Musik

50 Jahre Scorpions Love, Peace & Rock and Roll

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Abschiedstournee war gestern: die Scorpions.

(Foto: Marc Theis / BMG)

Abschied? Von wegen! Die Scorpions kommen im Spätherbst ihrer Karriere noch einmal richtig in Fahrt. Ihren 50. Geburtstag feiert die Band mit einer Sonderausgabe ihrer alten Klassiker. Da stoßen wir mit Gründungsmitglied Rudolf Schenker doch gerne an.

MTV Unplugged, ein neues Studioalbum ("Return To Forever"), eine Kino-Dokumentation ("Forever And A Day") und jetzt auch noch eine Retrospektive-Box der besonderen Art ("50th Anniversary Deluxe Edition"): Die Scorpions kommen im Spätherbst ihrer Weltkarriere noch einmal so richtig in Fahrt. Doch wie kommt’s? Gaben die Herren Schenker, Jabs, Meine und Co nicht schon vor fünf Jahren ihre letzten Abschiedsgrüße zu Protokoll? Nun, es ist sicherlich kein Geheimnis, dass die Haltbarkeitszeit von Statements aus der Rock- und Popbranche in etwa vergleichbar ist mit der eines Frischkäses aus dem Supermarkt-Kühlregal.

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1965 gründete sich die Band zunächst unter dem Namen "Nameless".

(Foto: Marc Theis / BMG)

Dass wie im Fall der Scorpions aber noch einmal dermaßen opulent aufgetischt wird, überrascht selbst Insider, Experten und Fans der Band. Beweisen muss sich Deutschlands Rock-Exportschlager schon lange nicht mehr. Über 100 Millionen verkaufte Tonträger und zahllose ausverkaufte Welttourneen sprechen eine deutliche Sprache. Was dient Deutschlands mittlerweile dienstältester Weltcombo also noch als Antrieb? "Das ist eine gute Frage. Ich denke, dass die damalige Verkündung unseres Abschieds viele neue Kräfte mobilisiert hat. Da ging plötzlich noch einmal so ein richtiger Ruck durch die Band. Und die Vergangenheit hat gezeigt, dass wir mit allen Veröffentlichungen danach richtig gelegen haben", verrät uns Gründungsmitglied und Saitenhexer Rudolf Schenker im n-tv.de-Interview.

Der Mann mit der hohen Stirn und dem schütteren platinblonden Haupthaar lebt seit 50 Jahren seinen Traum. Einst von der Beat- und Rockära der frühen Sechziger getragen, entwickelte sich "seine" Band - die Scorpions - über die Jahrzehnte hin zu Deutschlands Hardrock-Exportschlager schlechthin.

Steiniger Weg an die Spitze

Der Weg in die größten Arenen dieser Welt war jedoch kein Zuckerschlecken. Vor allem zu Beginn ihrer Karriere machten der Band interne Querelen, chronische Finanznöte und logistische Hürden zu schaffen. Unvergessen die Ausstiegsposse um Rudolfs Bruder Michael, der die Band nach deren erster großer Deutschland-Tournee Anfang der Siebziger in Richtung UFO verließ. Insider werden sich erinnern: Zunächst nur als Live-Aushilfsgitarrist engagiert, fand der gute Michael so viel Gefallen am UFO-Sound, dass er nach der gemeinsamen Tour mit den Briten spontan die Seiten wechselte. Auch dessen Nachfolger Uli Jon Roth verabschiedete sich noch bevor es mit den Scorpions so richtig losging.

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Auch live geben die Scorpions noch immer Gas: Rudolf Schenker am 7. August 2015 auf einem Festival in Südkorea.

(Foto: picture alliance / dpa)

Zwar standen nach Roths Weggang bereits sechs Alben sowie erfolgreiche Asienkontakte und eine Support-Tour für Kiss zu Buche. Der große internationale Durchbruch gelang den Hannoveranern allerdings erst Mitte der 80er-Jahre in der Besetzung: Rudolf Schenker (Gitarre), Matthias Jabs (Gitarre), Hermann Rarebell (Schlagzeug), Francis Buchholz (Bass) und Klaus Meine (Gesang).

Trotz der vielen steinigen Anfangsfahrten erinnert sich Rudolf Schenker gerne an die alten Tage zurück: "Ich weiß noch wie wir mit unserem alten Fiat die Kasseler Berge runtergebrettert sind und das Ding irgendwann gegen einen Baum gesetzt haben. Oder wie wir mit unserem damaligen Produzenten Dieter Dierks zusammen kamen. Uli Jon Roth wollte ja eigentlich mit Chas Chandler (mittlerweile verstorbener Ex-Produzent von Jimi Hendrix) zusammenarbeiten. Das hat aber irgendwie nicht geklappt. Also haben wir uns den Dieter geschnappt."

Tamtam und Hurra

Anekdoten der Vergangenheit, die im Leben des Gitarristen auch in der Gegenwart noch eine wichtige Rolle spielen. Ohne all diese Querschläge wäre man schließlich heute nicht dort, wo man sei, so Schenker.

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Acht Alben enthält die Jubiläumsausgabe.

(Foto: BMG)

Um der lodernden Band-Antike nach 50 Jahren ein entsprechendes musikalisches Denkmal zu setzen, hat sich die Combo in diesem Jahr nun etwas Besonderes einfallen lassen. So wurden ausgewählte Studioalben der Frühphase noch einmal ordentlich rausgeputzt, neu gemastert und mit allerlei Bonusmaterial aufgepeppt. Da beschenkt man sich doch auch ein bisschen selbst, oder? "Absolut", bestätigt Rudolf Schenker. Man rede hier schließlich über eine der stärksten Bandphasen überhaupt. "Die sollte nicht einfach so nebenher in der Schnäppchenabteilung verstauben. Die sollte gebührend gefeiert und aufbereitet werden."

Ähnlich wie Jimmy Page mit seiner eigenhändig verwalteten Led Zeppelin-Retrospektive, feiern auch die Scorpions ihre für viele Fans bedeutendsten musikalischen Spuren mit viel Tamtam und Hurra. Nach einem halben Jahrhundert Businesszugehörigkeit kann man aber auch schon mal die Puppen tanzen lassen. Findet auch Rudolf Schenker: "Die Geschichte der Scorpions wird getragen von Freundschaft und Zusammenhalt und stützt sich auf drei Säulen: nämlich Love, Peace und Rock'n'Roll. 'Still Loving You' steht für Love, 'Wind Of Change' für Peace und 'Rock You Like A Hurricane' für Rock’n’Roll. Und wenn man die Entstehung dieses Fundaments noch einmal hautnah miterleben kann, dann ist das schon eine großartige Sache." Na dann: Hoch die Tassen!

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Quelle: n-tv.de

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