Musik

Jennifer Lopez bittet zum Tanz Aus der Bronx nach Brasilien

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Jennifer Lopez weiß, wie sie sich am besten präsentiert.

Die Haare im Wind, die Hände gen Himmel und der Popo am Wackeln: Jennifer Lopez präsentiert sich auch auf ihrem neunten Album als nimmermüde Dancing-Queen für partyhungrige Mainstream-Seelen.

Es gibt wahrlich nicht viele Künstler, die sowohl im Kino- als auch im Musik-Business große Spuren hinterlassen. Jennifer Lopez ist eines dieser Multitasking-Phänomene. Seit Jahrzehnten klebt der Erfolg wie eine vergoldete UHU-Tube an den hochhackigen Fersen der gebürtigen New Yorkerin mit lateinamerikanischen Wurzeln. Über 75 Millionen verkaufte Tonträger, diverse Blockbuster-Auftritte, sowie ein üppig proportioniertes Hinterteil, nach dessen Ablichtung sich jeder Klatsch- und Tratsch-Fotograf erstmal keine Sorgen mehr um die nächsten drei Monatsmieten zu machen braucht: Jennifer Lopez liefert ab - und das nun schon seit einem Vierteljahrhundert.

Dass das Produkt dabei nur sehr selten in einem Atemzug mit wirklich relevantem Kunst-Schaffen genannt wird, spielt nur eine sekundäre Rolle. Globaler Erfolg breitet sich schließlich nur schwer in verkeimten Hinterhöfen aus. Wer will, dass sein Konterfei auch nach Jahren noch in aller Herren Länder für Kreischalarm-Zustände sorgt, der darf die einst so liebevoll gepflanzte Glamour-Wurzel nicht mehr umbetten.

Jennifer Lopez hat die Mechanismen des Entertainment-Business bereits in jungen Jahren verinnerlicht. Sie verkaufte sich als das hart arbeitende Mädchen aus der Bronx, das aller Welt beweisen wollte, dass der amerikanische Traum für jeden Wirklichkeit werden kann – mit Erfolg. Allein das Debütalbum "On The 6" verkaufte sich bis zum heutigen Tage weit über fünf Millionen Mal.

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Sie hat den Erfolg gepachtet.

25 Jahre später erinnert nur noch wenig an eine Sängerin, die bis kurz vor ihrem Karrierestart noch als Aushilfskellnerin jobbte und tagtäglich mehrere Stunden gezwungenermaßen in der New Yorker U-Bahn verbrachte, auch wenn die Latin-Pop-Chanteuse heute noch gerne auf ihre unbehütete Jugend verweist.

Gala+Glamour+Charts+Popo=J.Lo

Die Tochter puerto-ricanischer Einwanderer weiß nur zu gut, warum sie auch im Jahr 2014 noch für weitaus größere Schlagzeilen sorgt, als die komplette neue Generation von High-End-Sängerinnen zusammen. Es ist die hart erarbeitete Symbiose aus Gala-Glamour und Charts-Kunst, die im Einklang mit dem zwar längst brüchigen, aber immer noch gerne präsentierten Girl-from-the-Hood-Fundament reichlich Rampenlicht garantiert.

Da ist diese leicht verruchte, aber nie zu vulgär präsentierte Attitüde der hüftschwingenden Latin-Wave-Queen aus dem New Yorker Problemviertel, die aufgepeppt mit Champions-League-Beats, massenkompatiblen Shalala-Harmonien und Gastauftritten illustrer Jet-Set-Kollegen, jeden Großraumdisko-Tempel von Tokio bis Los Angles zum Kochen bringt. Das funktionierte im Jahr 1999 und sichert der mittlerweile zweifachen Mutter auch anno 2014 wieder einen - wenn auch zeitlich begrenzten - Platz auf dem Pop-Podest.

Ein bisschen R'n'B, eine Prise Latin, etwas Hip Hop dazu und obendrauf eine wabernde Glasur aus überzuckertem Radio-Pop: Auch auf ihrem neuen, mittlerweile neunten Studioalbum "A.K.A." vertraut der Mainstream-Superstar auf altbewährte Muster. Mit der Hilfe diverser Songwriter und Produzenten, sowie der tatkräftigen Unterstützung von Kollegen wie Rick Ross, Iggy Azalea und Pitbull präsentiert Jennifer Lopez einen weiteren musikalischen Schönwetter-Meilenstein, der sich in Zeiten, in denen sich die Toyboy-Liebhaberin mal wieder mit den Schattenseiten der Zweisamkeit rumärgern muss, wie ein heilendes Kurzzeit-Pflaster auf die gepeinigte Seele der Bardin legt.

Freunde handgemachter Klangkunst mit Langlebigkeits-Garantie werden bei hibbeligen Neuzeit-Hüftschwingern à la "First Love", "I Luh Ya Papi" oder "Bootie" wahrscheinlich erwartungsgemäß in den Fremdschäm-Modus schalten. Weder das limitiere Organ der Hauptdarstellerin, noch die teilweise fast schon hyperaktiven Effekt-Spielereien im Background präsentieren sich auch nur ansatzweise in einem halbwegs organischen Gewand. Auch die ruhigen Momente des Albums ("Never Satisfied", "Let It Be Me") kommen sowohl inhaltlich wie auch klanglich nur selten über den Tiefgang eines Tauchsieders hinaus.

Der immer noch flächendeckenden Anhängerschaft der Sängerin dürften derartige Kritikpunkte aber wieder einmal am Allerwertesten vorbeigehen. Schließlich steht der Name Jennifer Lopez nicht für Gänsehaut bereitende Soundscapes der hohen Schule sondern für partytaugliches Massen-Sound-Entertainment. Da überrascht es natürlich auch nicht, dass die Latin-Pop-Queen dieser Tage sogar das von Korruptionsvorwürfen und Protestlawinen überschattete Rundleder-Großereignis in Brasilien auf Gute-Laune-Kurs hält. Ob ein Song wie "We Are One" jedoch in der Lage sein wird, die tiefen Risse zwischen frustrierten Brasilianern und machthungrigen Fußball-Offiziellen wenigsten für einen überschaubaren Zeitraum zu kitten, bleibt natürlich abzuwarten. In vier Wochen sind wir alle schlauer.  

Quelle: n-tv.de

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