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Verschwörungs-"Tatort" aus Wien Österreich, ein schmutziges Land

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Fellner (Adele Neuhauser) und Eisner (Harald Krassnitzer) vor dem Auto der ermordeten Journalistin

(Foto: ARD Degeto/ORF/Cult Film/Petro D)

Früher war Fernsehen einfacher: Es gab die Guten und es gab die Bösen. Dazwischen war häufig nicht viel. Heute sind die Sendungen oft genauso komplex wie die Realität außerhalb des Wohnzimmers. Im Wiener "Tatort" bemüht man dagegen die alten Zeiten.

Im österreichischen "Tatort" gehört es zum guten Ton, das in malerischer Umgebung gestorben wird - nicht immer, aber doch oft. Auch diesmal ist das nicht anders: Bei einer Übung entdeckt die Feuerwehr in den Tiefen des Wolfgangsees ein versunkenes Auto; am Steuer eine erschossene junge Frau, der man eine Pistole an die Hand getaped hat. Das ist nicht schön anzusehen - ganz im Gegensatz zu der grandiosen Landschaft, die die Ermittler Eisner (Harald Krassnitzer) und Fellner (Adele Neuhauser) auf ihrem Weg zum Tatort zu sehen bekommen. Da lohnt sich die dreistündige Anfahrt aus Wien dann schon, zumal ja auch die Zuschauer etwas davon haben.

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Über den Dächern Wiens trifft das alte auf das neue Österreich.

(Foto: ARD Degeto/ORF/Cult Film/Petro D)

Dass der Rest des Falls dann doch wieder in Wien spielt, ist trotzdem praktisch: So wenig die beiden Ermittler fürs Landleben gemacht sind, so wohl fühlen sie sich beim Kampf gegen die Großkopferten aus Politik und Wirtschaft und ihre Seilschaften. Und damit haben Eisner und Fellner auch diesmal alle Hände voll zu tun: Die ermordete Frau war eine Hamburger Investigativjournalistin, die einem vermeintlichen österreichischen Waffenschieber mit Verbindungen in die hohe Politik auf den Fersen war. Und deswegen sterben musste?

"Wahre Lügen" kommt als Verschwörungskrimi in ziemlich klassischem Gewand daher: Die Wiener Kommissare sind trotz ihrer raubeinigen Art durch und durch gute Polizisten, die in einem verfaulten System nicht nur gegen den fischigen Unternehmer Schrägstrich Waffenschieber Weimann (Robert Hunger-Bühler) ermitteln, sondern sich auch noch mit seinen Hintermännern herumschlagen müssen. Obendrein machen Fellner und Eisner zwei glattgebügelte Karrieristen von der Inneren Sicherheit das Leben schwer und behindern die Ermittlungen, wo es nur geht.

Einmal Kurz, bitte!

Die Seiten sind in diesem "Tatort" also ganz klar abgesteckt. So realitätsfern und so wenig zeitgerecht dieser Verzicht auf Grautöne in der Erzählung auch sein mag, so gut funktioniert er immer noch: Es ist zur Abwechslung einfach mal wieder schön, als Zuschauer ganz klar zwischen Gut und Böse unterscheiden zu können.

Doch Retroanleihen hin oder her, "Wahre Lügen" übertreibt es mit den Rollenklischees. Muss der Chefredakteur einer Boulevardzeitung wirklich ein künstlerschaltragender Schmierlappen und der Waffenschieber schon anhand seiner düsteren Mimik als Bösewicht erkennbar sein? Und müssen die beiden Mitarbeiter von der Inneren Sicherheit tatsächlich die goldene Krimiregel übererfüllen, nach der Staatsschützer immer gegen den Staat arbeiten müssen? Während der männliche der beiden auch noch wie eine originale Kopie des österreichischen Kanzlers Sebastian Kurz aussieht? Ohjemine…

Quelle: n-tv.de

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