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"Promis unter Palmen" "Nüchtern halte ich das hier nicht aus!"

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Désirée Nick schubst ihre Erzfeindin Claudia Obert.

(Foto: Sat1)

Der Auftakt war sehr vielversprechend. Viele Trash-TV-Fans sind gespannt auf Folge zwei. Die toppt alles vorher Dagewesene. La Nick spuckt Gift und Galle. Die Szenerie erinnert an einen von Kinskis legendären Ausrastern. Das Netz feiert.

Was haben sich viele Zuschauer über die neue Trash-TV-Perle "Promis unter Palmen" gefreut! Das Reality-Format startete fulminant, wurde sogar mit Trash-TV-Hochkarätern wie "Das Dschungelcamp" oder "Das Sommerhaus der Stars" verglichen. Nun können die Leute selbstverständlich der Meinung sein, es zieme sich nicht, in diesen Zeiten Trash-TV zu schauen, aber es ist natürlich jedem selber überlassen, was man sich im Fernsehen anschaut und an welchen Formaten man Freude und Kurzweil empfindet. "Promis unter Palmen" scheint prädestiniert für beides zu sein.

Worum geht's: Zehn Z-Promis, die für Kohle "alles" machen würden, lungern eine Weile in einer Luxusvilla in Thailand rum und bespaßen den Zuschauer mit Intrigen, "Konfro" und - wie wir es von derlei Shows gewohnt sind - mal mehr mal weniger erotischen Schlüpfrigkeiten.

Aus der ersten Folge haben wir mitgenommen, dass Désirée Nick noch immer nicht auf den Mund gefallen ist. Aber erstens scheint sie etwas gegen junge Frauen, die sie gern als "dumm, plump und talentlos" beleidigt, und zweitens ein großes, unverarbeitetes Problem mit Claudia Obert zu haben. Weil es sich zu zweit aber schöner lästert, schnappt sich La Nick für ihre filmreifen Intrigen Matthias Mangiapane - ein nur allzu bereitwilliges Fähnchen im Wind mit beschränktem Wortschatz. Schauen wir uns die zweite Folge genauer an, denn das Unheil zieht, wie wir es kennen, mit ein paar harmlosen Gewitterwölkchen auf.

Nick vs. Obert: "Elende Kröte, durchtriebene Bitch"

Tobi, süße Blitzbirne mit gutem Herzen aus der Harmonie-Truppe, möchte sich gern auf den "Fokus fokussieren" und mit dem Team "an einem Strick ziehen", "Kapitän" Yotta hält mit ein paar "Glücksbärchen" seinen berühmten Miracle Morning ab und die jungen Damen des Hauses (Janine Pink, Eva und Carina Spack) haben jede Menge Spaß, als der Muskelprotz sich nach erfolgreicher, sportlicher Betätigung halbnackt in Evas Bett legt, um sich von ihr liebevoll - Achtung, ekelig! - einen fetten Pickel ausdrücken zu lassen.

Man spielt gemeinsam Spiele, lässt sich die Sonne auf den Pelz scheinen und Claudia Obert hat nicht nur größtes Trash-Königinnen-Potential, sondern auch sehr viel Durst. Im Grunde immer, denn: "Nüchtern halte ich das hier nicht aus!" Erstmal ein Schlückchen Schampus - à votre santé!

Was folgt, ist die thailändische Version vom "Rumble in the Jungle" - Désirée Nick vs. Claudia Obert: La Nick kann die Obert nämlich "seit 20 Jahren" nicht leiden, weil diese "durchtriebene Bitch" die "Etikette" missachte, es bei ihr aussehe wie in einem "Bangkok-Puff" und sie sich obendrein an Promis ran schleime, wie einst vor vielen Jahren wohl auch an Madame Nick. Die Kabarettistin und ihr Lakai MaMa sitzen mit den anderen Promis gemeinsam am Frühstückstisch und hetzen in einer Tour über die nicht anwesende Lebedame Obert. Den Leuten am Tisch wird die zunehmende Lästerei immer unangenehmer. Bald schon wirken sie fast so verängstigt wie die Ureinwohner in einer der berühmten Ausraster-Szenen von Klaus Kinski am Filmset von "Fitzcarraldo".

