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Wahn und Wirklichkeit Der Schwarzwald-"Tatort" im Schnellcheck

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Verstört und verstörend: Damian (Thomas Prenn)

(Foto: SWR)

Ein Wald, drei Tote und eine Handvoll psychischer Erkrankungen: Das ist das Grundrezept für den neuen Fall aus dem Südwesten der Republik. Wenn dann noch zwei schlaflose Ermittler und clevere Twists dazukommen, steht einem großen Krimierlebnis nichts mehr im Wege.

Das Szenario

Ein Doppelmord erschüttert den Schwarzwald und die Kommissare Tobler (Eva Löbau) und Weber (Carlo Ljubek) tappen ganz gewaltig im Dunkeln. Der Fall kostet die beiden Ermittler derart viel Energie, dass an Schlaf kaum noch zu denken ist - Tobler und Weber irrlichtern wie in einem Fiebertraum durch den Film. Umso mehr, als im selben Waldstück auch noch eine bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leiche gefunden wird.

Der titelgebende "Damian" wird schnell zum Hauptverdächtigen, weil er mit irrem Blick und nur in Unterwäsche bekleidet nachts durch den Wald unweit der Tatorte joggt und sich auch sonst enorm verdächtig verhält: Der Jurastudent leidet an einer Psychose, hört Stimmen und verletzt sich selbst, um vermeintliche Mikrochips aus seinem Körper zu entfernen. Doch während Damian für sich selbst ganz klar eine Gefahr ist, erhärtet sich der Verdacht gegen ihn nicht. Stattdessen rückt ein selbsternannter Frauenheld (Johann von Bülow) in den Fokus der Ermittler, der nicht nur gerne Damenunterwäsche stiehlt und damit posiert, sondern auch unweit der Tatorte einen BMW geklaut hat. Und am Ende kommt dann doch wieder alles ganz anders.

Die eigentliche Botschaft

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Wissen nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht: Tobler (Eva Löbau und Weber (Carlo Ljubek).

(Foto: SWR/Benoit Linder)

Psychische Krankheiten können auf Außenstehende verstörend wirken, die irrationalen Aktionen und Reaktionen der Erkrankten machen mitunter Angst. Eine Angst, die in den meisten Fällen unbegründet ist: Wer an einer Psychose leidet, ist in der Regel keine größere Gefahr für sein Umfeld als gesunde Menschen. Und doch hält die Stigmatisierung in der Gesellschaft weiter an.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Der durch clevere Schnittarbeit erzeugte Twist am Ende des Films: Spätestens hier fällt den Zuschauern die Trennung zwischen Wahn und Wirklichkeit genauso schwer wie Damian selbst.

Der Plausibilitätsfaktor

Hoch. Psychische Erkrankungen sind eine Volkskrankheit, die immer noch die wenigsten in ihrer ganzen Tragweite auf dem Schirm haben: Mehr als 18 Millionen Bundesbürger leiden an einer mehr oder weniger stark ausgeprägten psychischen Erkrankung, darunter fallen zum Beispiel Angststörungen, Depressionen und Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch. Immerhin noch rund zwei Prozent aller Deutschen erleiden mindestens einmal in ihrem Leben eine Psychose.

Die Bewertung

8,5 von 10 Punkten. "Damian" ist ein ganz starker Krimi, der obendrein noch stabile Aufklärungsarbeit zu psychischen Krankheiten leistet.

Quelle: n-tv.de

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