Musik

Dido oder Lego? Eminems bessere Hälfte ist zurück

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Tauscht die Familie mal wieder gegen die Musik: Dido.

(Foto: BMG)

Nicht nur mit ihrem Beitrag zu Eminems "Stan" schreibt Dido Musikgeschichte. Auch ihre ersten beiden Alben gelten noch immer als Bestseller. Jetzt meldet sie sich mit "Still on Your Mind" zurück. Mit n-tv.de spricht sie über sechs Jahre Auszeit, Familie - und Lego.

n-tv.de: Seit Ihrem bis dato letztem Album "Girl Who Got Away" sind sechs Jahre vergangen. Was hat Sie so lange aufgehalten?

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Dido: Ich weiß es gar nicht. (lacht) Aber ich tauche zwischen meinen Alben immer wieder ins Leben ein. Das ist für meinen Schreibprozess wichtig: Ich beschäftige mich mit der Welt und schreibe dann Songs darüber. Und irgendwann wird daraus dann wieder ein Album. Diesmal kam noch hinzu, dass ich 2011 meinen Sohn geboren habe. Das hat mich in der Zeit natürlich am meisten beansprucht.

Sie haben sich eigentlich schon immer relativ lange Zeit für ein Album gelassen ...

Ja, aber ich nehme mir das eigentlich nie vor. Ich habe einfach einen entspannten Blick darauf, Musik zu machen. (lacht) Bei mir entsteht Musik dadurch, dass ich mit Freunden oder anderen Musikern abhänge. Ich schreibe Songs nie, nur um Songs zu schreiben, sondern wenn mir etwas so viel bedeutet, dass ich meine Gefühle dazu zum Ausdruck bringen möchte.

Sie haben Ihren Sohn schon angesprochen. War es Ihnen wichtig, sich nach seiner Geburt auf das Familienleben zu fokussieren?

Ja, total! Ich hatte ja wirklich lange getourt - neun Jahre lang. Dann war ich einige Zeit in Amerika und habe vor zehn Jahren geheiratet. Nachdem ich so viel erlebt und unternommen hatte, bedeutete es mir nun alles, ein Kind und eine Familie zu haben und mit ihr zusammen zu sein. Nach allem Großartigen, das in meinem Leben passiert ist, empfand ich das trotzdem als das Großartigste.

Waren Sie sich immer sicher, überhaupt nochmal ein Album zu machen, oder hätten Sie auch voll und ganz im Familienleben aufgehen können?

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Dido ist Mutter eines siebenjährigen Sohnes.

(Foto: BMG)

Ich könnte mich definitiv darin verlieren. (lacht) Aber ich könnte nie mit dem Songschreiben aufhören. Ich kann mich an keine Zeit erinnern, in der ich keine Songs geschrieben hätte. Ich habe damit schon als Kind angefangen. Es ist fast so, als ob ich die Welt auf diese Weise betrachte. Ich sehe mich um und sehe Songs. Das macht mich aus und wird für den Rest meines Lebens so sein. Die Frage ist nur, ob andere die Songs zu hören bekommen.

Hat sich Ihr Blick auf Ihre Karriere dadurch verändert, dass Sie jetzt Mutter sind?

Ja, in vieler Hinsicht. Eine Familie zu haben, macht alles ein bisschen entspannter. Lustigerweise arbeitet auch mein Verstand schneller: Ich komme schneller an den Punkt, an den ich gelangen möchte. Vielleicht hat das auch ein bisschen mit dem Älterwerden zu tun. Man weiß einfach schneller, was man mag und was nicht. Es hat aber auch meine Art, Musik zu machen, definitiv verändert. Weil der Fokus nicht mehr nur darauf liegt, gehe ich ungehemmter ans Werk. Musik ist nur noch etwas, das ich wirklich genieße.

Ihr Sohn ist jetzt 7. Da ist er schon in der Lage, seine Meinung zu äußern ...

Oh ja! (lacht)

Was sagt er denn zur Musik seiner Mutter?

Zum Glück gefällt sie ihm. Ich glaube ja, Kinder wären die besten Talentsucher für Plattenfirmen. Zum einen sind sie ehrlich - fast ein bisschen zu ehrlich. (lacht) Zum anderen sind sie so instinktiv. Sie hören etwas und entscheiden ganz spontan: Will ich das jetzt nochmal hören oder gehe ich lieber nach nebenan und spiele mit meinem Lego.

Ihr Sohn heißt Stanley. Aber das hat nichts mit dem Hit "Stan" von Eminem zu tun, in dem er Ihren Song "Thank You" gesampelt hat.

Nein. Der Name spukte schon in meinem Kopf herum, als ich ein Teenager war. Und auch meinem Mann gefiel er aus verschiedenen Gründen.

Das Lied "Stan" ist inzwischen 19 Jahre alt. Dennoch werden Sie sicher noch oft darauf angesprochen. Macht Sie das stolz oder nervt es Sie, dass viele bei Ihnen immer noch als erstes an diesen Song denken?

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Nein, das nervt mich überhaupt nicht. Ich liebe das Lied! Als Künstler steckt man all seine Kraft in das, was man tut - und es gibt nichts Besseres, als dann auch gehört zu werden. So viele talentierte Menschen werden nicht gehört. Mir sind zum Glück verschiedene Dinge widerfahren, die dazu geführt haben, dass meine Musik gehört wird und ich die Musik machen kann, die ich machen will. Das hat mir ein tolles Leben beschert.

