Musik

Max Mutzke ist einfach MAX "Schnall dich an, wir fahren los!"

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Max Mutzke lässt sich nicht festlegen, ist aber auf jeden Fall immer gut!

imago/Future Image

Müssen wir den Mann noch groß vorstellen? Erzählen, was er mal gemacht hat und warum und mit wem? Nein. Es ist viel interessanter, darüber zu sprechen, was alles ansteht. Wir treffen Max Mutzke nach einem Feueralarm. Zum Glück umsonst, heiß ist es trotzdem.

Es ist sein sechstes Album und noch immer haben wir den ersten Song "Can't Wait Until Tonight" im Kopf. Das könnte sich nach "MAX" nun ändern, denn hier lässt er sich nicht festlegen, hier ist für jeden etwas dabei. Das heißt nun nicht, dass dieses Werk beliebig wäre, im Gegenteil. Er ist bunt und wechselt die Musikrichtungen, er arbeitet zusammen, mit wem es ihm gefällt und er braucht lange, um endlich fertig zu werden. Fast wäre er daran verweifelt. Ist er zum Glück aber nicht. Er singt deutsch und englisch, allein und begleitet, er ist "Magisch" oder "Sohn", er klingt heiter bis wolkig - so ist das Leben eben. Er hat "wahnsinnig" viel gespielt in der letzten Zeit, er ist komplett ausgebucht und versucht, "längstens zehn Tage von zu Hause weg zu sein". Mit n-tv.de hat er trotzdem gesprochen.

n-tv.de: Was sagt deine Familie dazu, dass du so viel weg bist?

Max Mutzke: Ach, die kennen das, die sind das gewöhnt. Es ist manchmal traurig, aber auch normal.

Deinen Bruder hast du ja manchmal wenigstens dabei.

Ja, den Menzel, der ist auch jetzt auf dem Album. Der spielt so geil!

Ich kenn' die Version von "Me and Mrs Jones" mit dir, ihm und Saint Lu - ein Knaller.

Danke, das ist ein Lieblingslied von mir. Das entstand durch ein Voting im Radio, und das war echt spontan. Wir fanden's anfangs so kompliziert, aber es hat voll funktioniert. Ich sing' das auch gern mit der Stefanie Heinzmann. (lacht)

Das ist wirklich zum Mitsingen, aber ich lass es lieber ...

Doch, bitte mitsingen, ich will, dass die Leute mitgehen, sich freuen, schreien! Die Leute, mit denen ich aufgewachsen bin, das sind Donny Hathaway, Marvin Gaye und so, da haben die Leute immer reingerufen, die Zitate dazwischengebrüllt. Das will ich auch! Und das klappt auch. Das ist so eine tolle Stimmung dann! Das gibt so viel Energie! Für uns auf der Bühne sowieso!

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Live - ein Genuss.

Der Funke muss aber überspringen.

Ja, wenn man so animiert wird wie auf 'ner Heizdeckenverkaufsveranstaltung, dann bringt das natürlich auch nichts. Da muss man ein Gespür für haben. "Wo sind die Hände?" werde ich nie reinrufen.

Ja, bitte kein Klatschvieh.

Dann muss man es mit Humor versuchen oder weiterspielen.

Du bist jetzt wieder der Soul-Man, wie fühlt sich das an? Back to the roots?

Ja, aber ich bin auch der Jazz-Man (lacht). Ich bin mit Soul, Jazz, Fusion, Blues, allem einfach, aufgewachsen, insofern bin ich ziemlich offen. Jazz war wichtig, Soul war besonders wichtig, aber das Jazz-Album war ein Meilenstein für mich. Es ist schwer, das zu komponieren, zu produzieren, und ständig verfolgt dich der Gedanke, wer wird das spielen, wer wird das kaufen? Aber dann dachte ich, egal, und hab's einfach gemacht, ein gutes Gefühl. Die Konzerte waren super besucht, das hat mich sehr glücklich gemacht. Und jetzt hatte ich eben wieder Lust auf Soul. Das hat hat allerdings vier Jahre gebraucht.

Warum?

Ja, warum? Es hat eine Weile gedauert, bis ich den richtigen Produzenten fand zum Beispiel, der versteht, was ich wirklich will. Alle brachten mir immer positives Feedback entgegen, aber der sogenannte "rote Faden" fehlte. Irgendwann kam dann Andreas Herbig ins Spiel, der sonst nur mit Superstars arbeitet wie Udo Lindenberg und so. Und ich dachte immer, ja, der wär' geil, aber ist zu teuer. War er auch (lacht), aber das war natürlich jeden Cent wert, dieses Abenteuer.

