Musik

Interview mit Dermot Kennedy "Fußball ist wie Meditation für mich"

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Der Troubadour mit der rauhen Stimme - Dermot Kennedy

(Foto: zz/KGC-138/STAR MAX/IPx)

Aufgewachsen in Irland, groß geworden durch Spotify, so könnte man die Karriere von Dermot Kennedy zusammenfassen. Die Beschreibung wird ihm zwar nicht ganz gerecht, doch erst durch den Streamingdienst wurde der 27-Jährige weltweit bekannt. Er spielte bereits in ausverkauften Hallen vor Tausenden Menschen, obwohl er noch keinen Plattenvertrag hatte. Mit seinem Debütalbum "Without Fear" will der irische Singer-Songwriter nun endgültig durchstarten. Im Interview mit n-tv.de verrät er, was die Fans dabei erwartet, wovon er sich inspirieren lässt und warum er nach der Musikkarriere noch einmal auf dem Fußballplatz aktiv werden will.

n-tv.de: Du bist bereits mehrere Male in Berlin gewesen. Was verbindet dich mit der deutschen Hauptstadt?

Dermot Kennedy: Ich habe so viele Freunde, die gerne nach Berlin reisen. Leider habe ich noch nicht die Chance gehabt, mir die Stadt anzuschauen. Aber ich will in Zukunft unbedingt eine Tour durch Berlin machen und ein paar touristische Häppchen aufschnappen.

Klingt so, als wärst du zurzeit sehr beschäftigt?

Ja, bin ich - die ganze Zeit eigentlich.

Hast du denn irgendeine Erfahrung, die du mit Deutschland verbindest?

Ja natürlich, aber das kommt hauptsächlich durch die Musik. Ich erinnere mich besonders gerne an unseren Auftritt hier im letzten Jahr im Columbia Theater. Es war einer meiner Lieblingsmomente der vergangenen Tour, weil es wohl das netteste Publikum überhaupt war.

Als Musiker könnte man dich als "aufgewachsen in Irland, groß geworden durch Spotify" beschreiben. Du hast mit dem Streamingdienst deinen Lebensunterhalt bestritten, obwohl du noch keinen Plattenvertrag hattest. Das ist nicht der übliche Karriereweg.

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Das stimmt. Eine Zeit lange habe ich das auch so gehalten. Ich war es satt, darauf zu warten, dass mich jemand anruft und mir einen Auftritt anbietet. Ich wusste zwar, dass ich mit Musik Karriere machen möchte, aber ich habe es nicht richtig angegangen. Ich habe kein Geld verdient und es passierte nichts. Und dann plötzlich bei einer Show in London, die ich selbst organisiert hatte, kamen nach dem Gig Leute auf mich zu und haben gesagt, dass sie sich last minute ein Ticket gekauft hatten, weil sie meinen Song auf Spotify gehört hätten. Die drei Songs, die ich dort veröffentlicht hatte, kletterten von wenigen Klicks auf mehrere tausend. So war ich dann eine Weile in der Lage, meine Karriere durch Spotify voranzutreiben. Das Geld habe ich dann weiter in Shows investiert - in New York und Los Angeles. Und die waren dann zum Glück ausverkauft. Ja, es war eine wirklich schöne organische Sache.

Du bist jetzt 27 Jahre alt und mit Social Media und Streamingdiensten aufgewachsen. War es einfacher, dich in das Leben eines modernen Musikers einzufinden?

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Für Musiker in den 90er-Jahren muss es hart gewesen sein, CDs und Platten zu verkaufen, wenn man betrachtet, welche Reichweite heute mit Streaming erreicht wird. Es ist schon eine seltsame Zeit, in der wir leben. Instagram ist für Musiker fast wichtiger geworden als die Musik selbst. Aber um die sollte es gehen. Wenn man sich nur als Musikschaffender sieht, dann sollte Social Media keine Rolle spielen, oder? Auf der anderen Seite ist es ein Ort, an dem die Fans zusammenkommen - ein schöner Ort, an dem alle Musik lieben. Ich selbst habe für mich akzeptiert, dass Social Media wichtig ist, aber ich porträtiere dort nicht mein Leben und teile alles.

Die Vergleiche mit anderen Musikern hinken ja meistens, aber wie würdest du dich selbst als Musiker beschreiben?

Vergleiche stören mich nicht. Es geht ja immer darum, etwas Einzigartiges zu haben. Wenn Menschen durch meine Musik ein vertrautes Gefühl erleben, dann ist das eher ein Kompliment. Als Künstler machst du dir viele Gedanken, ob du das Richtige tust oder noch auf dem richtigen Weg bist. Der Vergleich mit anderen Musikern kann dann eine Bestätigung sein, selbst wenn man sein eigenes Ding macht.

Die BBC hat dich als "Gravel-voiced troubadour" beschrieben, also "Troubadour mit der rauhen Kieselstimme". Diese klassische Bezeichung muss dir mit deiner klassischen Musikausbildung doch schmeicheln?

