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Rebellin im Undercover-Einsatz Vox schickt eine "Rampensau" zur Schule

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Jasna Fritzi Bauer in der Rolle der rebellischen Shiri Conradi, die wirkt, als habe man sie ihr auf den Leib geschrieben.

(Foto: TVNOW)

In der vierten eigenproduzierten Serie von Vox spielt Jasna Fritzi Bauer eine Schauspielerin, die sich aus der Not heraus an einer Schule als Undercover-Ermittlerin verdingt. Die Vorlage dazu stammt von der Israelin Bat Hen Sabag, die im Interview über die Idee hinter der Story spricht.

Die von Jasna Fritzi Bauer gespielte Shiri Conradi ist laut, rebellisch und nicht immer leicht zu ertragen. Sie lebt als recht erfolglose Schauspielerin in Berlin, ist 30 Jahre alt, sieht allerdings aus wie ein Teenager. Etwas, das im Verlauf der Serie ständig thematisiert wird und der ohnehin permanent gereizten Shiri ziemlich auf den Keks geht.

Als ihr Ex-Freund mit einer Tüte Ecstasy-Pillen von der Polizei hochgenommen wird, ist es ist es aber eben dieses jugendliche Aussehen, das ihm aus der Patsche beziehungsweise dem Knast helfen könnte. Man bietet Shiri einen Deal an. Sie soll undercover an einer Schule ermitteln und herausfinden, wo die hoch dosierten Pillen herkommen, die eine Schülerin nach einer Party ins Koma fielen ließen. Nur so könne ihre große Liebe entlastet und entlassen werden. Zu diesem Hauptplot werden noch allerlei persönliche Verwicklungen erzählt, in deren Fokus immer wieder Shiri steht.

Für die vierte Serie, die Vox selbst produzierte, diente "Metumtemet" als Vorbild. Das Drehbuch zum israelischen Original schrieb die Schauspielerin Bat Hen Sabag, die tatsächlich von der Polizei mal angefragt wurde, undercover an einer Schule zu ermitteln. Sie lehnte ab, doch ging ihr die Idee seither nicht mehr aus dem Kopf, erzählt die heute 35-Jährige im Interview.

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Wie war es, als du am Rande der Dreharbeiten das erste Mal auf Jasna Fritzi Bauer getroffen bist?

Bat Hen Sabag: Es war sehr schön. Wir haben viel gegessen und getrunken. Und wir haben viel geredet.

Hast du ihr Anweisungen für die Rolle der Shiri gegeben?

Ich glaube, sie wusste schon, was zu tun ist. Sie hatte die Rolle verstanden. Der Charakter, das Abenteuer, das sie als Shiri durchläuft, das musste sie sich selbst erarbeiten. Sie musste es zu etwas Eigenem machen.

Kannst du ein bisschen was zum Original-Drehbuch erzählen? Wann kam dir die finale Idee, aus der Geschichte eine Serie zu machen?

Ich habe vor sieben Jahren begonnen, an diesem Projekt zu arbeiten. Es hat alles damit begonnen, dass ich als Schauspielerin nie so glücklich mit den Drehbüchern gewesen bin und irgendwann beschlosss, mich selbst an das Schreiben zu wagen. Es hat allein schon vier Jahre gedauert, die erste Staffel zu schreiben. Jetzt kommt das Ganze nach Deutschland, das ist schon sehr aufregend für mich.

Erzähle doch mal ein bisschen zu der Geschichte hinter der Serie.

Als ich 19 Jahre alt war, bekam ich tatsächlich ein Angebot, als Undercover-Ermittlerin an eine Schule zu gehen. Ich habe das natürlich abgelehnt und die Serie ist nun eine düstere Fantasie darüber, was passiert wäre, wenn ich damals zugesagt gesagt hätte. Und ich habe sehr viele persönliche Dinge mit eingebaut, als eine Art Psychotherapie für mich selbst. Es geht um Beziehungen, die von Dominanz und seelischem Missbrauch bestimmt werden. Irgendwer benutzt immer irgendwen. Das hat mich fasziniert, davon wollte ich erzählen.

Weißt du, was du damals an der Schule hättest ermitteln sollen? Ging es tatsächlich um Drogen?

Ja, wirklich. Ich sollte an eine Mittelschule gehen und herausfinden, wer dort Drogen an Teenager verkaufte. Ich sah sehr jung aus und ich war Schauspielerin, das fanden sie wohl perfekt. In dem Moment, als sie mich fragten, hatte ich selbst gerade einen fetten Beutel Marihuana in meinem Zimmer. (lacht) Deswegen dachte ich, es sei keine gute Idee, das Angebot anzunehmen.

Kommen solche Anfragen an Schauspieler wohl häufiger vor?

Nein, ich denke eher nicht. Ich arbeitete damals in einem Ausbildungszentrum der Armee und kam so in Kontakt mit den Polizisten.

