Musik

Heino sagt "... und Tschüss" Wenn die Abendglocken Trauer tragen

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Beendet Heino wirklich seine Album-Laufbahn?

dpa

Atemübungen mit "Wolle" Petry und Karaoke mit Campino: Wenige Wochen vor seinem 80. Geburtstag bringt Heino sein finales Studioalbum an den Start. Na dann: Ohren zu und durch.

Zwischen Hamburg und München geht man so langsam, aber sicher auf die Barrikaden. Der Grund ist die Erkenntnis, dass das Jahr 2018 ein Arschloch ist - zumindest aus der Sicht von Leuten, denen der Erhalt von fundamentalen Landesgrößen lieb und teuer ist. Das Seuchenjahr der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und der schleichende Abgang von Angela Merkel hinterließen bereits dunkle Flecken auf dem schwarz-rot-goldenen Korsett. Und nun auch noch das: Heino sagt "  .. und Tschüss"!

Wie jetzt? Heino geht nicht mit Rammstein auf Tour, lässt nicht die nächste Wacken-Bombe platzen und sägt auch nicht am Jury-Stuhl von DSDS-Titan Dieter Bohlen? Nein, tut er nicht. Der Urvater des deutschen Schunkel-Schlagers hat fertig.

Nach über 50 Jahren auf nahezu allen Bühnen dieser Republik bittet der Bariton-Barde zum letzten Tanz. Mit im Gepäck hat Heino 14 neue Songs, die unter dem Albumtitel "... und Tschüss (Das letzte Album)" den letzten Wegweiser seiner im Frühjahr 2013 gestarteten Ich-kann-auch-anders-Klangreise markieren.

Stadion-Punks und Mauer-Rocker im Trachtengewand

Abermals dreht der Mann mit der Sonnenbrille und dem goldgelben Kopfschmuck das Schaffen anderer durch den ureigenen Klingklang-Fleischwolf. Diesmal sind es die Vorzeige-Hits von Trio ("Da, Da, Da"), Kraftwerk ("Das Model") und Xavier Naidoo ("Dieser Weg"), die, im Karaoke-Modus eingeträllert, für den Final Countdown auf der Foxtrott-Tanzfläche herhalten müssen. Auch die Toten Hosen ("An Tagen wie Diesen") und Karat ("Über sieben Brücken musst du geh'n") werden zur Abschlussparty eingeladen. Stadion-Punks und Mauer-Rocker im Trachtengewand: Heino brummt nahezu jedes Genre in Grund und Boden.  

Neben den in puncto Sound und Spielfreude zwischen Not und Elend pendelnden Cover-Versionen lässt Heino auch noch dreimal im Selfmade-Modus die Hosen runter ("Ich atme", "Meckie Messer", "Und Tschüss"). Hand in Hand mit Wolfgang Petry ("Ich atme") bringt Heino zum Ende seiner Laufbahn endlich Licht ins Dunkel. Von wegen Schlager-Roboter: "Ich lebe, ich liebe, ich atme und ich fühle", schallt es aus den Boxen. Befeuert von einer tanzwütigen Melange aus plumpen Linkin-Park-Einwürfen und neuzeitlichem Helene-Fischer-Gepumpe katapultieren sich Heino und "Wolle" ins Schlager-Pop-Nirgendwo.

Was zu viel ist, ist zu viel

Gepeinigt von Tristem aus der Branchen-Hölle sperrt der Hörer kurz vor Feierabend dann aber doch nochmal die Lauscher auf. Mit großen Augen vor der Goldene-Schallplatten-Sammlung seines Papas stehend setzt Enkelsohn Sebastian Kramm ein beeindruckendes Deutschpop-Ausrufezeichen ("Der Junge mit der Gitarre"). Knapp vier Minuten später platzt auch Heinos Gattin Hannelore mit der Tür ins Haus und lässt für ihren Mann rote Rosen vom Himmel regnen ("Für dich soll's rote Rosen regnen").

Ende gut, alles gut? Nicht wirklich. Für die zweite Disc der Special Edition kramt Heino nochmal all seine Urzeit-Klassiker aus dem Archiv. Jetzt habe auch ich fertig. Was zu viel ist, ist zu viel.

Heino-…und Tschüss (Premium Edition + Bonus-CD)
EUR 16,99
*Datenschutz

Quelle: n-tv.de

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