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Mehr als nur das Schnuckelchen Wir sind Ewig!

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"Eigentlich müssen wir eine Band gründen": Christian Bömkes, Jörg Weißelberg, Jeanette Biedermann (v.l.n.r.) alias Ewig.

(Foto: Universal Music)

Sie war Marie, sie war Anna und natürlich war sie immer Jeanette. Und jetzt ist Jeanette Biedermann auch noch Ewig. Aber nicht allein. Ihr zur Seite stehen Christian Bömkes und (Gatte) Jörg Weißelberg. Im n-tv.de Interview sprechen die drei über Raumklima, Herzblut, Ausziehbetten, Liebeslieder, Romantik, Kinderkriegen, Ewigkeit - und die gemeinsame Band.

n-tv.de: Ich muss zugeben: Als ich das erste Mal von euch gehört habe, ging mir eigentlich nur durch den Kopf: "Ach so, die neue Band von Jeanette Biedermann." Mal ehrlich, Jungs: Seid ihr nicht schon genervt davon, dass sich der Fokus geradezu zwangsläufig so auf sie richtet?

Jörg: Nein, für uns ist das sogar sehr angenehm. Dadurch bekommen wir ja erst Möglichkeiten, die ein totaler Newcomer wahrscheinlich gar nicht erst hätte. Dafür sind wir sehr dankbar.

Jeanette: Die sind doch froh, dass sie ein hübsches Mädchen in der Band haben! (Allgemeines Gelächte
Christian: Das hält die Sache im Gleichgewicht.

Jörg: Und das verbessert auch gleich das Raumklima.

An Jeanette habe ich eine ähnliche Frage: Als in der Redaktion das Interview mit dir und den Jungs angekündigt habe, war eine der ersten Reaktionen: "Oh, das Schnuckelchen." Du bist inzwischen ja auch "schon" 32. Kannst du das eigentlich noch hören?

Jeanette: Ich hefte mir das ja nicht an. Insofern kann mich das auch nicht nerven. Und man könnte mich ja auch "alte Kuh" oder dergleichen nennen - es gibt schlimmere Bezeichnungen als "Schnuckelchen". Also: Wenn’s schee macht, gell.

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Klar, dass Jeanette im Vordergrund steht - dennoch betonen die drei den Bandcharakter von Ewig.

(Foto: Universal Music)

Jörg und Jeanette kennen sich natürlich schon länger und besser. Aber wie ist denn die Idee zur Band als Trio entstanden?

Jeanette: Eigentlich ist das alles auf Jörgs Mist gewachsen. Er hatte sich in den Kopf gesetzt, mal ein paar deutsche Sachen zu schreiben und ein deutsches Projekt zu machen. Parallel dazu haben wir aber an einer englischen Soloplatte von mir gearbeitet. Irgendwann brauchte ich eine Pause davon. Da habe ich ihm vorgeschlagen, doch mal ein bisschen an seinen deutschen Sachen zu arbeiten. Und das hat riesigen Spaß gemacht …

Und wie kam Christian dazu?

Jeanette: Ihn hat auch Jörg kennengelernt und mir vorgestellt. Wir haben uns sofort alle drei so gut verstanden, als ob wir uns schon zwanzig Jahre lang kennen würden. Deswegen haben wir Christian gefragt, ob er nicht Bock hätte, ein wenig an den Songs mitzuschreiben. Die Zusammenarbeit von uns dreien hat noch einmal etwas ganz Besonderes hervorgebracht. Wir saßen nur noch da: Das ist so geil, eigentlich müssen wir eine Band gründen.

Du hast gesagt, ihr habt an einem Soloalbum von dir gearbeitet. In einem anderen Interview meintest du vor Kurzem doch, es werde kein Soloalbum mehr von dir geben …

Jeanette: Ach, das wurde ziemlich hochgehangen. Ich zeige mal, wie das ungefähr war: (sie verstellt die Stimme, Anm. d. Red.) "Frau Biedermann, werden sie denn noch mal solo auftreten oder werden wir sie so gar nicht mehr sehen?" Und dann habe ich wohl so etwas gesagt wie: (mit ironischem Unterton, Anm. d. Red.) "Nein, ich trete nie wieder solo auf!" Das war eher mit einem Augenzwinkern gesagt. Gegenwärtig ist Ewig in jedem Fall das Baby, um das sich alles dreht. Aber ich bin ein sehr kreativer Mensch. Ich will nie "Nie" sagen.

