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Dienstag, 03. Februar 2015

Zu nackt, zu brutal? Zensiert!: Diese Platten-Cover wollen die USA nicht sehen

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Mal etwas Musik zu hören, das ist schon in Ordnung. Wenn es denn nur die richtige ist. Der Maßstab für "richtig" sind hier übrigens die USA. Und wenn's nach denen geht, darf man das Buch, Verzeihung, die Platte, auch ruhig mal nach dem Cover beurteilen. (Foto: imago/Westend61)

Mal etwas Musik zu hören, das ist schon in Ordnung. Wenn es denn nur die richtige ist. Der Maßstab für "richtig" sind hier übrigens die USA. Und wenn's nach denen geht, darf man das Buch, Verzeihung, die Platte, auch ruhig mal nach dem Cover beurteilen.

Mal etwas Musik zu hören, das ist schon in Ordnung. Wenn es denn nur die richtige ist. Der Maßstab für "richtig" sind hier übrigens die USA. Und wenn's nach denen geht, darf man das Buch, Verzeihung, die Platte, auch ruhig mal nach dem Cover beurteilen.

Zu Beginn der Platten-Cover-Zensur sorgte sich noch niemand um Vergewaltigungsszenen, Frauenbrüste und Kinderpos. Man hatte wichtigere Probleme: Toiletten nämlich. 1966 musste der Pott auf dem "If You Can Believe Your Eyes and Ears"-Cover von The Mama's and the Papa's weichen. Photoshop gab es noch nicht, also kam einfach ein Störer über das anstößige Keramikbecken.

Es kam ihnen ganz "natürlich" vor, ihr Plattencover. Das sagte später jedenfalls John Lennon über seine und Yoko Onos Genitalien auf der Platte "Unfinished Music No. 1: Two Virgins". Die Behörden sahen das anders. Unzählige Platten wurden 1968 wegen Obszönität beschlagnahmt. Damit die Scheibe doch verkauft werden konnte, wurde sie in braune Papiertüten gepackt.

Es waren die späten 60er, man war eben nackt - auch als Kind. Nun muss eine barbusige 11-Jährige aber nicht unbedingt ein Plattencover zieren, vor allem nicht mit einem Flugzeug in der Hand, was viele für phallisch hielten - die Plausibilität jedenfalls letzterer Assoziation sei mal dahingestellt. Künstler Bob Seidemann hatte sich eigentlich ganz andere Gedanken gemacht, als er das Bild für Eric Claptons Band Blind Faith entwarf, nur interessierte das die Händler selbst 1969 nicht.

Für die Gestaltung von Led Zeppelins "Houses of the Holy" zeichnet der renommierte Cover-Künstler Storm Thorgerson verantwortlich. Wenngleich es noch heute regelmäßig unter die schönsten seiner Art gewählt wird, monierten viele Händler 1973 vielleicht zu Recht die nackten Kinderpos. Trotz verändertem Cover war die Platte im Süden der USA lange nicht zu kaufen.

Dass die 1950er-Jahre schon eine Weile lang passé waren, musste Thorgerson (genau, der von eben) 1979 lernen, als er auf dem Scorpions-Album "Lovedrive" eine Männerhand mit Kaugummi an einer Frauenbrust fixierte. Diverse Händler verzichteten auf den Verkauf der Platte. Einen Fan hatte Thorgerson aber sicher: Das Magazin "Playboy" krönte seine Arbeit zur besten Plattenhülle des Jahres.

Eigentlich doch ein sehr intellektueller Ansatz der Band Bow Wow Wow, sich Édouard Manets "Das Frühstück im Grünen" vorzunehmen und neu zu interpretieren. Aber eben auch ein juristisch fragwürdiger Ansatz, denn die Nackte gab Sängerin Annabella Lwin, die zu dem Zeitpunkt gerade einmal 15 Jahre alt war. Scotland Yard ermittelte und das Cover wurde 1981 erst einmal gesperrt, im Folgejahr wurde es in den USA ohne weiteres Aufheben veröffentlicht.

Auch vor dem 11. September hatten die USA brennende Hochhäuser nicht gern im Fadenkreuz einer Schusswaffe. Def Leppard weigerten sich 1983 trotzdem, das Cover von "Pyromania" zu verändern. Diverse Ketten verbannten die Platte, deren Erfolg hat das nicht sonderlich geschmälert.

Das erste Solo-Album von Pink Floyds Roger Waters wägt 1984 die Vor- und Nachteile des Trampens ab. Sich nackig - bis auf die roten Hacken - an die Autobahn zu stellen, hat ganz sicher sein Für und Wider. Wie wirkt denn das? Nicht gut, urteilte die Zensur-Polizei und bedeckte den Hintern auf dem Cover von "The Pros and Cons of Hitch Hiking" ganz klassisch mit einer schwarzen Box.

Wenn feucht, dann rutschig, wenn scharf, dann schlüpfrig. Jon Bon Jovi behauptete, ihn habe lediglich der pinkfarbene Rahmen gestört, als das Cover der Platte, das der Band 1986 zum Durchbruch verhalf, verändert wurde. Beim Label hatte man Sorge, Händler könnten die Scheibe nicht anbieten. Es gab also vor Verkaufsstart ein neues Cover. Japan entschied sich übrigens, trotzdem bei der ursprünglichen Variante zu bleiben.

Man wird ja wohl noch eine Roboter-Vergewaltigung zeigen dürfen, dachten sich wohl Guns N'Roses, als sie 1987 Robert Williams Gemälde "Appetite for Destruction" auf das Cover ihres danach benannten Albums packten. Darf man aber nicht. Nach zahlreichen Beschwerden wurde das Bild gegen Totenschädel-Köpfe der Bandmitglieder ausgetauscht. Dabei hatte Axl Rose doch bereits auf ein Bild von der Explosion des Raumschiffs "Challenger" verzichtet, hach.

