Musik

Vom Anhängsel zur Königin Tina Turner, still "Your Private Dancer"

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Hot legs - noch immer.

(Foto: REUTERS)

"That's What Friends Are For" hätte sie auch singen können, denn ohne Rod Stewart und David Bowie wäre sie zwar ganz sicher auch im Pop-Olymp gelandet, aber vielleicht nicht ganz so schnell. Tina Turners Geschichte ist die einer Kämpferin.

Anfangs war Tina Turner überhaupt nicht begeistert, diese poppigen Lieder für "Private Dancer" einzusingen. Sie ist schließlich eine Rock'n'Rollerin und keine Popsängerin! Aber das Album, das jetzt remastered und mit vielen Extras erscheint, hat sie zu einer der erfolgreichsten Künstlerinnen der Welt gemacht.

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Tina Turner, das Temperamentsbündel.

(Foto: AP)

Als 1984 "Private Dancer" herauskommt, hat Tina Turner schon so einiges durchgemacht. Hinter ihr liegen eine Ehe mit einem gewalttätigen Ehemann und Jahrzehnte des Tingelns durch  Amerika. Ike Turner verpasst ihr schon vor der Ehe den Namen Tina Turner. Mit diesem Künstlernamen will er Anna Mae Bollock an sich binden und kontrollieren, denn dumm ist er nicht. Ohne dieses Temperamentsbündel mit der gewaltigen Stimme hätte er einpacken können. Stattdessen trichtert er ihr ein, dass sie ohne ihn nichts sei. Und sie hat es lange geglaubt, sich schlagen und ausnutzen lassen.

Auf der Bühne hat man es nie gemerkt. Hits wie "A Fool In Love", "Proud Mary" oder "Nutbush City Limit" machen Ike and Tina Turner zu einem erfolgreichen Rock-Duo. Das ist damals in der Tat für schwarze Musiker ungewöhnlich, denn meistens steckt man sie in die R&B oder Soul-Ecke.

Im Juli 1976 findet die Amerikanerin endlich den Mut, sich von Ike Turner zu trennen. Nach der Scheidung bleiben die ganzen Schulden an ihr kleben, die aus unerfüllten Verträgen resultieren, die Ike vorher unterschrieben hatte. Ebenso schickt der Komponist seine beiden Söhne Ike Jr. und Michael aus der Ehe mit Lorraine Turner zu der Sängerin, damit sie bei ihr leben. Die Künstlerin hat selbst zwei Söhne: Raymond aus der Verbindung mit dem Saxophonisten Raymond Hill und Ronald aus der Ehe mit Turner. Tina Turner hält sich und die vier Jungs für die nächsten Jahre mit Live-Auftritten über Wasser, denn ihre Alben "Rough" und "Love Explosion" finden keine Abnehmer.

Berühmte Freunde

Ihr Schicksal ändert sich, als sich Roger Davies 1980 bereit erklärt, sie zu managen, denn er erkennt ihr Potential. Nicht nur er:  Rod Stewart nimmt mit Tina Turner 1981 das Duett "Hot Legs" auf und David Bowie überzeugt die Herren seiner Plattenfirma, dass man diesem Ausnahmetalent weiterhin einen Vertrag geben sollte. Ein Trip nach London erweist sich als Glücksfall: Ex-Heaven-17s Martyn Ware und Ian Craig Marsh möchten, dass sie für ihr Album "Balls of Confusion" singt - ein erster Achtungserfolg für die neue Solokünstlerin. Die Briten produzieren 1983 mit ihr den alten Al-Green-Klassiker "Let's Stay Together", der zum Hit wird. Das wiederum führt zu "Private Dancer", das 1984 erscheint und bei dem auch Erfolgsproduzent Rupert Hine seine Finger im Spiel hat. Tina Turner ist anfangs überhaupt nicht begeistert von den Liedern, die man ihr präsentiert. Songs wie "What's Love Got To Do With It" und "Private Dancer" sind ihr viel zu poppig - sie will rocken. Aber die so Unwillige wird von Plattenfirma wie Manager zu ihrem Glück gezwungen und siehe da: "Private Dancer" wird zu einem Riesen-Hit. Geschätzte 30 Millionen Mal verkauft sich das Album und macht Tina Turner zu einer der erfolgreichsten Sängerinnen in der Welt.

Vorbildfunktion für ihre weiblichen Fans

Die Plattenfirma verkauft es als großes Comeback, aber in Interviews will die vierfache Mutter nichts davon wissen - jetzt sei sie als Tina Turner unterwegs und nichts soll mehr an ihre Zeit mit Ike Turner erinnern. Es ist wahrscheinlich genau das, was sie in den Augen ihrer weiblichen Fans so attraktiv erscheinen lässt,  sie wird zu einem Vorbild. Hier ist eine, die eine harte Zeit hinter sich gelassen hat und es ihrem gewalttätigen Mann gezeigt hat. Wer hat denn nun Millionen von Platten verkauft, Grammys abgeräumt und Millionen in die Stadien gelockt? Von Ike Turner will niemand mehr etwas wissen. Von Tina umso mehr. Auch das Nachfolgeralbum "Break Every Rule" aus dem Jahr 1986 mit dem Hit "Typical Male" wird über 15 Millionen Mal verkauft. "Foreign Affair" mit dem Mega-Hit "The Best" verkauft sich 1989 ebenfalls wie geschnitten Brot.

Aber was Tina Turner auszeichnet, ist ihre Bühnenpräsenz, und von der können die Leute in den vergangenen Jahrzehnten nicht genug bekommen:  Gleich vier "Farewell"-Touren gibt sie - man nimmt ihr die Abschiedstouren gar nicht mehr ab. Ihre erste startet sie 1990 und die letzte findet 2005 statt. Es sind die Live-Auftritte, die ihren Status als Entertainerin festigen: Diese Frau weiß, wie man die Massen an sich bindet. Und es sind die Massen - in Brasilien beispielsweise singt sie vor einem Publikum von über 188.000 Menschen.

Mittlerweile lebt Tina Turner mit ihrem Gatten Erwin Bach zurückgezogen am Zürcher See und es sieht nicht so aus, als ob sie noch eine fünfte Abschiedstournee starten würden. Aber wenn - das Publikum wäre da, keine Frage.

Zugabe:

"What's Love Got To Do" - die Hollywoodverflmung von Tina Turners ebenfalls lesenswerter Autobiografie "Ich Tina. Mein Leben".

"Simply the Best": Dokumentation mit Interviews von Weggefährten, die alle das Hohelied auf Tina Turner singen.

Quelle: n-tv.de

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