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Donnerstag, 08. Januar 2015

Der unsterbliche Elvis Presley: Der King ist tot, es lebe der King

Von Markus Lippold

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Der "King" ist tot? (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Der "King" ist tot?

Der "King" ist tot?

Nein, das kann nun wirklich nicht sein.

Denn eigentlich begegnet man ihm noch immer auf Schritt und Tritt.

Dafür sorgen nicht nur die zahlreichen Imitatoren …

… aus aller Welt, …

… bei denen man oft genug zweimal hinschauen muss, um zu erkennen, dass es nur Kopien sind.

Auch sonst hat sich Presley tief ins kulturelle Gedächtnis der Welt eingegraben - …

… meist reichen kleine Anspielungen, um an ihn zu erinnern, wie Japans Ex-Premier Junichiro Koizumi (ein großer Elvis-Fan) beweist.

Fans geben ihr letztes Hemd für Andenken an ihren "King" und sammeln jeden Schnipsel Erinnerung.

Jährlich kommen seine Anhänger an seinen Geburts- und Sterbetagen zusammen und feiern ihren Helden.

Presleys Devotionalien - wie die Bescheinigung über den Erhalt des schwarzen Karate-Gürtels - erzielen bei Auktionen Höchstpreise.

Was mit ihm zusammenhängt (oder hing), wird wie ein Schatz aufbewahrt - egal, ob es sich um Kopf- oder Schambehaarung handelt.

Seine Platten werden noch immer verkauft, …

… und Jahrzehnte nach seinem Tod gehört er noch immer zu den bestverdienenden toten Musikern.

Allerdings ist die Vorstellung, der "King of Rock'n'Roll" wäre am 8. Januar 2015 schon 80 Jahre alt geworden, doch etwas beklemmend, ...

… schließlich stand Elvis auch für Jugendkultur und Rebellion.

Und wie würde er eigentlich aussehen, wenn er nicht am 16. August 1977 an einem Herzstillstand gestorben wäre?

Darüber kann man wohl nur spekulieren, wie der Karikaturist Manfred Deix, ...

... oder wie die schottische St. Andrews Universität einen Computer ein realistisches Bild des 70-jährigen Elvis erstellen lassen.

Jedenfalls wäre es wohl irgendwie eine Kombination aus seinem Vater …

… und seiner Mutter.

Die beiden sind es auch, die Elvis' Liebe zur Musik wecken. Der spätere "King" wird am 8. Januar 1935 in Tupelo im US-Bundesstaat Mississippi geboren - er hat schottische, indianische und wohl auch deutsche Wurzeln. Er wächst in ärmlichen Verhältnissen auf, aber gerade weil wenig Geld für Freizeitaktivitäten vorhanden ist, beginnt er schon früh, mit seinen Eltern zu musizieren.

Zudem tritt er in den Kirchenchor ein. In einem Radio-Talentwettbewerb hat er schließlich seinen ersten öffentlichen Auftritt. Daraufhin bekommt er von seiner Mutter eine Gitarre geschenkt und bringt sich das Spielen zum Teil selbst bei. Das Instrument begleitet ihn zu weiteren Radio-Auftritten und in die Schule.

Nach dem Umzug der Familie nach Memphis geht Presley in die Humes High School.

Die Stadt prägt ihn zutiefst, denn hier treffen die verschiedensten Musikstile aufeinander - Country, Rhythm & Blues und Gospel werden zu seinen bestimmenden Einflüssen. Später wird Memphis, neben Detroit, zum Zentrum des Soul.

Nach der Schule arbeitet Elvis 1953 bei einem kleinen Maschinenreparaturservice. Mit dem ersten Gehalt in der Tasche führt ihn der Weg direkt in das Plattenstudio von Sam Phillips (Bild), der auch das Sun-Plattenlabel betreibt, Künstler wie Howlin' Wolf und B.B. King herausbringt und die ersten Rock 'n' Roll-Singles veröffentlicht.

Angeblich für seine Mutter besingt er eine Acetatscheibe mit den Liedern "My Happiness" und "That's When Your Heartaches Begin". "Guter Balladensänger, merken!", notiert sich Phillips' Assistentin. Doch erst bei einem zweiten Besuch trifft Presley - inzwischen LKW-Fahrer - auf Phillips persönlich.