Haben Sie noch Kontakt zu Eminem?

Ich habe ihn vor ein paar Jahren gesehen, als er auf einigen Festivals in England aufgetreten ist. Da rief er mich an und fragte mich, ob ich mit ihm "Stan" auf der Bühne singen würde. Ich sagte nur: "Klar!" Ich war da echt schon lange nicht mehr auf einer Bühne gestanden, niemand rechnete mit mir und ich bin einfach aufgetaucht. Das war tatsächlich ziemlich cool. (lacht)

Sie wollten Ihr neues Album "Still On My Mind" unbedingt mit Ihrem Bruder Rollo Armstrong machen ...

Stimmt, das war für mich die Voraussetzung, um es überhaupt zu machen. Alles begann erst einmal nur damit, dass ich mit meinem Bruder Zeit verbringen wollte. Wir hatten diesmal kein Label, keine Plattenfirma war beteiligt. Wir hatten wirkliche Freiheit.

Es ist ja nicht Ihre erste Zusammenarbeit mit ihm. Was macht die Konstellation so besonders?

Wir mögen einander einfach wirklich und kommen gut miteinander aus. Das war schon immer so. Wir sind richtige Freunde und haben die gleichen Werte. Ich vertraue ihm und schätze seine Meinung. Zugleich gehen wir Dinge unterschiedlich an. Ich habe es zum Beispiel wirklich genossen, in der Welt herum zu reisen. Er mag es dagegen, im Studio zu sein und wäre nicht gern auf der Bühne. Er schreibt zum Beispiel tolle Lyrics und ist ein toller Produzent, aber er spielt kein Instrument. Ich dagegen spiele alles und schreibe die Melodien. Wir ergänzen uns einfach perfekt.

Trotzdem ist es mit Geschwistern ja nicht immer einfach. Streiten Sie sich viel?

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Nach 15 Jahren geht sie auch wieder auf Tour.

(Foto: BMG)

Ich glaube, früher haben wir das mehr. Diesmal lief es ziemlich entspannt ab. Ich denke, ich bin nach all den Jahren selbstbewusster geworden. Und ich bin diejenige, die im Vordergrund agiert und mit den Leuten in Kontakt tritt, wenn es um die Musik geht. Weil er auch sehr meinungsstark ist, sind wir in der Vergangenheit schon mal aneinandergeraten, aber eigentlich nur, wenn es um Fragen der Produktion ging oder darum, ob es ein Song aufs Album schafft oder nicht.

Ihre Texte sind oft sehr persönlich, reflektieren aber auch, was um Sie herum geschieht. Wir leben in sehr stürmischen Zeiten. Ist das in das Album eingeflossen?

Ich denke schon, auf eine lustige Art und Weise: Je stürmischer die Zeiten sind, umso mehr nehme ich die kleinen Dinge in den Blick. Das große Ganze ist so verwirrend. Ich könnte darüber nie einen Song schreiben, bewundere aber Menschen, die das können.

Ihr Bruder ist auch das Mastermind von Faithless. Deren letztes Album liegt auch schon wieder neun Jahre zurück.

Sie bringen auch ein neues Album in diesem Jahr heraus. Und auch darauf werde ich zu hören sein.

Sie hatten eigentlich mal ihre Auflösung angekündigt ...

Ach, sie sagen dauernd solche Dinge. (lacht)

Sie werden mit Ihrem neuen Album auch das erste Mal seit 15 Jahren wieder auf Tour gehen. Sind Sie da aufgeregt?

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Ja, natürlich. Aber das war ich ohnehin schon immer. Ich bin neun Jahre am Stück getourt - und es gab keinen Abend, an dem ich nicht nervös gewesen wäre. Als ich noch ein Kind war, sagte mir meine Mutter mal: "Es ist okay, nervös zu sein. Denn das bedeutet, dass Du es ernstnimmst." Aber wenn ich auf der Bühne bin und ein paar Takte gesungen habe, ist die Nervosität verflogen.  

Warum zieht es Sie nach all der Zeit doch wieder zurück auf die Bühne?

Es fühlt sich an, als sei es das richtige Album dafür. Ich habe in der Vergangenheit so oft Nein gesagt - und habe mich jetzt beim Ja-Sagen ertappt. Das dritte Album, "Safe Trip Home", war ein tolles Album, auf das ich sehr stolz bin, aber es war nicht das richtige für eine Tour. Es war sehr düster. Mein Vater war gestorben, und vieles auf dem Album drehte sich darum. Wenn ich auf der Bühne singe, fühle ich die Songs. Das fand ich in dem Fall zu schwierig. Beim vierten Album, "Girl Who Got Away",  war dagegen mein Sohn gerade erst geboren worden. Da wollte ich auch nicht weg. Jetzt aber ist die Zeit reif, die Songs des neuen Albums und auch meine älteren Lieder wieder live zu spielen. Das wird sicher toll.

Mit Dido sprach Volker Probst

Dido ist im Mai 2019 in Deutschland auf Tour: München (10.5.), Frankfurt am Main (13.5.), Berlin (15.5.), Hamburg (16.5.), Düsseldorf (19.5.).

Quelle: n-tv.de

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