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Scooter müssen nicht rumsen, die Songs der Band funktionieren auch auf dem Klavier.
Scooter müssen nicht rumsen, die Songs der Band funktionieren auch auf dem Klavier.(Foto: imago/Future Image)
Freitag, 05. Januar 2018

Interview zu 25 Jahren Scooter: Aus Rumms-Rumms-Techno wird Hochkultur

Ende der Achtziger gab Hans Peter Geerdes - besser bekannt unter dem Namen H.P. Baxxter - eine Zeitungsannonce auf: "Sänger sucht Keyboarder". Dass er damit den Grundstein für eine lange Karriere legen würde, hätte der gebürtige Ostfriese sich damals nicht träumen lassen. 1993 gründete er Scooter, ein Jahr später gelang der Band mit "Hyper Hyper" der große Durchbruch. Für ihren Rumms-Rumms-Kirmes-Techno mussten Scooter viel Häme einstecken - und trotzdem sind sie mit über 30 Millionen verkauften Tonträgern eine der erfolgreichsten deutschen Bands. Zu ihrem 25. Jubiläum haben sie sich nun etwas Besonderes einfallen lassen: Echo-Klassik-Gewinnerin Olga Scheps hat elf Scooter-Songs auf dem Piano eingespielt. Mit n-tv.de spricht H.P. Baxxter über Hochkultur, Rockstarallüren und den Umgang mit schlechter Kritik.

n-tv.de: H.P., wie war das, Songs von Scooter zum ersten Mal auf dem Piano zu hören?

Dank Pianistin Olga Scheps gibt es Scooter-Tracks jetzt in der Klassik-Version.
Dank Pianistin Olga Scheps gibt es Scooter-Tracks jetzt in der Klassik-Version.(Foto: Sheffield Tunes Classics)

H.P. Baxxter: Mich hat das echt berührt! Ich hatte mich vorher schon gefragt, ob eine Pianistin mit Scooter überhaupt etwas anfangen kann. Umso begeisterter bin ich von dem Ergebnis. Ich habe die Schallplatte mit nach Hause genommen, auf den Plattenspieler gelegt und es genossen. Dabei habe ich das Buch durchgeblättert, das genau wie die CD zu unserer Jubiläums-Box gehört - vom ersten Scooter-Pressefoto bis zu Bildern von heute. Im alltäglichen Trubel nimmt man ja gar nicht wahr, wie lange das schon geht. Aber in dem Moment wurde ich echt melancholisch. Die Songs sind toll arrangiert und richtig gefühlvoll.

Kannst du mit Klassik etwas anfangen?

Auf jeden Fall. Ich bin zwar kein Experte und höre auch nicht jeden Tag Klassik, aber ich habe das schon früh, zum Beispiel im Musikunterricht in der Schule, mitbekommen und mich damit beschäftigt. Was mich damals sehr interessiert hat, war Original und Bearbeitung. Zum Beispiel haben Emerson, Lake and Palmer Mussorgskis Klavierzyklus "Bilder einer Ausstellung" mal in Rockmusik umgesetzt. Und Deep Purple haben 1969 ein Konzert in der Royal Albert Hall mit Orchester gegeben. Das habe ich heute noch auf Vinyl. Ich habe auch immer gerne Orgelwerke von Bach gehört. Nur an die Oper musste ich mich erst gewöhnen - das war mir manchmal zu komplex.

Olga Scheps spielt sonst Chopin. Wurde deine Kompositionskunst all die Jahre unterschätzt? Sind Scooter-Songs tatsächlich Hochkultur?

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Ich weiß nicht … Manchmal ist das vielleicht eher eine Sache von Unverständnis: Wenn man etwas nicht versteht, sagt man schnell: "Das gefällt mir nicht". Ich kann das den Leuten nicht mal verübeln - mir ging es mit der Oper ja auch so. Was ich eher unangenehm finde, ist, wenn eine Meinung kritiklos übernommen wird. Einer sagt, dass etwas Schrott ist, und alle schießen sich drauf ein. Bis jemand vom Feuilleton plötzlich schreibt, dass es doch gar nicht so schlecht ist und alle ihre Meinung ändern. Wie eine Schafherde (lacht). Die Band The KLF hat deshalb mal eine Pressekonferenz vor einer Schafherde abgehalten. Ernsthaft, als Inszenierung. Ich fand das wahnsinnig cool.

So erfolgreich Scooter auch waren: Für deine Musik musstest du im Laufe der Jahre viel Häme einstecken. Macht dir Kritik noch etwas aus?

