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Psychosen-"Tatort" Schlaflos im Schwarzwald

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Bekommen zu wenig Schlaf: Tobler (Eva Löbau) und Weber (Carlo Ljubek).

(Foto: SWR)

Der Schwarzwald wird im neuen "Tatort" aus der Region seinem Ruf mal wieder gerecht: Düster geht es zu, gleich drei Menschen sterben unter mysteriösen Umständen. Und die Lebenden leiden unter einem bunten Strauß psychischer Krankheiten.

Wenn ein junger Mann nachts in Unterwäsche durch den Schwarzwald joggt und mit irrem Blick in unmittelbarer Nähe eines Tatorts aufgegriffen wird, klicken in den Köpfen der diensttuenden Polizisten schon mal die imaginären Handschellen: Wer sonst sollte für den Doppelmord an einem Pärchen verantwortlich sein, wenn nicht der psychotische Jurastudent, nach dem der neue "Tatort" benannt ist? Erfahrene Zuschauer wissen dagegen natürlich, dass der Täter äußerst selten bereits nach den ersten Minuten geschnappt wird - im Fall von "Damian" ist das nicht anders.

Dafür ist im Schwarzwald diesmal fast alles andere anders als sonst. Das fängt bei der Besetzung an: Kommissar Weber (Carlo Ljubek) vertritt den wegen eines Skiunfalls unpässlichen Kollegen Berg (Schauspieler Hans-Jochen Wagner fiel tatsächlich wegen einer Viruserkrankung aus) und harmoniert dabei ganz wunderbar mit Kommissarin Tobler (Eva Löbau). Die beiden Schwarzwald-Cops gehen ohnehin schon wegen des Doppelmords auf dem Zahnfleisch. Als dann auch noch eine verbrannte Leiche im selben Forst auftaucht, sind die beiden Ermittler endgültig schlaflos im Schwarzwald.

Wie in einem Fiebertraum

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Hört Stimmen: Damian (Thomas Prenn)

(Foto: SWR/Benoit Linder)

Regisseur Stefan Schaller schafft es meisterlich, dieses merkwürdige Losgelöstsein von der Realität, das die chronische Schlaflosigkeit bei den Ermittlern auslöst, an die Zuschauer weiterzureichen - "Damian" wirkt in weiten Teilen wie ein Fiebertraum. Verstärkt wird das Gefühl noch durch die schrägen Charaktere und Verdächtigen, mit denen sich die Kommissare herumschlagen müssen. Da ist zum Beispiel der selbsternannte Frauenheld Peter Trelkovsky (Johann von Bülow), der in seinem heimischen Bauwagen gerne in Damenunterwäsche posiert, seine Hunde einschläfert, bevor er auf Montage fährt, ab und zu mal ein Auto von einem Waldweg klaut und sich auch sonst eher verdächtig verhält.

Ein absoluter Glücksgriff ist auch der eigentliche Hauptdarsteller des Films, der namensgebende Damian. Thomas Prenn spielt den psychotischen Jurastudenten mit einer Eindringlichkeit, die ihresgleichen sucht: Wenn sich der junge Mann mit dem gequälten Gesicht selbst ohrfeigt, vor einem imaginären Verfolger flieht oder sich einen vermeintlichen Mikrochip aus der Haut kratzen will, leidet man als Zuschauer mit. Und obwohl Damian wie die meisten Menschen mit Psychose vor allem für sich selbst eine Gefahr ist, wollen das eigene Gehirn und die Angst vor der Andersartigkeit den armen Jungen bis zum Schluss zum Täter machen.

Der abschließende Twist sorgt dann für eine späte und ziemlich schockierende Auflösung - und hinterlässt ein Gefühl der Scham über die zuvor gedachten Gedanken zurück. "Damian" ist damit nicht nur ein Krimi mit einer ganz besonderen Atmosphäre, der Film ist auch ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie eine effektive Aufklärung über psychische Krankheiten laufen kann. Und das ganz ohne erhobenen Zeigefinger oder platte Vereinfachungen. Großes Kino!

Quelle: n-tv.de

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