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Kiefer Sutherland - Präsident, Cowboy, Musiker, Schauspieler. Kochbuch-Autor? Wir wollen nicht übertreiben.
Kiefer Sutherland - Präsident, Cowboy, Musiker, Schauspieler. Kochbuch-Autor? Wir wollen nicht übertreiben.
Mittwoch, 30. Mai 2018

"Ich habe schon immer gesungen": Kiefer Sutherland auf Tour - einer von uns

Kiefer Sutherland gehört zu den gefragtesten Schauspielern unserer Zeit. Er war der Star in der Serie "24", zeigte sein Können in "Flatliners", "Zoolander2" oder "Melancholia"  und ist momentan in der Netflix-Serie "Designated Survivor" zu sehen, in der er den Präsidenten der Vereinigten Staaten spielt. Leider wurde die Serie abgesetzt - Sutherland selbst kann sich nicht erklären, warum eigentlich. Und ist sehr traurig darüber. Zum Glück hat der Sohn des großen Donald Sutherland die Musik, mit der er jetzt auf Tour ist. Der 51-Jährige erzählt Geschichten, die tief aus seinem Herzen kommen. Mit n-tv.de spricht er über Gefühle, Gitarren und das Gute daran, sich treiben zu lassen und nicht mehr so ganz jung zu sein.

n-tv.de: Kiefer, Sie sind im Juni wieder in Deutschland unterwegs - worauf dürfen die Fans sich freuen?  

Kiefer Sutherland: Ich habe mein neues Album dabei, und ich freu' mich, die Songs live zu spielen. Als ich das letzte Mal in Deutschland war …

… das war letztes Jahr, oder?

Ja, da war das eine wirklich tolle Erfahrung. Ihr Deutschen könnt echt was anfangen mit meiner Musik (lacht).

Er hat keine Angst mehr davor, seine Gefühle zu zeigen ....
Er hat keine Angst mehr davor, seine Gefühle zu zeigen ....(Foto: imago/PicturePerfect)

Was heißt das, singen alle mit?

Das werden wir dann ja sehen, die Songs sind ja recht neu. Aber ich habe das Gefühl, dass diese Art von "Americana-Music" hier ganz besonders gut ankommt. Mir ist völlig klar, dass meine Songs bei euch nicht den ganzen Tag im Radio rauf und runter gespielt werden, aber die Leute sind so offen und bereit, Neues kennen zu lernen. Es hat einfach Spaß gemacht, hier aufzutreten. Ich hatte das Gefühl, dass die Zuhörer Lust auf etwas Neues hatten.

Was kann man denn unter "Americana" verstehen?

Es ist eine Mischung aus vielen verschiedenen Stilrichtungen. Es ist ein bisschen Country, es ist Original American Folk-Music, und auch Blues ist dabei. Dann gehört noch ein Teil Singer-Songwriter da hinein, und aus all diesen Zutaten habe ich mir das gemixt, was ich als "Americana" bezeichnen würde.  

Glauben Sie, dass die Leute auch kommen, weil sie nicht nur den Musiker, sondern auch den Hollywoodstar Kiefer Sutherland sehen wollen?

Das mag sein, ich mache schließlich erst seit kurzem Musik und bin aber schon über dreißig Jahre am Filmset. Aber das macht für mich keinen Unterschied. Mir ist egal, warum ihr kommt, Hauptsache, ihr kommt (lacht). Ich freu' mich über jeden, der bei meinem Konzert auftaucht. Wir reden jetzt zwar über die Musik, aber ich bin mit Haut und Haaren Schauspieler.

Gibt es zwei Kiefer Sutherlands? Den einen als Schauspieler und den anderen als Musiker?

Puh, darüber habe ich schon oft nachgedacht. Als Schauspieler brauche ich eine ganze Truppe um mich herum, um eine Geschichte zu erzählen. Und als Musiker brauche ich eine Band. Bei beiden geht es um die Story, die erzählt werden will. Und deswegen ist es egal, ob ich mit Freunden in einer Bar sitze, am Filmset drehe oder ein Konzert spiele. Was ich damit sagen will: Es gibt nur einen Kiefer Sutherland (lacht). Und ich hoffe, dass ich mich niemals zwischen diesen beiden Leidenschaften entscheiden muss.

Meine Lieblingssongs auf dem Album sind die ruhigeren Stücke, auch die etwas dramatischeren. Da ist so viel Herzblut drin, habe ich das Gefühl. Was sind die speziellen Geschichten, die hinter den Songs stecken? Sie schreiben die ja selbst, richtig?

Down in a Hole? Von wegen ...
Down in a Hole? Von wegen ...(Foto: Christophe Gateau/dpa)

Stimmt, ich schreibe alle Stücke selbst. Und ich schreibe sie alle für meine Frau. Die Songs bedeuten mir eine Menge und sind sehr persönlich. Ich mag es sehr, die Songs mit meinem Publikum zu teilen, um zu erklären, wo ich mich zu einer bestimmten Zeit meines Lebens befunden habe. In welcher Stimmung ich da war.

Haben Sie da nicht die Befürchtung, zu transparent zu werden?