Nein, auch früher hat mich das nicht wirklich berührt. Es war eher nervig, wenn immer wieder dieselben Sprüche kamen. Du kommst von der Bühne, die Stimmung war super und am nächsten Tag steht in der Zeitung, dass es der letzte Schrott war. Ich habe mir dann oft gedacht: Die waren gar nicht da! (lacht) Mich hat das aber immer eher angestachelt. Nach dem Motto: jetzt erst recht! Im Endeffekt hat es mir Kraft gegeben. Ich denke, wenn man von allen hochgejubelt wird, ist der Druck noch viel größer.

Du bist jetzt 53 Jahre, Scooter gibt es fast die Hälfte deines Lebens. An welche Momente denkst du besonders gerne zurück?

H.P. Baxxter (M.) ist nun bereits fast sein halbes Leben lang mit Scooter erfolgreich.
H.P. Baxxter (M.) ist nun bereits fast sein halbes Leben lang mit Scooter erfolgreich.(Foto: imago/United Archives)

Die Anfangszeit, als der Erfolg kam, war schon sehr prägend. Das Leben ist von einem Tag auf den nächsten ein anderes gewesen. Nach dem Abitur habe ich ein bisschen herumstudiert und eine Ausbildung gemacht, aber nebenbei immer in irgendwelchen Kellern gesessen, Musik gemacht und daran geglaubt, dass es ich es eines Tages schaffe. Rick und ich hatten ja vorher schon acht Jahre eine andere Band. Nach so langer Zeit mit Scooter dann in den Charts aufzutauchen, war irre.

Weil man es Schwarz auf Weiß hatte?

Ja, und es ging dann ja weiter mit Gold- und Platinauszeichnungen. So toll wie bei der ersten Goldenen Schallplatte wird das Gefühl nie wieder. Irgendwann gewöhnt man sich dran. Deswegen waren unsere Anfänge eine sehr intensive Zeit. Toll war aber auch, als unsere Konzerte größer wurden. Früher waren das ja eher Diskotheken-Auftritte, nichts Spektakuläres. Aber wir haben das immer weiter ausgebaut. Ich weiß noch, wie wir das erste Mal im HSV Stadion aufgetreten sind - das war ein Gefühl! Da ging mir wirklich die Düse.

Hattest du schon früh den Wunsch Musik zu machen?

Ich habe tatsächlich schon in der Schule angefangen. Meinen ersten Gitarrenunterricht hatte ich bei meiner Oma: deutsche Volkslieder. Irgendwann habe ich dann eine E-Gitarre bekommen. Mit 13 hatte ich die erste Schülerband und zwei Jahre später habe ich die Schule komplett vernachlässigt, weil ich Rockstar werden wollte.

Wie wurde aus dem Rockgitarristen ein Techno-Sänger?

Auf Heavy Rock folgte einst New Wave, heute ist H.P. Baxxter (hier mit seiner Freundin Lysa Geller) sogar zum Klassik-Echo geladen.
Auf Heavy Rock folgte einst New Wave, heute ist H.P. Baxxter (hier mit seiner Freundin Lysa Geller) sogar zum Klassik-Echo geladen.(Foto: imago/Future Image)

Kurz nach dem Abitur hat sich mein Geschmack radikal geändert, von Heavy Rock zu New Wave. Damals ging das los mit Depeche Mode, Soft Cell, The Cure und Simple Minds. Ein Keyboard konnte ich mir aber nicht leisten. Außerdem dachte ich, bis ich das gelernt habe, ist der Trend wieder vorbei. Also habe ich eine Zeitungsannonce geschaltet: Sänger sucht Keyboarder. Dabei hatte ich zu dem Zeitpunkt noch nie ein Mikrofon in der Hand gehabt.

Hat ja trotzdem ganz gut geklappt.

Zum Glück kam es bei den New Wave Sachen nicht darauf an, jeden Ton zu hundert Prozent zu treffen. Das Gefühl war wichtig. Marc Almond zum Beispiel habe ich immer geliebt, aber selbst auf seinen Plattenaufnahmen sind ein paar echt schiefe Töne. Ich hatte immer Probleme mit der Intonation, aber das Gefühl und der Druck waren richtig. Das Shouten habe ich von den MCs übernommen. In Hannover, wo ich damals lebte, waren noch die Engländer stationiert und wenn bei einem Rave ein englischer DJ aufgelegt hat, hatte der immer einen MC dabei, der im Freestyle zu der Musik etwas erzählt oder die Leute angefeuert hat. Irgendwann bin ich auf die Idee gekommen, das auch auf CD zu machen.