Die Situation spitzt sich mehr und mehr zu und ist bald schon so feindselig aufgeladen, dass dem Zuschauer das Lachen im Halse stecken bleibt. Trash-TV-Kenner wissen: Vieles in Reality-Formaten ist geskriptet, schließlich mögen die Zuschauer, wenn es rumst. Doch man muss kein Experte im Lesen von Körpersprache sein, um zu sehen, dass hier nichts oder nur sehr sehr wenig gespielt ist. Tobi Wegener ist wirklich so geschockt, dass ihm die Tränen über die Wangen kullern, Yotta ist tatsächlich fassungslos und sowohl Janine als auch Carina blicken wie versteinert ins Nichts, während Claudia all den Hass, der sich durch La Nick und ihren Schildknappen Mangiapane über sie ergießt, noch immer nicht ganz zu begreifen scheint. Reality-TV im Modus Schonungslos.

Eine Intellektuelle ohne intelligente Gedanken

Die als "elende Kröte" bezeichnete Claudia versucht, der Boshaftigkeit zuerst mit Humor zu begegnen: "No dope, no hope". Doch nicht nur sie, auch viele Zuschauer begreifen nicht, woher diese aggressive, hemmungslose "Antipathie" von dieser Frau kommt, die laut Obert "hohl wie eine Bongotrommel" sei. Als die Boutique-Besitzerin an den Hetzern vorbei scharwenzelt und einen ihrer flotten Sprüche abliefert - wir erinnern uns: Es wird in einer Tour hinter ihrem Rücken gelästert - eskaliert die Situation. Mangiapane, bei genauerer Betrachtung ein unangenehmes Frettchen, das Frauen, die nicht nach seiner Pfeife tanzen als "dumme Weiber" bezeichnet, plärrt, ihm reiche es jetzt. Man weiß aber immer noch nicht so richtig, wieso, denn ihm persönlich hat Obert nicht das Geringste getan.

Nun versucht natürlich auch die "Brunnenvergifterin" mit ihrem "ekelhaften, blöden Maul", sich verbal zu verteidigen. Sie sagt über La Nick: "Die fühlt sich als Intellektuelle und hat noch nie einen intelligenten Gedanken gehabt!" Es wird jetzt körperlich. Obert meint, Désirée solle sich mal nicht so "echauffieren", da springt diese kurzerhand auf, brüllt sie an ("Halt deine Fresse!") und schubst sie schließlich, weil sie es wohl anders gar nicht begreife: "Bei dir spricht die Fresse Bände, du vergiftest junge Mädchen mit deiner erfundenen Lebensgeschichte!"

"Ich hab' dir packen geholfen!"

Während die anderen Mitbewohner nur noch die Rolle der Statisten einnehmen, findet Ronald Schill, dieser Wahnsinn sei "ganz großes Kino". Tatsächlich empfindet man es aber eher wie Ex-Pinki Tobi als "krank" und "heftig", dass La Nick plötzlich "hochgeht wie'n Dampfkocher". Als habe die gemütliche Schnapsdrossel dreihundert Katzenbabys ersäuft, rennt die Furie in die Villa, vergreift sich an Oberts Klamotten und wirft deren Koffer samt aller Habseligkeiten die Treppen hinunter: "Ich hab' dir packen geholfen!"

Es ist sehr reizüberflutend, das alles, begleitet von maßlosem Overacting. Was bei "Promis unter Palmen" in zehn Minuten geschieht, hat man bei "IBES" in zehn Tagen nicht gesehen. Sich selbst sieht La Nick, die im Gegensatz zu den jungen Schönen, die allesamt "Fake" seien, als Frau, die "abliefert". Sie provoziert. Entweder man liebt oder man hasst sie. Unsere geliebte "Konfro" ist die Würze eines jeden Reality-Formats. Nick überspannt den Bogen dermaßen, dass man sich - wie Claudia - fast selbst einen genehmigen muss, um keinen Trash-Knacks zu kriegen. Da verkommt es schon fast zur Nebensächlichkeit, dass am Ende Eva diesen "unmenschlichen Ort" verlassen muss. Im Grunde hat sie pures Glück, Désirées Inferno damit entkommen zu sein.

Quelle: ntv.de