Du bist jedenfalls ein Schubladen-Hopper, das ist doch gut, nicht so festgefahren zu sein.

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Ja, eigentlich ist das gut, aber wenn man ein Album macht, dann sollte man schon eine Richtung einschlagen, sonst weiß keiner, was du willst. Ich war bei sehr vielen Produzenten, die hatten alle Bock, aber irgendwie kamen wir nicht zusammen. Das hat gar nix mit denen zu tun, die sind nach wie vor großartig, aber ich musste jetzt bis zum Herbig gehen, damit die Chemie hundertprozentig stimmt, das ist manchmal einfach so. Der hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Wir haben uns getroffen beim Tim Mälzer, da fühl' ich mich heimisch, und der Andreas meinte: "Ja, Max, wenn wir das Album machen, dann ...", und ich so: "Wie, du willst das wirklich machen?" "Ja klar." Weißt du, zwischendurch war ich echt frustriert, da gehen viele Monate ins Land. Ich wollt eigentlich hinschmeißen. Man sagt dazu wohl Identitätskrise (lacht). Und dann das, yeah! Er will's machen! Genauso einen will ich, einen der sagt, schnall' dich an, wir fahren los!

Und dann?

Dann hab ich mir 'ne Band gesucht, mit der ich nie gespielt habe, die mussten mir vertrauen, die dürfen kein Demo kennen.

Einfach reinschmeißen?

Ja, ich habe denen "Bilder" von Musik geschickt, Bill Withers Gitarre, was von James Blake, von Frank Ocean, Prince, um zu sagen, so stell' ich mir das vor. Und wir mussten auf jeden Fall alle zusammen loslegen, der Andreas musste die Wurzeln mit uns ausbreiten, mit mir und den Musikern. Und dann habe wir das Schritt für Schritt entwickelt. Und dadurch sind selbst meine "alten Lieder", die ich vor Jahren geschrieben habe, neu.

Du bist erlöst worden, oder?

Ja! Wie ein Nebelschwaden im All, alles voller Energie und es ist Chaos, aber dann kommt der Moment, wo die Gaswolke sich verdichtet, es wird Materie und dann gibt es eine Sternschnuppe, der den Nebel verschluckt und dann macht's "peng"! und dann ist das ein neuer Stern. (Atmet durch) Ja, das war die Geburt eines Sterns.

Du findest deine Musik jetzt erwachsener, stimmt's?

Ja, allein, weil nicht alles selbstverständlich ist, das weiß ich jetzt. Außerdem bin ich natürlich älter und es sind alles MEINE Songs. Und keine Füll-Nummern. Die sind alle total ernst und ehrlich gemeint.

Das Hin und Her zwischen deutsch und englisch, ein Zufall?

Manche Sachen klingen eben in Deutsch, andere in Englisch besser. "I O U" und "Hier bin ich Sohn" zum Beispiel - die gingen nur so! 

Hattest du schon mal das Gefühl, etwas richtig versemmelt zu haben?

Ja, na klar. Aber so lange man niemanden verletzt, gehört das wohl dazu, damit kann ich leben. Und was ist schon ganz daneben? Womit ich nicht so gut leben kann, ist, wenn man mich einengt. Und der Satz: "Man macht das nicht" ist das Schlimmste.

Max Mutzke auf Tour:

Am 14. Juni schon live und gratis beim Kunstfest Pankow in Berlin, 20 Uhr.

16.09. Zürich , Exil
17.09. Wien , Porgy & Bess
18.09. München , Ampere
19.09. Aschaffenburg, Colossaal
21.09. Bremen, Modernes
22.09. Köln , Stadtgarten
23.09. Hannover, Musikzentrum
25.09. Kaiserslautern, Kammgarn
27.09. Stuttgart , Cann
28.09. Mannheim, Capitol
29.09. Nürnberg, Hirsch
01.10. Karlsruhe, Tollhaus
02.10. Oberursel, Stadthalle
03.10. Göttingen, Musa
04.10. Hamburg, Mojo Club
05.10. Berlin, Frannz Club

Mit Max Mutzke sprach Sabine Oelmann

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Quelle: n-tv.de

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