Dieser fördert ihn und es kommt im Juli 1954 zu ersten Aufnahmesessions. Nach etlichen Versuchen finden Elvis und zwei Mitmusiker mit "That's All Right Mama" ihren eigenen Sound. Der Rockabilly, eine Mischung aus Rhythm & Blues und Country, ist geboren. Mit der B-Seite "Blue Moon Of Kentucky" kommt der Song als Single heraus.

Mit diesem Achtungserfolg in der Tasche tritt Presley erstmals vor größerem Publikum auf. Neben der Musik ist es vor allem sein schwungvoller Tanz, der das Publikum ausrasten lässt und der zu seinem Markenzeichen wird. Als "Hillbilly Cat & The Blue Moon Boys" tourt er mit einer kleinen Band durch die Südstaaten und feiert mit weiteren Sun-Singles erste Charterfolge.

1955 verkauft Sam Phillips (für damals sensationelle 40.000 Dollar) den Vertrag mit Elvis an RCA. Mit dem Labelwechsel bekommt Presley auch einen neuen Manager: Der berühmt-berüchtigte Colonel Tom Parker (ein gebürtiger Holländer) wird den "King" bis zu seinem Tod vertreten und 25 Prozent Provision kassieren.

"Heartbreak Hotel" wird Presleys erste große Hit-Single für RCA, die eine Goldene Schallplatte bekommt. Das folgende Album "Elvis Presley" toppt ebenfalls die Billboard-Charts. Um den richtigen Sound zu treffen, übernimmt Presley ab jetzt, bis zum Karriereende, meist selbst die Leitung über seine Plattenaufnahmen.

Mit Erfolg, wie sich zeigt: Die Hits reißen nicht mehr ab. Mit "Hound Dog", "Blue Suede Shoes", "Blue Moon", "Love Me Tender", "All Shook Up" und "Jailhouse Rock" wird Presley auch international immer erfolgreicher.

Es folgen zahlreiche Fernsehauftritte, von kleinen regionalen Programmen bis zur Show von Ed Sullivan. Die inzwischen typischen Hüft- und Beinbewegungen bringen ihm dabei nicht nur den Beinamen "Elvis the Pelvis" (Elvis das Becken) ein, sondern machen Rock 'n' Roll auch im ganzen Land bekannt.

Allerdings werden die Bewegungen nicht überall begeistert aufgenommen: Zeitungen, Elternverbände, Kirchen und Eltern sind schockiert von den obszönen Gesten des neuen Rock 'n' Roll-Stars.

Durch sein natürliches Talent, vor der Kamera aufzutreten, wird auch bald Hollywood auf ihn aufmerksam. "Love Me Tender" (Bild, links Manager Colonel Parker), "Jailhouse Rock" und "King Creole" gehören zu den ersten Streifen, in denen Presley nicht nur die Hauptrolle spielt, sondern auch die Musik beisteuert.

Er feiert mit den Filmen Erfolge an der Kinokasse und erntet teils auch Kritikerlob, die Soundtracks schießen in den Charts an die Spitzenpositionen. Zudem nimmt er weiter Singles und Studioalben auf und tourt durch Nordamerika. Elvis Presley ist zum Superstar geworden.

1957 erhält der Musiker jedoch seinen Einberufungsbefehl zum Militär. Entgegen den Erwartungen entscheidet er sich nicht für die Truppenbetreuung oder ein anderes komfortables Soldatenleben, sondern für den normalen Dienst.

Manager und Plattenfirma freilich sorgen für die nächsten zwei Jahre vor: Sie bringen während seiner Abwesenheit bisher unveröffentlichte oder in einem Kurzurlaub neu eingespielte Songs und Platten heraus und erhalten so das Interesse aufrecht.

Kurz vor seiner Abreise nach Deutschland stirbt allerdings Elvis' Mutter - für ihn ein schwerer Schicksalsschlag. Trotzdem absolviert er die Grundausbildung für den Einsatz in einem Panzerbatallion. Anschließend ist er von Oktober 1958 bis März 1960 im deutschen Friedberg stationiert.

Als Soldat macht er eine gute Figur. Er wohnt zwar in einem privat angemieteten Haus, gilt aber trotzdem als bodenständig und umgänglich. In zwei Jahren Armeezeit schafft er es bis zum Sergeant.