Mangelnde Vielseitigkeit kann man dir sicher nicht vorwerfen. Das gilt für deine Tätigkeiten - von der Schauspielerei über das Singen bis hin zum Modedesign. Es gilt aber auch für deine Musik - die reicht von Rock über Electro-Pop bis hin zum Deutsch-Pop jetzt mit Ewig. Befürchtest du nicht, dass die Leute irgendwann gar nicht mehr wissen, wofür du stehst?

Jeanette: Nö, da mache ich mir gar keine Sorgen. Am Ende des Tages steht über allem doch immer der Begriff "Pop". Davon habe ich mich nie wegbewegt. Okay, ich habe mich gewisser Stile und Farben bedient. Aber das macht es auch aus. Ein Album ist ein Zeitdokument. Und man verändert sich doch über die Jahre. Wenn mir jemand erzählt, dass er jahrelang gleich denkt und immer nur die gleiche Musik gut findet, kommt mir das nicht sehr ehrlich vor.

Jörg: Und mit Blick auf Ewig kann man noch hinzufügen: Das ist eben keine Soloplatte von Jeany. Das war der Grundgedanke. Von daher war von Anfang an klar, dass es etwas ganz anderes werden würde.

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Jörg und Christian haben bereits für viele andere Künstler komponiert und musiziert.

(Foto: Universal Music)

Man hat das Gefühl, dass ihr bei Ewig mit sehr viel Herzblut an die Sache geht …

Jeanette: Jaaa!

Jörg: Danke! Dass ist toll, wenn das bemerkt wird.

Hast du das Gefühl, bei Ewig angekommen zu sein, Jeanette?

Jeanette: Ja, absolut. Ich habe schon vor ein paar Jahren mal gesagt, dass ich meine Mitte gefunden hätte. Aber das stimmte zu dem Zeitpunkt noch gar nicht. Jetzt glaube ich, dass es stimmt. Ich bin 32 Jahre, ich bin erwachsen, sehe aber noch (sie zögert, Anm. d. Red.)

Jörg: … ganz jung aus.

Jeanette: … jung aus - ho ho.

Es ist ja nun das erste Mal, dass du deutsch singst …

Jeanette: Ach, ich habe schon in so vielen Sprachen gesungen. Die Frage ist ja immer nur, was das Licht der Welt erblickt und was in den heiligen Tonstudios bleibt.

Aber es ist das erste Album, auf dem du deutsch singst. Was sprach dafür?

Jeanette: Das hat sich ergeben. Es baute eben darauf auf, dass Jörg ein deutsches Projekt machen wollte und wir an den Songs dazu gearbeitet haben.

Jörg: Ich finde es sowieso ganz selbstverständlich, sich so auszudrücken. Und es ist auch wirklich toll, dass es mittlerweile einen solchen Boom in der deutschen Szene gibt.

Wenn man die Wikipedia-Einträge von Jörg und Christian studiert, stellt man erst einmal erstaunt fest, wo die beiden schon überall mitgewirkt haben - allerdings bisher stets im Hintergrund. Wie groß ist für euch die Überwindung, jetzt mit Ewig auch selbst ins Rampenlicht zu treten?

Christian: Bevor ich Jörg und Jeany kannte, hätte ich mir das nicht vorstellen können. Das war wirklich dieser magische Moment, als wir da zusammensaßen und die ersten Sachen geschrieben haben. Ich weiß noch, dass ich bei den beiden auf dem Ausziehbett gepennt habe, als wir gerade das Lied "Wir sind ewig" geschrieben hatten. Da dachte ich mir: Das gibt’s doch gar nicht. Das fühle ich jetzt so stark, dass ich verdammt noch mal auch ein Teil davon sein möchte. Ich hätte nicht gedacht, dass das mal aufkommen würde.

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Um die drei gruppiert sich "ein großer Kreis, in dem es sich sehr freundschaftlich abspielt".

(Foto: Universal Music)

Jörg: Ich hatte auch nicht gedacht, dass ich in meinem hohen Alter …

Jeanette: (lacht)

Jörg … noch einmal an einem Bandprojekt teilhaben kann. Ich war aber auch gern im Hintergrund. Mir macht es einfach Spaß, live zu spielen. Und es ist toll, dass ich schon für so viele großartige Leute arbeiten durfte. Wenn man etwa im Studio jemandem eine kleine Gitarren-Nuance vorspielt und derjenige feststellt, dass er genau danach noch gesucht hat, macht das total Laune. Das Gitarrenspielen wird heute manchmal vielleicht nicht so ernst genommen. Aber für mich ist das ein wirklich schönes Handwerk. Ich lebe dafür.

