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Kölner "Tatort" Die Polizei, unser Freund und Prügelknabe

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Schenk (Dietmar Bär, l.) und Ballauf (Klaus J. Behrendt) wollen herausfinden, wie fischig die Geschäfte der Feinkost-Russen tatsächlich sind.

(Foto: WDR/Martin Valentin Menke)

Ein abgehalfterter Streifenpolizist führt einen Kleinkrieg gegen die übermächtigen Mitglieder der nordrhein-westfälischen Russenmafia. Doch ist es tatsächlich ein Kampf Gut gegen Böse oder verrennt sich der Straßencop in seinen eigenen Wahnvorstellungen?

Nächtliche Verkehrskontrollen gehören mit Sicherheit nicht zu den beliebtesten Aufgaben im Alltag eines Polizisten: Es ist dunkel. Es ist kalt. Die Beamten müssen sich mit Betrunkenen herumschlagen. Und dann sind da auch noch die von der Russenmafia verfolgten Drogensüchtigen, die sich der Kontrolle entziehen wollen, im vollen Galopp vor eine Straßenbahn laufen und auf der Stelle ziemlich tot sind. Von Letzteren gibt es zum Glück nicht allzu viele. Was für den Streifenpolizisten Frank Lorenz (Roeland Wiesnekker) allerdings nur ein schwacher Trost ist: In seiner Schicht ist genau das passiert.

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Hat ein ausgewachsenes Drogenproblem: Mirco Pohl (Vincent Redetzki)

(Foto: WDR/Martin Valentin Menke)

Der Auftakt des neuen Kölner "Tatort" verspricht einen Krimi nach klassischer Machart: Drogen, Russen, das Übliche eben. Dass es dann ganz anders kommt, liegt an Streifenpolizist Lorenz, der eigentlich gar kein Streifenpolizist ist - sondern ein früherer Kollege des Kölner Ermittlers Freddy Schenk (Dietmar Bär). Lorenz ging zu Beginn seiner Karriere als Kriminaler nach Düsseldorf, um die große Liebe zu finden. Und kehrt Jahre später degradiert, ohne Frau, dafür aber als trockener Alkoholiker mit fast schon rittlerlichem Gerechtigkeitssinn zurück nach Köln, um dort ordentlich aufzuräumen.

Der Freundschaft der beiden Polizeischulfreunde tut die Einmischung des "Streifenhörnchens", wie sich Lorenz selbst verspottet, nicht sonderlich gut, dem Film dafür sehr: Je tiefer die Ermittler in den Fall einsteigen, desto unübersichtlicher wird die Situation. Gibt es in der Kölner Polizei einen Maulwurf? Ist Lorenz tatsächlich einem ganz großen Verschwörungskomplott auf der Spur? Und was ist denn nun eigentlich mit den Russen und all den Drogen?

Schlechtes Timing

Die Drehbuchautoren Jan Martin Scharf und Arne Nolting spielen bei "Weiter, immer weiter" gekonnt mit den unterschiedlichen Perspektiven ihrer Protagonisten, ziehen gleich mehrere Ebenen ein - und schaffen es bis zum Schluss, die Frage offenzuhalten, wo die Realität aufhört und der (Verfolgungs-)Wahn beginnt.

Dass es trotzdem nicht zu allerhöchsten Weihen reicht, liegt ausgerechnet am Timing: Vor gerade einmal zwei Wochen lief mit "Damian" ein "Tatort" über psychische Krankheiten, der in seiner Intensität seinesgleichen sucht. Im direkten Vergleich kann "Weiter, immer weiter" also nicht ganz mithalten, was aber nicht heißen soll, dass es sich um einen schlechten Film handelt - vor allem nicht für Kölner Verhältnisse. Dafür sorgt neben der dichten Atmosphäre des Streifens vor allem Roeland Wiesnekkers Spiel: Der Mann mimt den abgehalfterten Polizisten mit einer Eindringlichkeit, die ihresgleichen sucht. Mehr davon bitte!

Quelle: n-tv.de

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