Auch privat winkt ihm in Deutschland das Glück: Er lernt die damals erst 14-jährige Priscilla Beaulieu kennen, seine spätere Frau. Dass er mit einer Minderjährigen anbändelt, sorgt zwar für Proteste - aber diese werden stillschweigend übergangen.

Seine zweite Leidenschaft bleibt allerdings die Musik. Selbst während seiner Militärzeit beschäftigt sich Elvis mit neuen Entwicklungen. Er hofft, nach seiner Rückkehr aus Deutschland an alte Erfolge anknüpfen zu können.

Und tatsächlich: Mit "Stuck On You", "It's Now Or Never", "Are You Lonesome Tonight", "Can't Help Falling In Love", "Return To Sender und "You're The Devil In Disguise" landet er bis Mitte der 60er Jahre weitere Hits.

Weit produktiver ist er jedoch vor der Filmkamera. 27 Filme dreht er in den 60er Jahren, bringt zu jedem Streifen einen Soundtrack heraus. Live tritt er dagegen zwischen 1961 und 1969 nicht mehr auf.

In einem seiner größten Filmerfolge spielt er einen US-Soldaten - der in Deutschland stationiert ist.

Der Soundtrack zu "G.I.-Blues" verkauft sich besser als seine neuen Studioalben.

Kein Wunder, dass er in den nächsten Jahren in unzähligen Musikkomödien auftritt: Von "Blue Hawaii" bis "Viva Las Vegas" exerziert er so gut wie jedes Genre …

… und jede Rolle durch, immer einen flotten Song auf den Lippen und schöne Frauen an seiner Seite.

Filme wie der Western "Flaming Star", in denen er eine seiner besten schauspielerischen Leistungen zeigt, sind allerdings die absolute Ausnahme.

Viel eher sind die Streifen Star-Vehikel mit Musik, mit denen sich vor allem Geld verdienen lässt. Nicht umsonst handelt Manager Parker zwar eine Gewinnbeteiligung aus, jedoch kein Mitspracherecht bei Rollen- und Songauswahl - auch zum Missfallen von Presley selbst.

Zudem werden die Filme mit den Jahren in immer kürzeren Zeiten heruntergedreht, die Qualität sinkt zunehmend. Auf anspruchsvolle Rollen wartet Elvis vergeblich. Weder Management noch Plattenlabel haben ein Interesse an einem Kurswechsel.

Auch die Soundtracks verlieren ihren Anspruch. Immerhin verkaufen sie sich besser als die weit weniger vermarkteten Studioalben, auf die man schließlich ab Mitte der 60er Jahre ganz verzichtet.

Doch die 60er Jahre werden von Beatlemania und British Invasion bestimmt - Elvis ist auf dem absteigenden Ast. Zeit für Veränderungen!

Am 1. Mai 1967 heiratet der "King" in Las Vegas Priscilla Beaulieu.

Genau neun Monate später kommt Tochter Lisa Marie zur Welt, die später vor allem als Ehefrau des "King of Pop" Michael Jackson für Aufsehen sorgt.

1967 beginnt Presley auch wieder, im Studio zu arbeiten. Das Gospelalbum "How Great Thou Art" beschert ihm sogar seinen ersten Grammy.

Sein eigentliches Comeback schafft er jedoch mit seinem ersten Fernsehauftritt seit 1960: Dem TV-Special ELVIS, das am 3. Dezember 1968 ausgestrahlt wird. Neben alten Hits präsentiert er neue Lieder und - ganz in schwarzes Leder gekleidet - einige Songs unplugged in einer Art Jam-Session mit befreundeten Musikern.

Die Sendung erreicht 42 Prozent Einschaltquote. Einigen Kritikern gilt der Auftritt als Elvis' beste musikalische Darbietung. Daraufhin entscheidet er sich, wieder live zu spielen. Bis 1977 folgen mehr als 1000 Konzerte, Presley wird nun endgültig zur Musiklegende - …

… unter anderem mit dem ersten weltweit per Satellit ausgestrahlten TV-Special "Aloha From Hawaii" 1973, das mehr Menschen verfolgen als die erste Mondlandung 1969.

