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Alte Wunden sitzen tief Der Brandenburg-"Polizeiruf" im Schnellcheck

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Hat einen Finger gefunden: Kommissar Raczek (Lucas Gregorowicz)

(Foto: ARD)

Mehr als 70 Jahre sind seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs vergangen - und vor allem im polnisch-deutschen Grenzgebiet hört sich das mit der Völkerfreundschaft bisweilen noch wie blanker Hohn an. "Heimatliebe" macht die Spannungen zum Thema eines Krimis.

Das Szenario

Der polnische Landwirt Wojciech Sekula (Grzegorz Stosz) bewirtschaftet mit seinem Sohn Tomasz (Joshio Marlon) und seiner deutschen Frau Jenny (Anna König) einen kleinen Bauernhof nahe der deutschen Grenze. Obwohl die Einkünfte kaum zum Leben reichen, weigert sich Sekula, seinen Hof für gutes Geld an einen großen Agrarkonzern aus dem Nachbarland zu verkaufen. Doch dann brennt eines Nachts erst der Kuhstall mitsamt all seinen Bewohnern bis auf die Grundmauern nieder, nur drei Tage später wird Bauer Sekula von Unbekannten erschlagen. Sohn Tomasz beteuert, die Angreifer hätten Deutsch gesprochen - ein Fall für das deutsch-polnische Kommissariat.

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Haben eine gemeinsame Vergangenheit: Kommissarin Lenski (Maria Simon, r.) und die von Seedow-Winterfelds (Gudrun Ritter, Hanns Zischler.

Während sich Olga Lenski (Maria Simon) auf der deutschen Seite mit dem schwer bewaffneten und leicht reizbaren Reichsbürger-Verschnitt Laschke (Waldemar Kobus) herumschlagen muss, folgt ihr Kollege Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) in Polen der Spur eines abgetrennten Fingers. Später wird klar: Die beiden Fälle sind untrennbar miteinander verbunden, und ein alter Bekannter Lenskis scheint das Bindeglied zu sein: Roland von Seedow-Winterfeld (Hanns Zischler). Auf dem Land, das heute von den Sekulas bewirtschaftet wird, stand vor dem Krieg der Gutshof der von Seedow-Winterfelds - und die adeligen Vertriebenen möchten immer noch um jeden Preis zurück in ihre Heimat.

Die eigentliche Botschaft

Mehr als 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind die deutsch-polnischen Beziehungen vor allem im Grenzgebiet immer noch kompliziert - um es vorsichtig zu formulieren.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

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Will die alten Grenzen zurück: Jaschke (Waldemar Kobus)

Über die letzte Szene des Films: Raczek und Lenski fahren zusammen nach Hause und teilen sich dabei das Gras, das sie von Tomasz konfisziert haben. Eine kiffende Polizistin am Steuer? Na dann…

Der Plausibilitätsfaktor

Das Thema ist klug gewählt, bei der Ausarbeitung hapert es allerdings: Autor und Regisseur Christian Bach hat ein paar Volten zu viel eingebaut, um diesen "Polizeiruf" noch so richtig plausibel zu finden.

Die Bewertung

6,5 von 10 Punkten. "Heimatliebe" endet ebenso stark, wie der Film beginnt. Das Ende bekommen allerdings nur Zuschauer mit gut trainiertem Sitzfleisch mit, weil sich der Mittelteil wie Kaugummi ziiiiieeeeht.

Quelle: n-tv.de

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