Kino

Wahre Liebe ist das Kostbarste "Sex and Zen - Extreme Ecstasy" in 3D

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Wei und Yuxiang: Wahre Liebe ist das Kostbarste auf der Welt - aber das müssen sie erst lernen.

(Foto: Capelight)

Chinesische Filme sind bekannt für ihre opulente Ausstattung. Das gilt auch für "3D Sex and Zen". In Asien so erfolgreich wie James Camerons "Avatar", ist er der erste 3D-Erotikfilm der Welt überhaupt - und alles andere als ein Porno.

Was den Deutschen der "Schulmädchen-Report" und den Franzosen ihre "Emmanuelle", ist den Chinesen die "Sex and Zen"-Reihe. Sie basiert auf Erzählungen aus dem Mittelalter und kann deshalb von sich behaupten, tief in der chinesischen Kultur verwurzelt zu sein. Seit Jahren gibt es Filme dazu. Im April 2011 feiert "Sex and Zen - Extreme Ecstasy" in Hongkong Premiere. Das Besondere daran: Er ist in 3D und damit der erste dreidimensionale Erotikfilm der Welt.

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Die "Sex and Zen"-Reihe ist in China das, was der "Schulmädchen-Report" in Deutschland ist.

(Foto: Capelight)

Und dass "Sex sells" keine hohle Phrase ist, beweist er auch gleich noch: In Hongkong (auf dem chinesischen Festland landet der Film auf dem Index) erleben die Kinos einen regelrechten Ansturm: Mehr als 200.000 Zuschauer kommen allein am Starttag. Seitdem kann sich der Streifen zudem rühmen, es mit James Camerons Oscar-prämierten 3D-Meisterwerk "Avatar" aufgenommen - und auch bestanden zu haben. Ein Start-Einspielergebnis von 2,78 Millionen Hongkong-Dollar gegenüber etwa 2,5 Millionen Hongkong-Dollar von "Avatar" ist der Beweis. "In Asien so erfolgreich wie 'Avatar'" prangt dann auch auf der nun in Deutschland auf den Markt gekommenen DVD.

Kein Film für Alice Schwarzer

Dass der Film überhaupt hierzulande erscheint (die FSK hat ihn laut Verleiher Capelight in zweiter Instanz ungekürzt freigegeben), liegt wohl auch daran, dass die Grenzen zwischen Erotik und Porno im Allgemeinen fließend sind. Was der eine noch für erotisch hält, ist für den anderen bereits abartig und weit jenseits der Scham- und Schmerzgrenze. Die Kritiken zu "3D Sex and Zen" fallen entsprechend aus. Vor allem das darin gezeigte sehr altbackene Frauenbild stößt auf Unverständnis. Alice Schwarzer sollte den Film auf jeden Fall besser nicht anschauen.   

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Opulente Ausstattung und Schauspieler mit "zu schön um wahr zu sein"-Ästhetik - das ist "3D Sex and Zen".

(Foto: Capelight)

Zugutehalten muss man dem Film seine opulente Aufmachung und märchenhafte Inszenierung. Er ist ein klassischer Hongkong-Fantasy-Streifen. Es gibt Martial-Art-Kunststücke, Special Effects vom Feinsten, bunte Kostüme und die typischen prunkvoll überladenen Paläste, dazu noch Dungeons - und auch jede Menge Humor. Der landet aber zugegebenermaßen häufig unterhalb der Gürtellinie.

Ein weiterer Pluspunkt sind die Schauspieler. Sie erinnern in ihrer Überdrehtheit und in ihrer "Zu schön um wahr zu sein"-Ästhetik irgendwie an die klassischen Bollywood-Charaktere. Die Frauen sehen aus, als wären sie gerade frisch dem Playboy entsprungen.