Im Studio - mit neuem Produzenten - setzt er nun auf eine weit breitere Palette an Stilen, von Gospel und Country bis Soul und Rock. Außerdem nimmt er wieder in Memphis statt in Hollywood oder Nashville auf. Zu den größten Hits in dieser Zeit gehören "In The Ghetto" und "Suspicious Minds".

Nach den jugendlichen Rock 'n' Roll- und den Hollywood-Jahren beginnt eine dritte Phase in Presleys Karriere: Er ist nun der vergötterte Entertainer, das unnahbare Idol, das sich in seiner Freizeit auf sein Anwesen Graceland in Memphis zurückzieht. (Im Bild 1970 mit dem US-Präsidenten Richard Nixon)

Eine neue Herausforderung stellt der Vertrag mit dem International Hotel in Las Vegas dar. Mit komplett neuer Band spannt Elvis in den Shows ab Juli 1969 einen Bogen von seinen alten Rock 'n' Roll-Hits …

… über die neuen Songs bis zu Liedern anderer Interpreten wie "Hey Jude", "Johnny B. Good" und "Funny How Time Slips Away". Dazwischen zeigt er mit Storys und Karate-Einlagen seine Qualitäten als Entertainer. Berühmt werden die Auftritte aber auch durch die Kleiderwahl, die eng mit Presleys Vegas-Karriere verbunden ist: …

… Der weiße Jump-Suit wird zum Markenzeichen des, nun ja, gereiften Musikers. Der Erfolg der ersten Shows führt zu einem Fünfjahresvertrag, der dem "King" bis 1973 acht Millionen Dollar garantiert. Letztlich tritt er bis Dezember 1976 in dem späteren Hilton-Hotel auf. Die Shows sind durchweg ausverkauft, da Fans aus aller Welt anreisen, um ihr Idol live zu sehen.

Noch heute ist der "King" in der Spielerstadt allgegenwärtig. Neben unzähligen Doppelgängern und der Cirque du Soleil-Show "Viva Elvis" gehören Elvis' Songs fast schon standardmäßig zu den Trauungen in den Wedding Chapels.

Neben den Hotel-Shows tourt Presley durch die USA, gibt mehr als hundert Konzerte pro Jahr. Auch im Studio ist er noch präsent, bis 1976 nimmt er neue Songs auf. Jedoch nehmen die Probleme zu: …

… 1973 lässt er sich von Priscilla scheiden.

Übergewicht, jahrelange Medikamentenabhängigkeit und Drogenmissbrauch ruinieren zunehmend seine Gesundheit: Er ist angeschlagen, auf der Bühne wird Presley mehr und mehr zur Karikatur seiner früheren Jahre. (Tablettendosen aus seinem Nachlass)

Am 16. August 1977 verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer: Elvis Presley, der "King of Rock 'n' Roll", ist tot. Seine damalige Freundin findet den 42-Jährigen bewusstlos im Badezimmer. Im Krankenhaus wird sein Tod festgestellt.

Tausende Menschen an den Straßen begleiten den Sarg ...

... zur Beisetzung auf dem Forest Hill Cementary in Memphis, wo Elvis neben seiner Mutter zur letzten Ruhe gebettet wird.

Aus Sicherheitsbedenken - es gibt einen Versuch, die Leiche zu rauben - wird er später auf seinem Anwesen Graceland erneut beerdigt (hier hockt sein Vater an seinem Grab).

Noch heute gilt Presley mit mehr als einer Milliarde verkaufter Tonträger als kommerziell erfolgreichster Künstler. Regelmäßig kürt ihn das Forbes-Magazin zum bestverdienenden toten Prominenten.

Sein Anwesen in Memphis mit seinem Grab ist eine Touristenattraktion.

Auf Auktionen werden Erinnerungsstücke zu horrenden Preisen verkauft, jährlich erscheinen CDs, DVDs und Bücher, die sich mit Leben und Karriere des "King" befassen.

Einige davon verfolgen allerdings eine ganz eigene Theorie: Elvis sei nie gestorben, sondern nur untergetaucht, heißt es da. Regelmäßig tauchen Berichte auf, nach denen der leibhaftige "King" gesichtet wird, etwa als Tankstellenwart in Nevada - am besten zusammen mit James Dean und Marilyn Monroe.

Wie gesagt: Elvis lebt noch, auf welche Weise auch immer.

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