Du hast ja zum Beispiel eine Zeit lang mit Silbermond zusammengearbeitet. Und es heißt, dass eher du ihnen deinen Stempel aufgedrückt hättest als umgekehrt. Das erklärt für mich natürlich ein wenig euren Sound mit Ewig. Ich drücke es mal so aus: Zwischen euch und Silbermond klafft keine Riesenlücke - oder reißt ihr mir bei der Behauptung schon den Kopf ab?

Jörg: Nein, um Gottes Willen. (lacht) Silbermond waren schon in jungen Jahren ganz tolle und talentierte Musiker. Ich war halt beim Aufwachsen der Band dabei und habe damals ein paar Songs mit den Kollegen zusammen geschrieben. Das war wunderbar. Außerdem finde ich es überhaupt nicht dramatisch, wenn Bands ähnlich klingen.

Jeanette: Tun wir aber nicht!

Jörg: Hey, lass mich das bitte mal beantworten. Natürlich werden die Sachen immer miteinander verglichen. Wo Gitarren drin sind, sind eben Gitarren drin. Mercedes und BMW haben ein ähnliches Problem: Sie stellen Autos her, die immer vier Räder haben. Und jeder könnte sagen: "Das ist doch immer das Gleiche." Aber die Fans finden heraus, was ihnen gefällt. Den einen gefallen da die Sitze besser, den anderen dort der Motor. Und ich glaube, bei uns ist das genauso. Die Leute finden für sich die Unterschiede zwischen den Bands.

Christian: Ich glaube auch, dass Musik schon immer so funktioniert hat. Da greift der eine auf, was ein anderer vorher gemacht hat, und lässt sein eigenes Ding mit einfließen. So entwickelt sich das weiter.

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Nicht nur beruflich ein Paar: Jörg und Jeanette haben am 7. Juli 2012 geheiratet.

(Foto: dapd)

Ich kann in diesem Interview natürlich schwer umhin, Jeanette und Jörg auf ihre Beziehung anzusprechen. Ihr habt vor rund zwei Monaten geheiratet. Erst einmal: Glückwunsch!

Jeanette: Dankeschön.

Jörg: Danke, danke.

Das muss doch mit der Albumproduktion zu der Zeit total stressig gewesen sein …

Jeanette: Das sind aber doch alles schöne Sachen.

Jörg: Aber es war schon stressig und wir haben uns manchmal, als es darum ging, das Album zu einem guten Abschluss zu bringen, auch echt am Rande des Wahnsinns bewegt. Trotzdem waren das alles natürlich tolle Ereignisse.

Hattet ihr Flitterwochen?

Jeanette: Das haben wir nicht geschafft, aber das holen wir nach.

Eigentlich heißt es ja, dass man Arbeit und Privatleben nicht miteinander vermischen sollte …

Jeanette: Ich glaube, wir würden uns gar nicht mehr sehen, wenn einer von uns einen anderen Beruf hätte.

Und wie ist das für dich, Christian? Bist du sozusagen das dritte Rad am Fahrrad?
Christian: Jawohl. Während die beiden knutschend in der Ecke stehen, muss ich in der Nase bohren.

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Ob mit oder ohne ihre Kollegen - die Schauspielerei will Jeanette nicht missen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Genau das wollte ich wissen: Wie verhalten sie sich denn so, wenn ihr zusammen seid? Ist das professionell oder bekommst du dann auch das Gezicke mit? A la: "Oh, du hast gestern schon wieder die Zahnpastatube offen gelassen, Schatz" …

Christian: (überlegt) Ich sage es mal so: Wir sind ja nicht immer nur zu dritt, wenn wir jetzt zum Beispiel herumreisen. Wir haben noch ganz viele Freunde mit dabei. Auch meine Freundin ist sehr häufig mit dabei - sie macht die ganzen Videoarbeiten und Fotosachen. Von daher ist das ein großer Kreis, in dem es sich sehr freundschaftlich abspielt.

