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Magdeburger "Polizeiruf 110" Ein Dorf voller Mörder

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Verzweifelt am Schweigen der Dorgemeinschaft: Kommissarin Brasch (Claudia Michelsen)

(Foto: Stefan Erha/ MDR)

Im ersten "Polizeiruf" nach der Sommerpause müssen die Zuschauer Abschied von einem der Magdeburger Ermittler nehmen. Nicht so schlimm, könnte man meinen: Richtig eingespielt war das Team ohnehin nie - doch ausgerechnet im letzten Fall ändert sich das.

Der Magdeburger "Polizeiruf 110" gehörte in den vergangenen Jahren nun wirklich nicht zu den Aushängeschildern der deutschen Krimilandschaft: Die Fälle wirkten häufig konstruiert und die Hauptfiguren waren so stark überzeichnet, dass man sich nur mit viel gutem Willen - wenn überhaupt - mit ihnen identifizieren konnte. Nach sechs gemeinsamen Folgen trennen sich deshalb die Wege von Kommissarin Brasch (Claudia Michelsen) und ihrem Kollegen Köhler (Matthias Matschke). Und ausgerechnet in ihrem letzten Fall zeigen die beiden, wie schön es mit ihnen hätte sein können.

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Trinkt gerne Milch und ist ansonsten ein ziemlicher Despot: der Dorfälteste (r.).

(Foto: Stefan Erha/ MDR)

Aber von vorn: In einem Wald bei Magdeburg entdeckt ein Jäger ein abgestelltes Auto, der Kofferraum trieft vor Blut. Die Suche nach dem Halter des Wagens führt Brasch und Köhler in ein nahegelegenes Dorf, in dem idyllische Ruhe zu herrschen scheint. Brasch traut der Ruhe nicht, weil sie "kein Kinderlachen" hört. Dafür finden die Ermittler aber immerhin die hochschwangere Verlobte (Katharina Heyer) des Autobesitzers, die nicht glauben will, dass ihr Jurij nicht mehr unter den Lebenden weilt.

Je weiter sich Brasch und Köhler durchs Dorf fragen, desto klarer wird, dass der verschwundene und mittlerweile wohl ziemlich tote Jurij ein Stachel im Fleisch der eingeschworenen Dorfgemeinschaft war: Den Frauen des Ortes verdrehte Jurij reihenweise den Kopf und "besprang alles, was nicht bei drei auf den Bäumen war", wie eine Nachbarin weiß. Der Rest der Bevölkerung fühlte sich bedroht von dem charismatischen Mann, der keine Grenzen zu kennen schien und schon mal dem Vater seiner Verlobten 100.000 Euro für einen neuen Sportwagen abpresste. Schnell wird klar, dass Jurij genug Feinde hatte, um dem halben Dorf ein Mordmotiv unterstellen zu können. Und genau das tun die Magdeburger Ermittler dann auch.

In diesem Krimi steckt viel Wahrheit

"Mörderische Dorfgemeinschaft" macht schon im Titel so klar wie nur irgend möglich, worum es in den folgenden 90 Minuten geht. Erstaunlicherweise nimmt das Wissen um die Mörder Jurijs kaum Spannung aus dem Film, weil der Fokus auf die Eigendynamiken einer verschlossenen Dorfgemeinschaft ganz wunderbar funktioniert. Man fühlt sich stark an Juli Zehs großartigen Roman "Unterleuten" erinnert, in dem die Schriftstellerin ebenfalls das Psychogramm eines brandenburgischen Dorfes zeichnet. Verständlicherweise erreicht "Mörderische Dorfgemeinschaft" längst nicht die Tiefe des Romans, aber jeder, der aus einem kleinen Dorf kommt oder dort lebt, weiß: In diesem Krimi steckt viel Wahrheit.

"Dieses verdammte Dorf, die stecken alle unter einer Decke. Die reden viel, aber keiner sagt was", macht die genervte Brasch ihrem Ärger irgendwann Luft. Ein Satz, in dem eine gewisse Ironie mitschwingt, schließlich war es bislang die Angewohnheit der Magdeburger Kommissare, viel zu reden, aber wenig zu sagen. Zum großen Finale ist das nun endlich anders. Wobei man über Köhlers Abschied ruhig ein paar mehr Worte hätte verlieren können. Oder zumindest eines. So aber geht der Ermittler in etwa so, wie er 2015 an Bord gekommen ist: ohne großes Brimborium.

Quelle: n-tv.de

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