Ja, das macht mich natürlich etwas durchsichtig. Aber das ist es, was ich an Live-Auftritten so mag – da kommen wir uns alle näher. Sie haben vielleicht ein vorgefasste Meinung über mich, ich über die Zuhörer, und an einem Abend, an dem meine Band und ich Songs spielen, die etwas von mir preisgeben, werden diese vorgefassten Meinungen vielleicht bestätigt, vielleicht aber auch wiederlegt. In dem Moment, in dem die Show vorbei ist, wird uns vielleicht klar, dass wir alle mehr gemeinsam haben als wir dachten. Und das finde ich spannend. In dem Moment teile ich Gefühle mit den Zuhörern, die uns zeigen, dass wir alle dasselbe wollen: es zu schaffen, ein gutes Leben führen.

Das klingt so einfach …

Ja, aber für mich war es das anfangs überhaupt nicht. Ich habe tatsächlich lange versucht, mein Leben so privat wie möglich zu halten und bloß nichts nach außen dringen zu lassen. Ich habe auch wirklich eine Weile gebraucht, um mich so öffnen zu können. Aber ich habe eine Menge zurückbekommen. Das, wovon meine Songs handeln, sind zwar meine Gefühle, so ähnliche Dinge erleben aber tagtäglich Tausende von anderen Menschen, durch viele Dinge müssen wir alle durch.

Sich so zu öffnen - das hätten Sie früher wahrscheinlich gar nicht gekonnt, oder?

Auf keinen Fall! In meinen Zwanzigern? Niemals! Ich musste erst ein gewisses Alter erreichen um mich so zu akzeptieren, wie ich bin. Mit allem was dazu gehört.

Seit wann singen Sie?

Ich habe schon immer gesungen (lacht), das wollte nur keiner hören. Mir war vollkommen klar, dass es heißen würde: Warum muss der Schauspieler jetzt auch noch singen? Mein Freund Jude Cole hat mich ermutigt, ihm ist das alles zu verdanken. Ich hatte zwei Songs für ihn geschrieben und er fand, dass ich die selbst singen sollte. Also sang ich. Dann haben wir noch zwei Songs geschrieben, und als wir dann sechs zusammen hatten, da musste ich eine Wahl treffen: Aufhören oder weitermachen. Ich habe mich fürs Weitermachen entschieden. Jude produziert mich, und so kam eines zum anderen. Und wenn jemand das nicht mag oder sich lustig machen möchte über mich – bitte sehr, nur zu, da steh' ich inzwischen wirklich drüber.

Donald und Kiefer Sutherland 2008 auf dem Hollywood Walk of Fame mit Kiefers neuem Stern.
Donald und Kiefer Sutherland 2008 auf dem Hollywood Walk of Fame mit Kiefers neuem Stern.(Foto: imago stock&people)

Mit welchem Instrument sind Sie als Kind gestartet?

Ich habe mit vier angefangen, Geige zu lernen, meine armen Eltern (lacht). Mit sieben wollte ich dann unbedingt eine Gitarre haben. Meine Mutter verhandelte dann mit mir: wenn ich bis zehn noch Violine spiele, kauft sie mir eine Gitarre. In dem Moment habe ich die Geige in die Ecke geschmissen und nie wieder angefasst. Meine Gitarre wurde zu meinem besten Freund, ich habe sie überall mit hingenommen.

Begleitet Ihre Gitarre Sie mit ans Set, wenn Sie drehen?

Ja, zum Beispiel beim Dreh von "24". Der Dreh war wirklich anstrengend, und wann immer ich konnte bin ich in meinen Trailer verschwunden, habe vor mich hingeklimpert. Das entspannt mich, denn in der Musik finde ich mich. Am Set stelle ich jemand anderen dar, aber durch die Musik kann ich die Geschichten erzählen, die in mir sind.

Haben Sie Unterricht gehabt?

Ja, mehrere Lehrer, einer war besonders gut. Er und einige Freunde, die auch Musik gemacht haben, haben mich ermuntert, am Ball zu bleiben, da hatte ich großes Glück.

Wenn Sie nur einen einzigen Musiker nennen könnten, der Ihr Vorbild ist, wer wäre das?

Prince. Prince war ein extrem außergewöhnlicher Gitarrenspieler. Und Musiker.

Sie singen und schauspielern nicht nur, Sie sind auch ein extrem guter Rodeo-Reiter. Was kommt als nächstes? Ein Kochbuch?

(lacht) Das dünnste Kochbuch aller Zeiten, ja, das ginge schnell. Ich hätte ungefähr sechs Rezepte auf Lager.  Aber jetzt fokussiere ich mich erstmal auf die Musik und mein neues Album, das im November erscheinen wird.

Sehen wir Sie demnächst im Kino?

Ich muss gestehen, dass ich keine konkreten Pläne oder Verpflichtungen habe. Und das ist - momentan zumindest - ein gutes Gefühl.

Mit Kiefer Sutherland sprach Sabine Oelmann

Auf Tour:

7.6. Köln, Kantine

9.6. Leipzig, Parkbühne

10.6. Hamburg, Gruenspan

12.6. Berlin, Columbiahalle

13.6. Nürnberg, Hirsch

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Quelle: n-tv.de