Musik

"Xscape" von Michael Jackson Dieser Nachlass enttäuscht

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Jackson starb im Jahr 2009 - noch immer bringen seine Alben Millionen ein.

Top-Produzenten wie Timbaland modernisieren Archiv-Aufnahmen von Michael Jackson. Ihr Ziel ist aber keine Pop-Archäologie, sondern eine Chartposition. Doch man hört, warum der King of Pop die Aufnahmen nicht selbst veröffentlicht hat.

Als Michael Jackson 2009 starb, galt er wieder als King of Pop. Auf einen Schlag vergab und vergaß die Popwelt ihm die Skandale und Befremdlichkeiten der letzten Lebensjahre. Junge Menschen trafen sich zum Moonwalk-Flashmob, die Hits liefen wieder im Radio rauf und runter. Seinen Nachfahren hat dieser Jackson-Boom gewaltige Einnahmen beschert: Mehr als eine halbe Milliarde Dollar soll der Sänger nach seinem Tod bereits eingespielt haben.

Nun geht die Vermarktungskette weiter. Mit "Xscape" erscheint das zweite Album mit neuem Material, das nach Jackons Tod aufgelegt wird - es ist wohl nicht das letzte. Der Sänger soll etliche unveröffentlichte Aufnahmen hinterlassen haben, die sich Sony gesichert hat. "Xscape" enthält acht dieser Songs.

Oder besser gesagt: Für das Album wurden acht Jackson-Songs weiterverarbeitet. Eine musikhistorische Quellenstudie schwebt dem Musikkonzern nicht vor. Er will Jackson zurück in die Charts bringen: Timbaland und weitere Erfolgsproduzenten erhielten den Auftrag, die Songs klingen zu lassen wie zeitgenössische Hits. Von den Originalen ist dabei oft nicht mehr als der Gesang übriggeblieben. Der Unterschied lässt sich nachhören: Die Archivaufnahmen sind als Bonus der Deluxe Edition beigefügt.

Nebenprodukte statt neuer Hits

Wie viel Michael Jackson wirklich in dem Album steckt, darüber dürfen Poptheoretiker streiten. Fest steht: An die Klasse seiner zu Lebzeiten veröffentlichten Alben (zumindest bis zu "Dangerous") kommt das Werk genau so wenig heran wie das erste posthume Album "Michael" von 2010. Der Wirbel vor der Veröffentlichung war unnötig. Im Nachlass findet sich offenbar nichts, was Anlass geben würde, die Popgeschichte neu zu schreiben oder zumindest eine neue Seite von Michael Jackson zu entdecken. Die acht Songs klingen wie Nebenprodukte aus den Sessions zu seinen Studio-Alben und man ahnt, warum sie es damals nicht auf die jeweilige Platte geschafft haben. Ein unentdecktes neues "Bad" oder "Thriller" ist nicht zu finden.

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"Xscape" erscheint am 9. Mai bei Sony. Die Deluxe Edition enthält zusätzlich die Aufnahmen im Original sowie zwei Dokumentationen.

Daran ändert auch die Modernisierung nichts. Allerdings hat "Xscape" einen gewaltigen Sound. Die Produktion geht in die Vollen, mit echten und künstlichen Geigen, mit Armeen von Synthesizern mit hinzugefügtem Background-Gesang. An den wummernden Bässen hätte Jackson sicher seine Freude gehabt. In dieser Hinsicht ist dem Album der Anschluss an die Gegenwart gelungen.

Erstaunlich ist aber, dass man den Songs trotz aller Überarbeitung noch genau anhört, dass sie aus völlig unterschiedlichen Phasen von Jacksons Karriere stammen. Dadurch klingt "Xscape" eher wie eine Kompilation als wie ein Album. Zu Beginn wird man begrüßt von einem jugendlichen Michael Jackson. "Love Never Felt so Good" lässt noch den zuckrig-optimistischen Disco-Sound der Jackson Five anklingen. Das Lied, das als erste Single ausgekoppelt wird, entstand 1983 als Duett mit 60er-Jahre-Star Paul Anka ("Diana"). Für die neue Version sprang Justin Timberlake ein.

Am stärksten sind die wabbeligen Synthesizer

Doch der krasse Kontrast folgt schon im folgenden Track, in dem der gepresste Stakkato-Gesang zu hören ist, der typisch für den Jackson der 80er war. Es folgen viele weitere Brüche, bis man schließlich nach rund einer halben Stunde beim Titelsong anlangt. Dieser stammt von den Sessions zu Jacksons letztem Album "Invincible" (2001) und hätte nun wirklich im Archiv bleiben können.

Nicht, dass "Xscape" keine starken Momente hätte: Für die sorgt Jackson selbst mit einigen tollen Gesangsparts. Da wäre etwa das (leider etwas eintönige) "Slave to the Rhythm" aus den "Dangerous"-Sessions oder der stärkste Beitrag, "A Place With No Name". Den Song mit dem wabbeligen Synthesizer hat das norwegische Duo Stargate produziert, das auch hinter unzähligen Hits von Beyoncé, Katy Perry oder Rihanna steckt. Zumindest diese beiden Songs sind für die Tanzfläche geeignet. Aber auch nur, wenn gerade die echten Jackson-Hits nicht zur Hand sind.

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Quelle: ntv.de

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