Ohja, das gefällt mir (lacht).

In deinen Texten liegt ja auch eine Menge Poesie, ähnlich wie bei anderen Künstler, die du bewunderst, wie beispielsweise Bon Iver.

Das stimmt. Aber auch die Texte meiner Songs sind nicht immer als Poesie zu verstehen. Sie sollen Teil der musikalischen Landschaft sein, die der Song abbildet. Die Troubadour-Beschreibung mag ich besonders, weil es irgendwie verrückt klingt - und das passt zu der verrückten musikalischen Reise, auf der ich mich gerade befinde. Ich bereise die Welt und spiele meine Songs - das gefällt mir.

Und jetzt steht das erste Album des Troubadours an. Am 4. Oktober erscheint "Without Fear". Was können wir da erwarten?

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Es sind natürlich bekannte Songs auf dem Album, aber auch viele neue. Die Lieder stammen teilweise aus einer Zeit, in der ich noch sehr jung war. Es sind aber auch welche dabei, die ich erst vor ein paar Monaten geschrieben habe. Sie entstammen aus meiner Zeit in New York. Das war das erste Mal, dass ich für länger am selben Ort war - und es hat sich toll angefühlt, für eine Sekunde langsamer machen zu können und sich nur die Arbeit im Studio zu konzentrieren. Und so wird das Album eine Mischung aus Alt und Neu sein, und auf die gleiche Weise wird es eine Mischung aus Folk und elektronischen Elementen.

Ich will, dass mein Album vom Sound her ständig interessant bleibt. Das kann Leute ansprechen, die alle Arten von Musik mögen - es wird nicht nur für Singer-Songwriter-Fans sein. Es ist dann wie bei Bon Iver: Es soll auch ein musikalisch gutes Album sein und trotzdem schöne Geschichten erzählen.

Wird es denn in Zukunft auch gemeinsame Songs mit anderen Künstlern geben?

Dafür bin ich immer offen, aber es muss sich richtig anfühlen. Denn natürlich gibt es Künstler, zu denen ich aufschaue, aber ein Cover käme nicht infrage. Songs von Ben Howard oder Damien Rice könnte ich gar nicht performen, weil sie es in meinen Augen bereits perfekt machen. Dann würde bei mir nur eine beschissene Version davon herauskommen. Ein Feature von einem Hip-Hop-Künstler wäre schon etwas anderes - das würde ich lieben. Aber warten wir es mal ab.

Du hast in diesem Jahr bereits auf den größten Festivals gespielt, auf dem Coachella oder in Glastonbury. In Berlin warst du beim Other Voices Festival - da waren ausschließlich irische Künstler vor kleinem Publikum. Wie wichtig ist dir deine Verbindung zum Heimatland?

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Die Verbindung ist immer da. Und die Leute sollen wissen, dass ich stolz darauf bin, ein irischer Künstler zu sein. Ob Glen Hansard oder Van Morrison, all diese Künstler, die ich immer bewundert habe und die so gute Arbeit leisten, haben mir den Weg gebahnt und gezeigt, wie ein stolzer irischer Künstler zu sein hat. Da will ich einfach mein Bestes, um das global auch so rüberzubringen.

Nach der Musikkarriere willst du dann nochmal richtig mit Fußball anfangen. Das klingt ungewöhnlich.

Ja, ich liebe Fußball. Ich kann es im Moment nicht tun wegen der Verletzungsgefahr.

Aber dann musst du ja richtig gut sein?!

Also, es hätte nicht für eine Profikarriere gereicht. Dafür hab ich es nicht ernst genug genommen. Aber ich habe es geliebt. Ich liebe es immer noch. Für ein paar Stunden in der Woche habe ich nicht über Musik nachgedacht. Natürlich liebe ich die Musik, aber sie beschäftigt mich sonst jede Sekunde meines Tages. Und ich denke die ganze Zeit darüber nach. Fußball war da wie Meditation für mich.

Also kommt aus dem Sport auch eine Menge Inspiration für dich?

Ja, natürlich. Vielleicht finden die Leute das seltsam, denn ich mache Musik und bin ständig auf Tour. Aber es ist inspirierend, wenn du Sportlern wie LeBron James oder Lionel Messi zuschaust. In ihren Sportarten gibt es Tausende von Profispielern, die wahrscheinlich alle brillant sind. Und dann ist da noch diese eine Person, die eine Stufe über allen anderen ist und den Sport trotzdem mit einer solchen Hingabe betreibt. Und genauso ist es in der Musik. Da gibt Künstler, die den gleichen Ehrgeiz haben, allerdings ohne aggressiven Wettbewerbsgedanken. Ich glaube, ein wirklich bleibendes Erbe zu hinterlassen, ist schwer. Aber genau so jemand möchte ich sein.

Mit Dermot Kennedy sprach Michael Bauer

 

Quelle: n-tv.de

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