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Die 30-jährige Shiri raucht nun wieder heimlich auf dem Schulklo.

(Foto: TVNOW)

Nun hast du ja schon etwas von der deutschen Adaption gesehen. Wo sind die größten Unterschiede?

Ich habe mit den Autoren (Arne Nolting und Jan Martin Scharf - Anm.d.Red.) gesprochen und glaube, dass sie einen sehr guten Job gemacht haben. In Deutschland wurde eine Folge allerdings in sieben Tagen gedreht, wir hatten gerade mal eineinhalb dafür. Das Budget war bei euch höher als das, was wir zur Verfügung hatten.

Glaubst du, dass es einen Unterschied macht, ob man in Deutschland oder in Israel Schauspielerin ist?

Nein, ich denke, das ist genau der gleiche Mist. (lacht)

Warum ist es Mist?

Das Leben eines Schauspielers ist sehr hart. Das Schwierigste daran ist, dass du ständig von anderen abhängig bist, um Arbeit zu bekommen. Deswegen habe ich begonnen, selbst zu schreiben. Und wenn du dich als Schauspielerin raus und auf die Bühne wagst, musst du immer Kritik einstecken. Das kann schon bitter sein.

In einer Szene muss Shiri beim Vorsprechen für eine Rolle ihren Text als verwundetes Tier vortragen. Ist das üblich?

Mir ist es tatsächlich so passiert. Ich habe den Regisseur auf diese Weise anbrüllen müssen. Das passiert sehr häufig, wirklich. Als Schauspieler bist du das schwächste Glied in der Kette, deswegen braucht man schon ein dickes Fell.

Aber gibt es um erfolgreiche Schauspieler in Israel einen ähnlich großen Hype wie in Deutschland mit all den roten Teppichen und Preisverleihungen?

Wir versuchen das auch, ja. (lacht) Allerdings in einer kleineren Dimension. In den letzten sieben Jahren habe ich allerdings kaum geschauspielert, sondern nur geschrieben, so dass ich mit dem Leben im Rampenlicht gar nicht mehr viel zu tun habe.

Der Original-Titel der Serie auf Hebräisch lautet übersetzt in etwa "dumme Kuh", bei uns heißt das Ganze jetzt "Rampensau" ...

Bei uns steht Metumtemet für ein Mädchen, das einfach handelt, ohne sich über die Konsequenzen Gedanken zu machen. Und das tut sie immer und immer wieder. Es gibt keine direkte Übersetzung dafür. Es ist jedenfalls kein nettes Wort, aber ich mag es einfach.

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Mit ihren neuen Kollegen kommt Shiri nicht so gut klar.

(Foto: TVNOW)

Hat es auch ein bisschen damit zu tun, dass alle Shiri für dümmer halten, als sie in Wirklichkeit ist?

Der Grund, aus dem ich die Serie so genannt habe, war meine größte Angst, nämlich, dass mich die Leute für hübsch, aber dumm halten. Seit ich die Serie geschrieben habe, wissen sie, dass es nicht so ist. Eine Art Schocktherapie also. Aber es ist ein sehr provokativer Name, tatsächlich.

Und wie glücklich bist du mit dem deutschen Titel?

Sehr zufrieden. Shiri ist Schauspielerin und spielt die Rolle ihres Lebens, ohne dass jemand das weiß. Für mich klingt der Titel passend.

Du sagst, du möchtest nicht auf dein Äußeres beschränkt werden. Ist das etwas, das in Israel heute noch vor allem Frauen passiert?

Ich glaube, diese Angst haben alle Frauen. So funktioniert der Mensch eben, er sieht erstmal nur das Äußere. Jede Frau, die schön und schlau ist, hat Angst, nicht für ihre Intelligenz gefeiert zu werden. Als Schauspielerin ist das vielleicht noch mal ein bisschen stärker ausgeprägt. Wenn du schön und dumm bist, ist es dir natürlich egal.

Wo bestehen die größten Parallelen zwischen dir und der Hauptfigur Shiri?

Shiri und ich tragen dieselbe Wunde mit uns herum, und es ist der Umstand, dass niemand sieht, wer wir wirklich sind. Eben weil wir jung und ein bisschen dumm aussehen. Diese Wunde in mir war das, was auch Shiri antreibt. Allerdings ist das bei mir jetzt schon zehn Jahre her.

Was hast sich seither bei dir verändert?

Naja, Dinge ändert sich ja ständig. Ich habe vieles für mich herausgefunden, zum Beispiel mit dem Schreiben angefangen. Ich habe gelernt, mit meinen Dämonen zu tanzen. Und das Schreiben dieser Serie hat mir dabei sehr geholfen.

"Rampensau" läuft ab dem 20. November immer mittwochs um 20.15 Uhr in Doppelfolgen auf Vox.

Bereits sieben Tage vor TV-Ausstrahlung kann man sich die Episoden als Preview bei TVNOW anschauen.

Quelle: n-tv.de, nan