Kino

Wish I Was Here Lachen mit Kloß im Hals

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Viele praktische Haushaltstipps - Sex auf der laufenden Waschmaschine - gibt's auch.

(Foto: dpa)

Ein Film wie das wahre Leben - vielleicht ein klitzekleines bisschen zu süßlich an manchen Stellen, an vielen dafür umso authentischer. Zack Braff hat einen Film über die Liebe in allen Varianten gedreht, der einfach warm ums Herz macht.

Neue Wege gehen, ohne Studiobosse, die einen in der Kreativität einschränken, aber auch ohne finanzielle Sicherheit - Zach Braff bewies viel Mut mit der Entscheidung, seinen Nachfolger zu "Garden State" (2004) via Crowdfunding zu finanzieren. "Variety" zufolge spendeten über 46.000 Unterstützer beim Portal Kickstarter insgesamt 3,1 Millionen US-Dollar. Zehn Jahre nach seinem Debüt auf dem Regiestuhl schuf er gemeinsam mit seinem Bruder Adam auf diese Weise einen Film, der atmosphärisch fast deckungsgleich zu dem Vorgänger ist. Wieder ist der mittlerweile 39-Jährige ein erfolgloser Schauspieler, der es einfach nicht schafft, erwachsen zu werden, und wieder zwingt ihn ein persönlicher Schicksalsschlag dazu, genau das zu tun. Dass man sich während seines Wandels aber nicht langweilt, quasi "Garden State 2.0" zu sehen, ist vor allem den bezaubernden Nebenfiguren zu verdanken.

Nur ein weiterer Schauspieler

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Wer ist hier wohl der größte Kindskopf?

(Foto: dpa)

Aidan (Braff), seine Frau Sarah (Kate Hudson) und deren zwei Kinder haben es nicht leicht. Als verzweifelter Schauspieler ohne Job macht Aidan schlichtweg alles, um seinen Traum von der großen Karriere zu erfüllen - auch wenn das bedeutet, dass seine bessere Hälfte ganz alleine die Brötchen verdienen muss und er sogar bei Castings für afroamerikanische Rollen antanzt. Den einzigen Beitrag für die Haushaltskasse scheint er durch sein exzessives Fluchen zu erbringen, das das "Fluch-Sparschwein" prallgefüllt auf dem Kühlschrank thronen lässt. Seine großzügige Freizeit nutzt er dagegen, um den kindischen Tagträumen von sich als "Space-Knight" nachzukommen.

Doch vor einer Wahrheit kann auch er nicht entfliehen: Die Krebserkrankung seines Vaters Gabe (Mandy Patinkin) ist wieder ausgebrochen, Metastasen im gesamtem Körper machen eine erfolgversprechende Behandlung unmöglich. Gabe wird sterben und für seine letzte Zeit auf Erden braucht er sein Erspartes. Daher kann er auch nicht weiter für die Schulkosten seiner Enkel aufkommen. Um die Zeit bis zum Schulanfang auf einer staatlichen Einrichtung zu überbrücken, beschließt er, den Nachwuchs zu Hause zu unterrichten - doch stattdessen bekommt er von ihnen den Sinn des Lebens beigebracht.

Am Kitsch vorbeigeschrammt

"Wish I Was Here" ist ein rührender Film, der manchmal in die Rührseligkeit abrutscht. Braff weiß als Regisseur genau, welche Knöpfe er zu drücken hat, damit sich im Hals des Zuschauers ein Kloß bildet. Sentimentale Musik, bedeutungsschwangere Dialoge und der drohende Abschied eines vielleicht nicht immer einfachen, aber dennoch geliebten Menschen: Manchmal übertreibt es das Braff'sche Brüderpaar ein wenig mit der forcierten Emotions-Erzeugung im Zuschauer, versucht zu sehr, mit der Brechstange für glasige Augen zu sorgen.

Dass der Film dennoch funktioniert und nicht in Kitsch abgleitet, ist mit Abstrichen Braff selbst, vor allem aber den hervorragenden Nebendarstellern zu verdanken, allen voran Patinkin als krebskrankem Vater. Der Schauspieler, bekannt aus der Serie "Homeland" , ist in jeder Szene präsent, selbst als er mit dem Tode kämpft. Die vielleicht kraftvollste Szene spielt am Krankenbett von Gabe, in der Braff überhaupt nicht vorkommt. Patinkin unterhält sich darin mit Aidans Frau Sarah über seine Rolle als Vater und dass er seine Liebe zu seinen Söhnen nie wirklich zeigen konnte. Schwer zu sagen, wer hier wem die Show stiehlt.

Etwas Schatten und viel Licht

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Ein bisschen Big Bang Theory kann nie schaden ...

(Foto: dpa)

Josh Gad als Aidans Bruder Noah kann ebenfalls überzeugen, selbst wenn es ihm seine Rolle erst ganz zum Schluss gewährt. Zuvor ist er leider zu sehr das Klischee des Supernerds, der als sozialer Einsiedler in seinem Wohnwagen haust und sich nur mit der Aussicht auf einen originalverpackten Lego-Todesstern dazu bereiterklärt, den Babysitter für seine beiden Neffen Grace und Tucker zu spielen. Apropos: Die 15-jährige Joey King, die Grace spielt, ist in ihrer Verwandlung von der biederen Musterschülerin hin zum lebensfrohen Teenie ausgezeichnet besetzt und geht einem (für Kinderrollen meist untypisch) nicht auf die Nerven.

Braff beherrscht den Wechsel zwischen Humor und Tragik. Schnell könnte ein Film mit der Thematik von "Wish I Was Here" zu melancholisch und schwermütig werden. Kleinere Gags, um die Stimmung aufzuheitern sowie charmante Gastauftritte von Donald Faison ("Scrubs") und Jim Parsons ("Big Bang Theory") retten die eine oder andere Szene. "Wish I Was Here" ist in allen Belangen der geistige Nachfolger von "Garden State" - mit all seinen Vor- und Nachteilen.

"Wish I Was Here" läuft seit dem 9. Oktober in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de, soe/spoton