzeichen, dem etwas eigenwilligen Stil, bleibt sie dabei treu. An einigen Stellen erstaunt die Interpretation allerdings mit einem ungewohnt behäbigen Tempo.

Wer Klaviermusik liebt und die Musik der Romantik nicht als pure Gefühlsduselei abtut, der kann von diesen zwei Konzerten nicht genug bekommen - und wird sich freuen, dass Grimaud mit ihrem Album den bisherigen Aufnahmen eine weiter hörenswerte hinzugefügt hat.

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Quelle: n-tv.de