Schade, ich dachte, du würdest jetzt vielleicht etwas mehr aus dem Nähkästchen plaudern …

Jeanette: Nein!!! (Allgemeines Gelächter)

Auf dem Album sind sehr viele Liebeslieder. Wie viel Autobiografisches steckt denn darin?

Jeanette: Ja, Liebe ist ja auch ein großes Thema. Darum geht’s doch! Dabei muss es sich ja nicht immer um eine Beziehung drehen, sondern manchmal vielleicht auch um eine Freundschaft oder um die Liebe zum Detail, zu schönen Dingen, zum Leben an sich. Die Liebe ist einfach das größte Gefühl, das wir haben.

Zugleich weiß das Publikum aber natürlich von der Beziehung zwischen dir und Jörg …

Jeanette: Ja, aber das hat doch damit nichts zu tun. Wir sagen ja nicht: "Komm, wir setzen uns hin und schreiben jetzt mal ein Lied über unsere letzte Nacht." Wir schreiben die Songs doch danach, wie wir in dem Moment empfinden, welches Gefühl wir zu einer Melodie haben und zu dem, was dahinter stecken könnte.

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Soaps und Telenovelas? Das war einmal.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

In jedem Fall wirkt alles sehr romantisch ...

(Allgemeine Zustimmung)

Das reicht von der Musik über die Texte bis hin zum Albumcover. Und das gilt sogar für euren Bandnamen und Albumtitel - die Vorstellung von "Ewigkeit" ist schließlich ebenfalls sehr romantisch. Würdet ihr denn der landläufigen Meinung, dass nichts für ewig ist, widersprechen?

Jeanette: Korrekt. (lacht)

Christian: Stimmt, Ewigkeit ist ein romantisches Ideal. Und Ideale sind dazu da, sie anzustreben. Genau das machen wir gerade.

Dem Inlay der CD ist zu entnehmen, dass ihr das Album drei verstorbenen Personen widmet. Was hat es damit auf sich?

Jeanette: Das sind Menschen, die wir in der Zeit, in der wir die Platte gemacht haben, verloren haben.

Darf ich fragen, wer sie waren?

Jeanette: Das ist einmal mein Opa, …

Christian: … meine Oma …

Jörg: … und mein Vater.

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Das Album "Wir sind Ewig" erscheint am 14. September 2012.

(Foto: Universal Music)

Trotz Hochzeit, neuer Band und neuem Album ist Jeanette gerade eben erst auch wieder vor der Kamera gestanden - beim "Hauptstadtrevier". Bleibt die Schauspielerei ein Standbein für dich?

Jeanette: Auf jeden Fall. Das macht mir so viel Spaß, dass ich das weitermachen werde.

Kannst du dir auch vorstellen, irgendwann wieder in eine Soap einzusteigen?

Jeanette: Nein, die Zeiten sind vorbei. Ich bin kein Freund davon, mich andauernd zu wiederholen - wie du ja schon festgestellt hast. (lacht) Ich habe das gemacht, als ich ganz jung war. Dann habe ich etwas älter eine tolle Telenovela gemacht. Aber das geht jetzt nicht noch einmal. Vielleicht mache ich noch einmal eine Serie, aber keine Telenovela oder Soap mehr.

Das würde ja auch etwas konträr zu euren anderen Plänen laufen. "Wir wünschen uns viele Kinder", hast du vor Kurzem erklärt. Wie viele sollen es denn werden und wann ist es soweit?

Jeanette: Moment, da muss ich jetzt mal kurz in meinen Terminkalender sehen. Das kann ich dir so noch nicht sagen. Aber ich könnte mir darüber Gedanken machen und dich anrufen, sobald ich es weiß: "Soundso viele und dann und dann. Mädchen - Junge. Junge - Mädchen."

Super Idee, ich bin gespannt …

Jörg: Ich auch! (Allgemeines Gelächter)

Mit Jeanette Biedermann, Jörg Weißelberg und Christian Bömkes sprach Volker Probst

Das Album "Wir sind ewig" von Ewig bestellen

Ewig befinden sich im Oktober und November 2012 in Deutschland auf Tour: Osnabrück (28.10.), Leipzig (29.10.), Nürnberg (30.10.), München (4.11.), Saarbrücken (6.11.), Köln (8.11.), Jena (9.11.), Dresden (10.11.), Aschaffenburg (11.11.), Mannheim (13.11.), Stuttgart (14.11.), Hamburg (15.11.), Berlin (17.11.)

Quelle: ntv.de