25 Jahre später gibt es Scooter immer noch. Was treibt dich noch an?

Zum einen geben mir die Konzerte unheimlich viel. Ich bin auch gerne unterwegs. Wenn das nicht mehr wäre und ich nur zu Hause sitzen würde, wäre mir nach drei bis vier Wochen ziemlich langweilig. Das ist ein Bestandteil meines Lebens geworden, den ich nicht missen möchte - selbst wenn es manchmal stressig ist. Ich liebe auch das Gefühl im Studio, wenn man merkt, dass etwas gut wird. Ich wüsste nicht, was ich sonst machen sollte. Mein Jugendtraum hat sich erfüllt, ich käme gar nicht auf die Idee, aufzuhören.

Was machst du, wenn du nicht mit Scooter beschäftigt bist?

Mag alte Autos und Antiquitäten: H.P. Baxxter.
Mag alte Autos und Antiquitäten: H.P. Baxxter.(Foto: imago/Future Image)

Mein Hobby sind ja alte Autos. Dieses Jahr bin ich mit meiner Freundin nach Schottland gefahren, in einem Bentley von 1966. Es ging durch die Highlands und nach Loch Ness - das war schon bewegend. Ich habe auch eine Oldtimer Rallye durch Mecklenburg-Vorpommern gemacht. Ansonsten beschäftige ich mich gerne mit meinem Haus und meinem Garten. Ich habe eine alte Villa und interessiere mich für Antiquitäten. Hin und wieder gehe ich auf Auktionen und gucke nach alten Gemälden und Uhren. Ich habe mehrere Standuhren aus England aus dem 19. Jahrhundert. Wenn man bei mir zu Hause ist, denkt man, man wäre mit einer Zeitmaschine 120 Jahre in die Vergangenheit katapultiert worden. Das einzige Modernere ist ein Fernseher, aber selbst der steht relativ versteckt. Ich finde das toll, mir hilft diese Umgebung beim Runterfahren.

Du wohnst in Wohldorf-Ohlstedt, einem recht dörflichen Stadtteil im Nordosten Hamburgs. Brauchst du die Ruhe?

Ich liebe die Großstadt und könnte mir nie vorstellen, richtig auf dem Land zu leben. In Ostfriesland, wo ich herkomme, war es mir immer zu eng und zu klein. Aber trotzdem bin ich sehr naturverbunden. Der Ortskern von Wohldorf-Ohlstedt sieht noch aus wie vor 100 Jahren, da steht eine alte Kupfermühle, es gibt Pferde, Weiden und Wald. Das ist eine wunderschöne idyllische Umgebung, wo ich morgens einfach die Tür aufmachen und im Wald joggen kann.

Das klingt nicht gerade nach Rock'n'Roll. Du wurdest mal als konservativer Rebell bezeichnet. Welche von beiden Seiten überwiegt?

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Gute Frage! Ich würde sagen: mal so, mal so. Ich habe auf jeden Fall beides in mir und ich glaube, das rettet einen auch davor, völlig abzudrehen. Gerade als ich noch jünger war und es mit dem Erfolg losging. Ich finde aber schon Inspiration in den Rockstars der frühen Siebziger, die es ja sehr opulent mochten, mit Pelzmänteln und Rolls Royce. Ein bisschen übers Ziel hinaus.

Hast du mal einen Fernseher aus dem Fenster geworfen?

Zweimal in meiner ganzen Karriere. Das eine Mal war in Lillehammer, wo wir auf einem Festival spielen wollten. Vor uns waren die Leute von Jackass dran und haben das Publikum aufgefordert, sie mit allem Möglichen zu beschmeißen. Als wir danach auf die Bühne kamen, haben die Leute nicht begriffen, dass es vorbei war, und die Sachen flogen immer weiter. Hier ein Becher, da ein Glas. Wir mussten unseren Auftritt abbrechen und ich war total genervt. Als ich wieder im Hotelzimmer war, habe ich dann dieses Klischee bedient. Fenster auf, raus und bumm (lacht). Was ich nicht wusste: Unser Keyboarder Jay hatte das Zimmer im Erdgeschoss und hat den Aufschlag gehört. Das waren ja damals noch richtige Brummer. Er guckte ungläubig nach oben und meinte nur: "H.P., warst du das?"

Das Gespräch führte Nadine Wenzlick

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Ab Februar sind Scooter in Deutschland auf Tour:
15.02.2018 Berlin, Velodrom
16.02.2018 Hamburg, Barclaycard Arena
17.02.2018 Düsseldorf, Mitsubishi Electric Hall
19.02.2018 Zürich, Hallenstadion
20.02.2918 Gasometer, Wien
23.02.2018 Rostock, Stadthalle
24.02.2018 Stuttgart, Porsche Arena
25.02.2018 Stuttgart, Porsche Arena
26.02.2018 München, Zenith
17.08.2018 Hamburg, Trabrennbahn
18.08.2018 Dresden, Elbufer

Quelle: n-tv.de