"Open Up and Say ... Ahh!" heißt die Poison-Platte von 1988 mit der rothäutigen, langzüngigen Dämonin. Mehr verstörend als satanisch, sicher nicht sexuell, sollte man meinen. Das sahen viele anders und das Cover wurde weitgehend entfremdet.

Nicht dass die sich noch reihenweise selbst das Hirn wegpusten - so etwas in der Art muss sich eine US-Handelskette gedacht haben, als sie das Cover dieser "The Beautiful South"-Platte 1989 verbannte. Auf der alternativen Version prangte tatsächlich Stoffhase neben Teddybär.

Da hatte sich "Jane's Addiction"-Frontmann Perry Farrell 1990 so eine Mühe gegeben und an einem netten Bild von sich und zwei Frauen beim Liebesspiel gebastelt. Der Song "Three Days" erzählte schließlich von einem flotten Dreier. Einige Händler wollten so viel Nacktheit wie bei "Ritual de lo Habitual" aber nicht in ihren Regalen sehen. Die bekamen also alternativ ein weißes Cover mit dem Text des First Amendment der US-amerikanischen Verfassung.

Für TADs Plattencover zu "8-Way Santa" wurde aus dem Bild eines netten, jungen Pärchens eine bunte Collage gemacht. Das Pärchen war allerdings gar nicht glücklich, als es sich da völlig unerwartet im CD-Regal betrachten durfte. Einer der beiden hatte auch noch zum Glauben gefunden. Sie verklagten das die Plattenfirma und aus den jungen Wilden wurde "die Band vor einer Gruppe Kühen".

Dass auch abstrakte Genitalien anstößig sein können, mussten Tin Machine lernen. Die vier Penisse der Cover-Statuen von "Tin Machine II" wurden 1991 noch modelliert. David Bowie wollte ursprünglich Fans dazu aufrufen, die Plattenfirma zu bitten, ihnen die Original-Gemächte per Post zu senden. Er rückte jedoch von der Idee ab, als er herausfand, dass das Verschicken von Genitalien nicht ganz legal war.

Es würden einem sicher Gründe einfallen, weshalb sich Händler am Cover zu Nirvanas 1993-Platte "In Utero" hätten stören sollen. Die fegten das Album allerdings aus einem ganz anderen Grund aus den Regalen: Der Song "Rape Me" (Vergewaltige mich) war ihnen zu provokant. Kaum hieß er "Waif Me" - wohlgemerkt bei unveränderter Musik - durfte die CD wieder in die Ladentheken.

Da muss man erst einmal genauer hinsehen. Ja, ganz genau, das 1994-Cover von Panteras "Far Beyond Driven" zeigte Bohrer in Po. Aber nicht lange. Recht schnell bohrte der Bohrer in jemandes Stirn - das fand wohl mehr Gefallen.

Da haben The Black Crowes 1994 schon so viel Patriotismus aufs "Amorica"-Cover gepackt und noch immer war es nicht genug. Wobei, vielleicht konnte der Stars-and-Stripes-String auch einfach nur nicht über den Hauch von Schamhaar hinwegtäuschen, den das Cover-Foto zeigte. Gefiel einigen Händlern nicht, verkaufte sich trotzdem.

"Verstörend" muss die Richtung sein, die Van Halen für den Stil ihres "Balance"-Covers mit den Siamesischen Photoshop-Zwillingen vorgegeben haben. Verstörend fanden das Ergebnis dann aber gleich so viele Menschen, dass 1995 auch eine Version mit nur einem Kind auf der Wippe angeboten wurde.

Vorsicht bei Oralverkehr und vor allem mit Tieren und ganz vor allem auf einem CD-Cover. NOFX bekam 1996 nicht ganz unüberraschend Probleme mit der Single "Eating Lamb". Wenn wundert's, wo es doch bereits mit dem zugehörigen Album "Heavy Petting Zoo" Probleme gegeben hatte.

Wieso, sieht doch schön aus? Dass 2006 sich noch jemand die 90er-Porno-Ästhetik des nackigen Ehepaares Coco Austin und Ice-T stören würde, damit hätte man nicht rechnen müssen - vor allem, wo doch die wirkliche Geschmacksverirrung das Bilderrahmenimitat ist. War aber so. Deswegen wurde die Platte bei einigen Händlern nicht geführt.

Als Kanye West George Romo mit der Gestaltung seines Album-Covers zu "My Beautiful Dark Twisted Fantasy" beauftragte, beabsichtigte er bereits dessen Zensur. So kam es denn auch: eine armlose, dafür geflügelte Nackte mit Dalmatiner-Schwanz rittlings sitzend auf Mr. West himself genügte. West bot 2010 alternativ zunächst eine Ballerina an, dann entstanden noch mehr Cover-Bilder.

Aber sie hat sich doch angezogen, die Natasha Khan! Na, jedenfalls doch bedeckt. Offenbar aber nicht genug. Noch 2012 störten sich Händler an Bat for Lashes' Cover zu "The Haunted Man". Die nackte Frau musste neben dem erlegten Mann noch einen Sticker tragen.

Sky Ferreira wollte sich bei der Cover-Gestaltung für "Night Time, My Time" 2013 nicht reinreden lassen. Statt dem Vorschlag der Plattenfirma zu folgen und ein konventionelles Foto von sich zu wählen, entschied sie sich für ein Porträt, das der Fotograf Gaspar Noé geschossen hatte. Bei der iTunes-Präsentation machte Ferreiras Label ihr allerdings einen Strich durch die Rechnung und schnippelte den Nippel weg. (ame)

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