Lange Reise zu sich selbst

Dazu gibt es auch noch eine Handlung und eine Botschaft. Ja, Sie lesen richtig. Beides mag zwar recht banal sein, aber zumindest gibt es sie: Der junge Gelehrte Wei Yangsheng sieht die wunderschöne Yuxiang. Es ist Liebe auf den ersten Blick und ratzfatz heiraten sie. Die Frischverliebten treffen auf ihrer Hochzeit ein altes Ehepaar, das seit über 70 Jahren glücklich verheiratet ist. Ihr Geheimnis ist so simpel wie schwierig: wahre Liebe. Wei verfährt eher nach dem Motto: Liebe machen ist Liebe erhalten. Dumm nur, dass er nicht allzu gut ausgestattet ist.

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Wei ist im "Pavillon" angekommen.

(Foto: Capelight)

Also macht er sich auf zum "Pavillon der ultimativen Glückseligkeit", dem Palast des Prinzen Ning. Der nimmt Wei auf und er lernt allerlei Sonderbares kennen: ein Blut schwitzendes Pferd, einen weißhaarigen 23 Jahre alten Mathematiker, der die Erde für eine Kugel hält und natürlich jede Menge zusammengeklaubte, uralte Artefakte. Zudem wird Wei der schönsten Frau der Welt vorgestellt, deren Äußeres perfekt in Form und Symmetrie ist und damit im absoluten Gegensatz zu ihrem bitterbösen und abgrundtief hässlichen Inneren steht.

Liebe ist …

Als Wei dann auch noch ein Zwitterwesen zu Gesicht bekommt, fällt es ihm wie Schuppen von den Augen: Sein Penis ist zu klein, um Frauen befriedigen zu können. Er trennt sich schweren Herzens von seiner großen Liebe Yuxiang und will zudem ein neues bestes Stück. Bei der Operation geht natürlich etwas schief und statt eines Pferde-Penis‘ bekommt er den eines Esels. Egal, der Zweck heiligt die Mittel, im wahrsten Sinn des Wortes. Als er eines Nachts mit zehn Frauen gleichzeitig schläft, zeigt Prinz Ning, der ihn dabei beobachtet, sein wahres Gesicht.

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Erotik oder Porno? Das ist eine Glaubensfrage.

(Foto: Capelight)

Weis Besuch in seinem Palast ist von langer Hand geplant gewesen, weil Wei ihn vor einiger Zeit beleidigt hat. Der Prinz sinnt seitdem auf teuflische Rache: Wei wird gefangen genommen, seine Ex-Frau ist indes von einem Wanderarbeiter, einem Dolche werfenden Schergen Nings, vergewaltigt worden. Sie erfährt von Weis Schicksal und kommt in Nings Palast, um um Gnade für ihren Ex-Mann, den sie noch immer liebt, zu bitten. Ning lässt daraufhin auch sie gefangen nehmen.

Während Wei entmannt oder besser "enteselt" wird, erhält Yuxiang einen eisernen Keuschheitsgürtel, dessen einzigen Schlüssel der Prinz im Feuer vernichtet. Erst jetzt merken Wei und Yuxiang, was das alte Ehepaar auf ihrer Hochzeit mit "wahrer Liebe" gemeint hat: Wahre Liebe kann ihre Erfüllung auch in Enthaltsamkeit finden.

DVD mit umfassendem Making of

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"3D Sex and Zen - Extreme Ecstasy" ist bei Capelight erschienen.

(Foto: Capelight)

"3D Sex and Zen - Extreme Ecstasy" von Regisseur Christopher Sun ist im Director’s Cut 15 Minuten länger als in der normalen Kinofassung und kommt damit auf rund 125 Minuten. Der Film hat seine Längen. Sie werden aber durch unzählige "Was zum Teufel war das denn gerade?"-Momente mehr als aufgehoben. Der Film ist kein Porno, aber auch kein reiner Erotikstreifen. Fantasy, Martial Art, Märchen, Herz-Schmerz, Komödie - alles ist vertreten und in 3D.

Nun mag man über den Sinn von dreidimensionalen Filmen streiten, den "weltweit ersten Erotikfilm in 3D" sollte man aber schon gesehen haben. 

Quelle: ntv.de