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"Tatort" aus Münster Das doppelte Langweilerchen

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Das doppelte Boernchen (Jan Josef Liefers, l. und r.) hat nichts Besseres zu tun, als Brillen zu tauschen.

(Foto: WDR/Thomas Kost)

Boerne und Thiel sind auf der Jagd nach dem nächsten Quotenrekord. Bleibt nur zu hoffen, dass sie ihn mit "Spieglein, Spieglein" nicht knacken: Der neueste Fall aus Münster ist sogar für die Begriffe der Klamauk-Ermittler ein spektakulärer Tiefschlag.

17 Jahre. So lange jagen Kommissar Thiel (Axel Prahl) und sein Rechtsmediziner Boerne (Jan Josef Liefers) bereits Seite an Seite Verbrecher. Schon seit einer Weile zeigen die beiden Klamauk-Ermittler dabei Ermüdungserscheinungen - aber dazu später mehr. Nach 17 Jahren ist nämlich auch genug Zeit ins Land gegangen, um Boerne und Thiel mit den von ihnen inhaftierten Altlasten zu konfrontieren. Aber weil Münster eben Münster ist und zu viel Ernsthaftigkeit die Quote belasten könnte, braucht es natürlich noch einen zweiten Aufhänger, bei dem man besser in der Flachwitzkiste kramen kann.

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Sexualmörder Sascha Kröger (Arnd Klawitter) gibt sich geläutert - aber ist er es auch?

(Foto: WDR/Thomas Kost)

Die Lösung: Doppelgängermorde. Erst wird auf der Münsteraner Domplatte eine Frau ermordet, die Staatsanwältin Klemm (Mechthild Großmann) zum Verwechseln ähnlich sieht. Dann muss eine kleinwüchsige Bekannte von Boernes Kollegin Haller (Christine Urspruch) dran glauben. Und schließlich auch noch ein Taxifahrer, der dem Vater von Thiel (Claus D. Clausnitzer) wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Die Nächsten in der Reihe wären dann logischerweise die Doppelgänger von Boerne und Thiel - und das versuchen die beiden Originale um jeden Preis zu vermeiden.

"Spieglein, Spieglein" will Krimi und Doppelgängerkomödie in einem sein und scheitert wie schon die vorangegangen Episoden an der eigenen Formelhaftigkeit. Boerne und Thiel arbeiten sich mit den üblichen Frotzeleien aneinander ab, die Morde sind wie üblich austauschbar. Das fällt allerdings umso stärker auf als sonst, weil Liefers und Prahl zunehmend das Interesse an ihrer jeweiligen Rolle zu verlieren scheinen.

Quotensieg trotz Niveaulimbo?

"Nur weil ich ein Narzisst bin, heißt das nicht, dass sich nicht tatsächlich alles um mich dreht", sagt Boerne irgendwann zu Thiel. Und es dreht sich tatsächlich alles um die beiden Hauptdarsteller, viel stärker noch als in anderen "Tatorten". Wenn also Boerne und Thiel wanken, wankt auch das gesamte Münster-Gerüst - ganz egal, wie man dem Klamauk-Konzept generell gegenübersteht. Diesmal wanken beide ziemlich bedrohlich.

Dass der Rest des Films einem ZDF-Vorabendkrimi hinterherzuhecheln scheint, macht das Gezeigte nur noch schlimmer. Dabei hätte Regisseur Matthias Tiefenbacher durch die Konfrontation mit Boernes und Thiels Altlasten tatsächlich etwas Tiefe in die Folge bringen können. Hat er aber nicht. Stattdessen sehen die Zuschauer genau das, was sie auch in den vergangenen Jahren gesehen haben - nur noch schlechter als sonst. Den Quotensieg dürfte dieses Trauerstück trotzdem allemal einfahren.

Quelle: n-tv.de